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Verhaltensstörungen bei Legehennen

Einstreuqualität und Parasitenlast als Einflussfaktoren auf das physiologische Verhalten von Legehennen in sächsischen Geflügelhaltungen


Drittmittelprojekt des ZAFT

Projektleiter:                         Prof. Dr. med. vet. Markus Freick

Mitarbeiter:                           M. Sc. Ruben Schreiter

Operationelle Gruppe:        

  • Sächsischer Geflügelwirtschaftsverband
  • Sächsische Tierseuchenkasse
  • Großenhainer Geflügelhof GmbH & Co. KG
  • Krätzschmar GbR Landwirtschaftsbetrieb Borna

Kooperationspartner:           Praxisbetriebe (Legehennenhalter)

Fördermittelgeber:              

Sächsisches Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie – EIP-Agri (Identifikationsnummer 332018000901LWC)

Laufzeit:                                  04/2019 – 03/2022



Gefiederschäden infolge von Federpicken bei Braunleger-Hennen

Problemstellung

Federpicken und Kannibalismus stellen schwerwiegende Problematiken für den Tierschutz, die Tiergesundheit und Leistungen in der Legehennenhaltung dar. Um die Schäden, die aus diesen Verhaltensstörungen hervorgehen, zu reduzieren, wurde Legehennenküken bis 2016 die Schnabelspitze kupiert. Zuletzt erfolgte dies mittels Infrarottechnologie in den Brütereien. Infolge einer freiwilligen Vereinbarung zwischen Geflügelwirtschaft und BMEL wird auf diesen nicht-kurativen Eingriff seit 01.08.2016 in Deutschland verzichtet. Seit 01.01.2017 werden keine schnabel-kupierten Hennen in die Legeställe mehr eingestallt. Gegenüber der Haltung von Legehennenherden mit gekürztem Schnabel ist das Risiko für Gefiederschäden und Pickverletzungen in Herden mit intaktem Schnabel deutlich erhöht. Daraus resultieren neben möglichen Beeinträchtigungen bezüglich des Tierschutzes auch negative Aspekte für die Leistung und Ökonomie.

Im multifaktoriellen Ursachengefüge von Federpicken und Kannibalismus sind zentrale Einflussfaktoren in den Komplexen Genetik, Fütterung, Haltungsumwelt, soziale Struktur und Tiergesundheit zu finden. Trotz der Kenntnisse zur Einflussnahme von einer Vielzahl an Faktoren, ist noch keine Verfahrensweise bekannt, die ein Auftreten der Verhaltensstörungen bzw. deren Schäden sicher verhindern kann. In anwendungsbezogenen Einzelfragen zu den Auswirkungen bestimmter Faktoren besteht noch Forschungsbedarf.

Für ein erfolgreiches Einleiten von Gegenmaßnahmen bei sich abzeichnenden Federpicken, ist ein frühzeitiges Erkennen erster Gefiederschäden elementar. Hierfür werden aktuell verschiedene Scoringsysteme mit visueller Beurteilung angewandt, die jedoch immer mehr oder weniger stark durch die subjektive Wahrnehmung der durchführenden Person geprägt sind. Auch besteht hierbei keine Möglichkeit zur automatisierten Erfassung des Gefiederzustandes.


Als Alternative zu den subjektiven Scoringsystemen zur Gefiederbeurteilung wird die Infrarotthermografie getestet

Zielstellung und Projektinhalt

Als wesentliche Fragestellungen sollen folgende Ideen bzw. Lösungsansätze im Projekt bearbeitet werden:

1) Eignet sich die Infrarot (IR)-Thermografie als nicht invasive Methode der Einzeltieruntersuchung zur Ergänzung und Erweiterung klassischer Verfahren der Gefiederschäden-Scoring-Systeme im Hinblick auf eine Früherkennung und verbesserte Objektivierbarkeit von Gefiederschäden in Praxisbetrieben?

Pichová et al. (2017) konnten zeigen, dass die IR-Thermografie unter experimentellen Bedingungen ein geeignetes Werkzeug zur Beurteilung des Gefieders darstellt mit dem Vorteil des Fehlens subjektiver Komponenten des jeweiligen Untersuchers und einer höheren Präzision im Vergleich zu subjektiven Scoring-Systemen. Damit erscheint dieses System auch für die betriebliche Eigenkontrolle tierbezogener Tierschutzindikatoren gemäß § 11 (8) Tierschutzgesetz für den Tierhalter interessant, da die Vollständigkeit des Gefieders u.a. ein solcher Indikator ist.


Substrat, Güte und Beweglichkeit der Einstreu als Einflussgrößen auf Verhaltensstörungen werden evaluiert

2) Ist die Einstreuqualität und deren Veränderung über die Legeperiode ein praxistauglicher Indikator für die Beurteilung des Risikos des Auftretens von Federpicken und Kannibalismus in Legehennenherden?

Der Zeitpunkt des Zugangs zu Einstreumaterialien, die aktuelle Verfügbarkeit sowie die Einstreuart und –qualität sind wissenschaftlich anerkannte Faktoren, die das Entstehen von Federpicken und Kannibalismus beeinflussen können. Eine mangelhafte Einstreuqualität in Legehennenherden (keine Strukturierung, Plattenbildung etc.) kann sowohl Mängel hinsichtlich des Stallklimas, der Tierverteilung im Stall, Tiergesundheit (z.B. Erkrankungen des Verdauungsapparates), Fütterung als auch bezüglich der Verfügbarkeit der Einstreu als Beschäftigungsmaterial für die Tiere widerspiegeln. Die Verschlechterung der Einstreuqualität ist damit möglicherweise als einfach zu ermittelndes Frühwarnsystem hinsichtlich eines erhöhten Risikos für Federpicken und Kannibalismus unter Praxisbedingungen geeignet, welches dann eine sofortige Ursachenermittlung initiieren sollte.


Starker Befall mit Roten Vogelmilben als bedeutsamer Ektoparasit

3) Spielt die Parasitenbürde (Endo- und Ektoparasiten) eine Rolle als Risikofaktor für das Auftreten von Federpicken und Kannibalismus?

Neben lokaler Schädigung (z.B. Haut bzw. Darm) führt ein Parasitenbefall immer auch zu einer Aktivierung des angeborenen und erworbenen Immunsystems. Kürzlich konnte von Parmentier et al. (2009) gezeigt werden, dass eine Stimulation des spezifischen humoralen Immunsystems bei Legehennen das Verhalten der Tiere beeinflussen kann und somit einen Risikofaktor für das Auftreten von Federpicken und Kannibalismus darstellt. Weiterhin wird ein starker Befall der Roten Vogelmilbe in den Ställen als nachhaltiger Stressor und wichtiger Risikofaktor für ein abweichendes Verhalten betrachtet. Die Parasitenlast als möglicher Risikofaktor für diese Verhaltensstörungen und möglicherweise vorhandene positive Effekte der Parasitenbekämpfung sind explizit als Einflussfaktoren auf den Gefiederzustand und Hautverletzungen zu prüfen.

 

Zur Prüfung der genannten Fragestellungen unter Praxisbedingungen werden Daten in sächsischen Legehennenherden zum Integumentzustand (Gefieder, Pickverletzungen etc.), der biologischen Leistung sowie zu Kot-, Einstreu- und Futtereigenschaften erhoben. Diese sollen die Basis für ein Beratungskonzept liefern, das die regionalen betrieblichen Besonderheiten der sächsischen Legehennenhaltungen berücksichtigt und einen Transfer der gewonnenen Erkenntnisse in die Betriebe sicherstellt.

Aktualisiert: 10.04.2019