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Bericht von Alexander Pamler

Kumasi, Ghana 08/2015 – 09/2015


Kumasi befindet sich ca. 250 km nordwestlich der Hauptstadt Accra. Sie ist die Hauptstadt der Region Ashanti und mit rund 2,5 Millionen Einwohner die zweitgrößte Stadt Ghanas. Neben einigen sehenswerten Bauten aus der Zeit der britischen Kolonie Gold Coast ist die Stadt vor allem für seinen Markt, dem wahrscheinlich größten in Westafrika, und dem bunten Leben auf seinen Straßen bekannt. Die Stadt istumgeben von verschiedenen Dschungelgebieten und liegt nahe des Lake Bosumtwi, einem durch einen Meteoriteneinschlag entstandenen Binnensee, der als Naherholungsgebiet genutzt wird.

In Kumasi war ich zusammen mit anderen internationalen Praktikanten von IAESTE in der Nähe des Campus der KNUST - Universität in einem Studentenwohnheim untergebracht. Die Unterbringung war für europäische Verhältnisse spartanisch, entsprach aber den landestypischen Standards. Vier Praktikanten teilten sich einen Raum und es gab ein einfaches Badezimmer mit Dusche und Toilette auf jedem Zimmer. Die Unterbringung und die für Ghana typischen, täglichen oft mehrstündigen Stromausfälle und regelmäßig kein fließendes Wasser vermittelten mir einen ersten Eindruck von den Herausforderungen, die das Leben in Afrika mit sich bringen sollte.

Das Leben der Menschen hier spielt sich größtenteils im Freien ab. Jede Art von Dienstleistungen und Waren werden auf der Straße meist in kleinen Buden am Straßenrand oder von fliegenden Händlern, die ihre Waren in Körben oder Schüsseln auf dem Kopf tragen, angeboten. Das öffentliche Transportsystem der Stadt besteht überwiegend aus in Europa ausrangierten Kleinbussen, den sogenannten Trotros, in denen Sitzbänke angebracht wurden und die auf bestimmten Routen durch die Stadt fahren. Diese privat organisierten "Buslinien" kennen keine festen Abfahrtszeiten oder Haltestellen. Die Fahrer oder der Beifahrer, der sogenannte "Mate", der für das Ein-und Aussteigen der Fahrgäste und die Bezahlung des Fahrpreises zuständig ist rufen daher bei jedem Stopp den Namen des jeweiligen Fahrtziels der Route und wer ein- oder aussteigen will gibt dem Mate ein Zeichen. Da es keine festen Abfahrtszeiten gibt fährt das Trotro ab, wenn alle Plätze belegt sind. Die konkrete Fahrzeit hängt daher vom Verkehrsaufkommen und der Anzahl der Fahrgäste ab.


Meine Praktikumsstelle befand sich im Stadtteil Adum nahe dem Stadtzentrum von Kumasi. Das Department of Urban Roads liegt ca. 10 Minuten Fußweg vom Central Market entfernt. Mein täglicher Arbeitsweg führte mich daher zuerst mit dem Trotro ins Stadtzentrum. Dazu musste ich vom Studentenwohnheim zuerst zur nächsten größeren Straßenkreuzung laufen und dort auf ein Trotro mit dem Ziel Adum warten. Die Wartezeit war nie länger als einige Sekunden, da auf dieser Strecke unzählige Kleinbusse unterwegs sind. Sobald das Trotro dann mit bis zu 15 Personen beladen war fuhr es ab. Für einen Fahrpreis von einem Cedi und 20 Pesewas, umgerechnet ca. 30 Cent, fuhr ich dann je nach Verkehrsdichte 20 bis 30 Minuten zum Zentrum und lief von dort zu Fuß durch ein Wohngebiet zu meiner Arbeitsstelle.

Bei meiner Praktikumsstelle war ich dem dortigen Vermessungsingenieur zugeteilt. Ich durfte ihn bei Vermessungsarbeiten in Kumasi und in der Region Ashanti begleiten. Dabei konnte ich neben den eigentlichen vermessungstechnischen Arbeiten auch die Region kennenlernen. Die Hauptaufgabe der Vermessungsabteilung beim Department of Urban Roads ist es, Pläne von Straßen im Stadtgebiet zu erstellen. Dazu wird die Situation vor Ort mittels Totalstation aufgenommen und anschließend im Innendienst mit Hilfe von CAD-Software aus der Punktwolke ein Plan erstellt, der zur Dokumentation oder als Grundlage zur Planung zukünftiger Bauprojektebenutzt wird. Ein weiteres Aufgabengebiet ist die Überwachung laufender Bauprojekte. Dazu wird zum Beispiel durch Nivellement einen Höhenplan auf einer Straßenbaustelle erstellt. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird erneut nivelliert und aus den Höhendifferenzen das Volumen der in den Oberbau eingebrachten Baustoffe ermittelt und damit überprüft, ob die Straße gemäß den Vorschriften gebaut wurde. Zusätzlich gehört auch die Überwachung der Durchführung der Bauarbeiten zum Aufgabenspektrum des DUR, wozu umfangreiche Ortsbegehungen vor und während der Bauphase durchgeführt werden, die ich begleiten durfte.

Die Arbeit auf den Baustellen war für mich sehr interessant aber auch ungewohnt, da aufgrund von Geldmangel hier im Bau- und Vermessungsbereich neben sehr viel Handarbeit auch Techniken zum Einsatz kommen, die in Europa nicht oder nicht mehr der gängigen Vorgehensweise entsprechen. Dazu kommen die in Ghana allgegenwärtigen Stromausfälle und die langen Entscheidungsprozesse der Verwaltung und die Arbeitsweise der Ghanaer, die neben langen Wartezeiten auch mitunter kreative Problemlösungsstrategienerforderlich machen.


Diese Einstellung konnte ich während meiner Zeit in Ghana in allen Lebensbereichen entdecken. Besonders auf den Wochenendausflüge zu den Sehenswürdigkeiten des Landes, die vom Lokalkomitee von IAESTE organisiert wurden zeigte sich immer wieder das besondere Improvisationstalent der Ghanaer. Trotz der vielen Probleme wie Umweltverschmutzung und maroder Infrastruktur, mit denen das Land täglich zu kämpfen hat, hat mich die lebensfrohe Art seiner Bewohner immer wieder begeistert. Die Menschen waren stets aufgeschlossen, freundlich und immer zu einem Gespräch bereit. Ich habe die Zeit in Ghana sehr genossen und sehe meine Erlebnisse hier besonders auf einer persönlichen Ebene als Gewinn.

Aktualisiert: 24.01.2019  |  Autor: Alexander Pamler