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Bericht von Tom Weichold

UXO Messung auf der Nordsee (2016/17)

Ich habe mein Praktikum beim Vermessungsbüro Weigt in Warnemünde (bei Rostock) gemacht. Das Unternehmen hat sich auf die Seevermessung spezialisiert und ist regelmäßig auf der Elbe und der Ost- und Nordsee unterwegs um dort den Meeresboden bzw. das Flussbett zu vermessen.

Das erste Projekt bei dem ich beteiligt war, war eine UXO (unexploded ordnance) Messung auf der Nordsee. Ziel einer solchen Messung ist es mögliche Sprengkörper auf oder im Meeresboden zu finden. Die Untersuchung war notwendig, da an der entsprechenden Stelle ein neuer Windpark geplant war.

Bevor ich rausfahren durfte, musste ich zuerst ein Sea Survival Training absolvieren. Bei diesem Training lernt man in Theorie und Praxis wie man sich in Notfällen verhalten muss und welche vorbeugenden Maßnahmen zu beachten sind. Besonders interessant sind dabei natürlich die praktischen Übungen gewesen. Dazu gehören das Mann über Bord Manöver, eine Rettungsinsel drehen und hineinklettern, selbst ein geschlossenes Rettungsboot steuern und sich nach dem abgeschlossenen Training mal ganz entspannt im Überlebensanzug auf dem Wasser treiben lassen. Danach musste ich noch einen Erste-Hilfe-Kurs sowie eine medizinische Untersuchung bestehen, um auf See arbeiten zu dürfen.

Von Warnemünde aus sind wir mit dem Auto nach Emden gefahren um dort an Bord unseres Schiffes, der Karoline, zu gehen. Nach einem Tag Aufenthalt, an dem die Instrumente geprüft, gereinigt und teilweise ersetzt wurden, ging es raus auf die See. Übrigens mein erster längerer Aufenthalt auf einem Schiff. Deshalb hatte ich mich vorsorglich mit Medikamenten versorgt. Aber wir hatten zum Glück ruhige See. ;)

An Bord des Schiffes waren fünf deutsche Vermesser, fünf Dänen und eine Niederländerin, weshalb zu einem guten Teil Englisch gesprochen werden musste.

Jetzt aber zum eigentlichen Messauftrag. Der Meeresboden kann nicht direkt nach Sprengstoff untersucht werden, sondern es wurde nach metallhaltigen Objekten gesucht. Dafür wurden vier Magnetometer eingesetzt die hinter dem Schiff hergezogen wurden und die magnetische Flussdichte maßen. Sollte in den Messwerten eine erhebliche Änderung vom Erdmagnetfeld auftreten, dann kann es sein, dass dort ein Blindgänger liegt. Es könnte sich aber auch nur um ein verlorenes Bohrgestänge handeln. Diese Klassifizierung lag aber nicht in unserem Aufgabenbereich, sondern wurde später von einer anderen Firma übernommen. Zur besseren Detektion von Objekten auf dem Meeresboden wurde zusätzlich ein Scanfish verwendet, welcher ein Bild der Oberfläche des Meeresbodens macht.

Nun ist das Messen gut und schön, aber wo wurde denn die Anomalie gemessen? Dazu wurden GPS, ein Hydrophon und ein Beacon benötigt. Hydrophon und Beacon gehören zusammen und kommunizieren über Signale, die durch das Wasser übertragen werden. Das Hydrophon sendet ein Signal aus, das der Beacon empfängt. Wenn der Beacon ein Signal empfängt sendet er seinerseits ein Signal an das Hydrophon. Damit kann die relative Position des Beacons zum Hydrophon bestimmt werden. Das System wird Ultra Short Baseline (USBL) genannt.

Der Beacon wurde auf dem Messinstrument befestigt und das Hydrophon an der Außenwand des Schiffes, sodass es im Wasser hing. Die relative Position des Hydrophons in Bezug auf das GPS wurde mit einem Tachymeter bestimmt, war also bekannt da beide Instrumente fest am Schiff befestigt waren. Damit waren alle gesuchten Größen bekannt. Das GPS hat die absolute Position des Schiffes gemessen, die mit einem gemessenen Offset auf das Hydrophon übertragen wurde. Über die USBL hat auch der Beacon eine absolute Position bekommen und da er auf dem Messinstrument befestigt war, war auch der Offset zwischen Beacon und Instrument bekannt. Und voilà unseren Messwerten konnten absolute Koordinaten zugeordnet werden.

Nach 2 Wochen Nordsee sind wir wieder in den Hafen von Emden eingelaufen und wurden von einem neuen Trupp abgelöst. Nach so langer Zeit auf See war es wirklich schön wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, aber ich würde es jederzeit wieder machen, wenn ich die Möglichkeit dazu bekomme.

Die Arbeit beim Vermessungsbüro Weigt war sehr abwechslungsreich. Ich habe nach dem Abenteuer Nordsee noch auf der Ostsee und der Elbe gemessen und wurde auch mal ein paar Wochen im Innendienst eingesetzt. Mir hat die Zeit sehr gefallen und ich kann es nur weiterempfehlen dort ein Praktikum zu machen!

Aktualisiert: 24.01.2019  |  Autor: Tom Weichold