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Was heißt hier "Gender"?


Der Mensch wird mit biologischen Merkmalen geboren, die entlang eines Spektrums zwischen männlichen und weiblichen Merkmalen angesiedelt sind. Nach der Geburt werden Menschen auf dieser Grundlage in zwei Kategorien eingeteilt: Mädchen oder Junge. Diese auf gewisse Weise willkürliche Festlegung des "biologischen Geschlechts" ist in den meisten Gesellschaften auch eine "Weichenstellung" für soziales Verhalten: auf die biologische Definition folgt die geschlechtsspezifische Sozialisation. Der Mensch wird in einem komplexen Prozess von Erziehung, gesellschaftlichen Normen und Stereotypen, Selbstidentifikation, Bildern, Traditionen, und durch Praktiken
und Institutionen zum Mädchen bzw. zur Frau sowie zum Jungen bzw. zum Mann "gemacht" - das Geschlecht wird "sozial konstruiert".

Im englischen Sprachgebrauch unterscheidet man begrifflich zwischen dem biologischen Geschlecht eines Menschen ("sex") und den sozialen und kulturellen Aspekten von Geschlecht ("gender"). "Gender" meint also Geschlecht in der Vielfalt seiner sozialen Ausprägungen. Gender ist folglich auch geprägt von Herkunft, Glaube, Alter, Befähigung und Behinderung, sexueller Orientierung und anderen Strukturmerkmalen. Als Geschlechtsrolle oder Geschlechtsidentität ist Gender sozial erlernt und kulturell konstruiert.

Die Unterscheidung zwischen "sex" und "gender" soll deutlich machen,
dass die gesellschaftlichen Differenzen zwischen den Geschlechtern nicht biologisch determiniert, sondern gesellschaftlich konstruiert und somit veränderbar sind. Soziale und kulturelle Geschlechterrollen für Männer und für Frauen werden als historisch gewachsen und politisch gestaltbar gesehen. Gleichstellung zielt daher darauf ab, die Zwänge traditioneller Rollen-
zuweisungen bzw. Geschlechtsstereotype aufzubrechen. Es geht darum, Frauen und Männern Chancen zu eröffnen, ihr Leben - jenseits von Rollenzuweisungen - individuell zu gestalten. Der Begriff Gender betont also, dass Geschlecht weniger ein naturgegebenes als vielmehr ein soziales Phänomen darstellt.

Aktualisiert: 02.03.2017  |  Autor: E. Hartmann