In Siedlungsgebieten werden Niederschläge üblicherweise konzentriert und möglichst schnell als Abwasser entsorgt. Diese Vorgehensweise stellt einen erheblichen Eingriff in den Wasserhaushalt und das Klima dar. Das so verringerte Verdunstungsangebot führt bei anhaltend sommerlich trockener und warmer Witterung zu einem erhöhten fühlbaren Wärmestrom, was sich im Phänomen einer „städtischen Wärmeinsel“ äußert. Die bereits eingetretene und prognostizierte weitere Temperaturzunahme im Sommerhalbjahr bei gleichzeitig unregelmäßiger werdenden Niederschlägen führt zu einer steigenden Gesundheitsgefährdung und wirtschaftlichen Belastung.
In diesem Zusammenhang ist die Regenwasserbewirtschaftung eine effektive Nachhaltigkeitsstrategie. Die Klimawirksamkeit der Regenwasserbewirtschaftung ergibt sich aus der Abkühlung der Luft durch Verdunstung. Diese wird im urbanen Raum insbesondere durch vitale Vegetation geleistet. Ein zusätzlicher Kühleffekt entsteht durch Beschattung. Grün ist daher ein entscheidender Faktor für die Lebensqualität einer Stadt und gewinnt im Zuge der Klimaveränderungen noch an Bedeutung. Bei unzureichender Wasserversorgung der Vegetation, wie sie besonders in Städten oft festzustellen ist, nehmen Verdunstung und damit Klimaleistung jedoch rapide ab.

Regenwasserbewirtschaftung am Campus Pillnitz: Feuchtdach (li.) und Wasserbeet-Anlage (re.) am Pillnitzer Platz 1
Um die Grünanlagen des HTW-Campus in Dresden-Pillnitz leistungsfähig zu erhalten, wurde 2002 mit der Regenwasserbewirtschaftung begonnen. Inzwischen wird der größte Teil des Niederschlagswassers, das auf den versiegelten Campusflächen und angrenzenden Gebäuden anfällt, gespeichert und vorwiegend für Bewässerungszwecke genutzt.
Das Ziel dieses Teilprojektes besteht darin, eine auf andere Objekte wie beispielsweise den City Campus übertragbare gebäudebezogene Regenwasserbewirtschaftung zu entwickeln, die nach ökologischem Vorbild auf Minimierung des Oberflächenabflusses und Maximierung des Wasserrückhalts ausgerichtet ist. An den inzwischen errichteten Forschungsanlagen wird ermittelt, inwieweit Verdunstung und Versickerung sich mit vegetationstechnischen Maßnahmen vergrößern lassen bzw. inwieweit sie sich ergänzen oder ersetzen können. Erforderliche Speichervolumina können daraus abgeleitet werden.
In der Wasserbeet-Anlage am Pillnitzer Platz 1 und in der Minilysimeter-Anlage am Technikzentrum werden artspezifische Gesamtverdunstungsraten ermittelt und die daraus resultierende Kühlleistung quantifiziert.

Durchschnittliche tägliche Gesamtverdunstung bepflanzter und unbepflanzter Minilysimeter (25.3.2011 - 28.9.2011)
Die Entwicklung der Versickerungsraten in verschieden bepflanzten Behältern mit Einheitssubstrat wird in einer Minilysimeter-Anlage und in einer bepflanzten Regenmulde untersucht, um Empfehlungen für die Verbesserung der Infiltrationsrate durch gezielte Bepflanzungen geben zu können.
Außerdem wird der übliche Abflussbeiwert eines Ziegeldaches am Beispiel der Scheune am Technikzentrum anhand des Regenertrages überprüft und die Qualität des Regenwassers u. a. anhand des mikrobiellen Parameters Koloniezahl bestimmt.
Auf Grund der gesplitteten Abwassergebühr in Dresden hat die Regenwasserbewirtschaftung nicht nur ökologische sondern auch ökonomische Vorteile. Die daraus resultierenden Einsparungen werden für den HTW-Campus in Dresden-Pillnitz für den Zeitraum 2002 bis 2011 berechnet und das Kosten-Nutzen-Verhältnis ermittelt.
Es ist geplant, die am Pillnitzer Campus gewonnenen Erfahrungen und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen auf den City-Campus zu übertragen und der interessierten Öffentlichkeit in Form einer Homepage zur Verfügung zu stellen. Die Anlagen sollen weiterentwickelt und die Messungen fortgesetzt werden. Auch die Nutzung im Rahmen der Lehre soll weiter ausgebaut werden.
Prof. Dr. rer. nat. habil. Ankea Siegl
Fakultät Landbau/Landespflege
Tel. 0351 / 462 35 34