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Didaktik Reports der HTW Dresden

1. DidAktuelles

Herzlich willkommen zum ersten Didaktik Report der HTW Dresden. Mit diesem nun vierteljährlich erscheinenden Report wollen wir Lehrende motivieren, neue Wege in ihrer Lehre auszuprobieren.

In der ersten Ausgabe 1/2016 wollen wir Ihnen die Pomodoro-Technik als didaktische Methode vorstellen, damit eine 90-min. Veranstaltung von der ersten bis zur letzten Minute für die Studierenden und für die Lehrenden spannend und zuhörbar bleibt.

Unser didaktisches Interview führten wir mit Prof. Dr. G. Naumann, dem 1. Preisträger der besten Lehre der HTW. Er hält nicht nur gute Vorlesungen, sondern auch spritzige Interviews. Dabei haben wir gelernt, dass Naturtalente in der Lehre durchaus sehr offen sind für didaktische Werkzeuge und sich durchaus vorstellen können, sich didaktisch fort zu bilden. Wir haben durch das Interview gleich eine Anregung bekommen, welche didaktische Methode wir  in der  nächsten Ausgaben des Didaktik Reports der HTW vorstellen.

Ab SoSe 2016 gibt es für HTW-Lehrende die Möglichkeit, sich individuell didaktisch coachen zu lassen. Lesen Sie die Einschätzung eines an der HTW gecoachten Professors.

Das HDS  (hochschuldidaktisches Zentrum Sachsen) bietet didaktische Weiterbildungen an und das Programm für Frühjahr/Sommer 2016 ist erschienen.
Wir haben uns einen Kurs rausgesucht, ihn ausprobiert und empfehlen ihn weiter.

 

K. Kathy Meyer-Ross

HDS-Koordinatorin an der HTW

2. Didaktische Methode des Quartals

Pomodoro-Technique

Francesco Cirillo, der Erfinder der Pomodoro-Technik hatte beim Erdenken dieser Technik einen Kurzzeitwecker in Form einer Tomate (ital. pomodoro) zu Hand, der namensgebend war. Cirillo ging davon aus, dass die durchschnittliche Konzentrationsspanne eines Menschen 25 Minuten beträgt. Er definiert eine Pomodoro-Einheit auf 25 Minuten und sagt, dass dann eine kurze, 5-minütige Pause eingelegt werden sollte, damit in den nächsten 25 Minuten wieder unter voller Konzentration gearbeitet werden kann. Nach 4 Pomodoro-Einheiten verlangt er eine längere Pause. (vgl. The Pomodoro-Technique, 2009).

In der Hochschuldidaktik gehen z.B. Döring und Ritter-Mamczek ebenfalls davon aus, dass nach etwa 20-30 Minuten Einatmen ein Ausatmen für Lernende (vgl. Lehren und Trainieren in der Weiterbildung, 2001, S. 151ff) gewährleistet werden muss.

Ich stelle sicher, dass nach 25 Minuten Input ein Aktivitätenwechsel stattfindet:


So oft wie möglich versuche ich meine Vorlesungen in Pomodoro-Einheiten einzuteilen. Ich stelle, nachdem ich die Pomodoro-Technik (in der ersten Veranstaltung) vorgestellt habe, meinen mitgebrachten Kurzzeitwecker auf 25 Minuten und unterbreche mit Klingeln für eine 5-minütige Pause. So unterteile ich eine 90-minütige Vorlesung in 3 Pomodoro-Einheiten. Die Studierenden lieben diese Einteilung und ich kämpfe sehr wenig mit unaufmerksamen Tuschlern oder Smartphone-Nutzern. Die Studierenden sind motiviert, auch bei langatmigen Themen, sich mal eben nur 25 Minuten zu konzentrieren.

3. Didaktisches Interview mit Prof. Dr. Gunther Naumann

https://www.htw-dresden.de/fakultaet-maschinenbau/personal/professoren/prof-dr-ing-gunther-naumann.html

Herzlichen Glückwunsch zum Preis für gute Lehre an der HTW Dresden, Prof. Naumann!

Wie lange lehren Sie?

2008 hatte ich einen Honorarvertrag und seit 2009 lehre ich ‚offiziell‘ und full-time an der HTW-Dresden, das sind nun schon 16 Semester.  Von meinem Vorgänger, der auch mein Doktorvater ist, konnte ich das Konzept übernehmen. Ich hatte also einen Themenrahmen und musste ‚nur‘ inhaltlich das Ganze füllen.

Haben Sie eine didaktische Ausbildung oder Weiterbildung?

Da muss ich erst mal überlegen…  Ich denke, da meine Eltern Lehrer waren, ist da so nebenbei schon ein wenig rübergekommen und dann habe ich ein Stimm- und Sprechtraining absolviert, als ich noch am Fraunhofer Institut tätig war.

Was bedeutet für Sie Didaktik?

Im Stimm- und Sprechtraining habe ich das Wolkenprinzip kennen gelernt. Ich lehre in Wolken und nicht nach einer Kette oder Linie. Wenn ich 10 Themen auf eine Kette fädele und dann bei Thema 5 oder 6 ins Stocken gerate, dann ist der "rote Faden" weg. Wenn ich in einer Themen-Wolke lehre, kommt vielleicht erst Teil-Thema 2 und dann 9, aber am Ende habe ich den ganzen Themenkomplex von verschiedenen Seiten beleuchtet und abgedeckt.

Didaktik ist für mich, einen Zusammenhang so zu erklären, dass ich einen Studierenden befähige, einem anderen Studierenden, der nicht in meiner Vorlesung war, diesen Sachverhalt zu erklären.

Erinnern Sie sich an Ihre erste gehaltene Vorlesung?

Oh ja, das war eine 90-minütige Vorlesung zur Computermesstechnik mit 40-50 Studierenden. Ich war aufgeregt, summte innerlich ein Lied und am Ende lief es gut. Es hat mir sehr geholfen, dass ich den Vortrag vorher Probe gehalten hatte, ein wenig wie ein Vorstellungsgespräch. 

Welche didaktischen Methoden wenden Sie an?

Mhm… ja… mhm…  ich lege bewusst Pausen ein, vielleicht moduliere ich unbewusst.  Ich benutze die Tafel, ich bin keine Freund von ppt. Ich zeige höchstens vier Folien über den Beamer, alles andere läuft über die Tafel. Ich habe mir am Anfang viele Gedanken zu Schriftgröße und –qualität gemacht, aber das lief ganz gut, wurde mit der Zeit noch besser und die Tafelaufteilung bekomme ich mittlerweile sehr übersichtlich dargestellt.

Stellen Sie uns Ihre Lieblingsmethode vor?

Storytelling. Wenn die Aufmerksamkeit nach lässt, erzähle ich eine persönliche Geschichte. Ein Beispiel wäre: Programme unterbrechen sich und dass ist wie beim Frühstück. Mein Hauptprogramm ist, auf Arbeit zu gehen. Doch dann kommt das erste Kind, welches die Hausaufgaben vergessen hat, und ein Unterprogramm läuft…

Bei mir müssen die Studierenden programmieren und messen, da bringe ich manchmal ein kleines Gerät mit, eine Messplattform und führe ein 5-10 minütiges Experiment vor.

Bei mir sind die Vorlesungen und die Praktika eng miteinander verzahnt. In den Vorlesungen hören die Studierenden ca. zehn Kernthemen, und vier dieser Themen vertiefe ich im Praktikum. Ein Praktikum ist immer 2 Doppelstunden lang  und in einem 60-minütigen Theorieblock vertiefe ich Spezialwissen und setze das dann nochmal praktisch um.

Wie bereiten Sie Ihren Unterricht vor?

Ich gehe in eine Vorlesung mit nur vier Stichpunkten. Ich habe detaillierte Aufzeichnungen, wo ich zur Not nachschlagen könnte, aber eigentlich mache ich das nicht. Ich habe meine vier Stichpunkte à la Wolkenprinzip und halte die Vorlesung. Wenn es in der Vorlesung z.B. um Thermoelemente geht und die Studierenden verschiedener Jahrgänge die  Aufzeichnungen vergleichen würden, wären die nie gleich, sondern immer anders.

Welche Medien setzen Sie in Ihrem Unterricht ein?

Tafel, ppt-Folien, Mini-/Vorführ-Experimente , OPAL und im Praktikum die Versuchsplätze mit den Versuchsaufbauten.

Da wir eine Kooperation  mit China haben, sitzen auch einige chinesische Studierende in meinen Vorlesungen und da gibt es ein sprachliches Problem. Ich entwickle an der Tafel die Kerninformationen und die Studierenden haben Zeit, diese mitzuschreiben (und/oder  abzufotografieren). Das Umdruckmaterial, also die Kernthemen, lade ich in OPAL hoch. Es gibt Kollegen, die verkaufen es und ich glaube, dass das den Studierenden auch zusagt, weil sie dann nicht alles selber drucken müssen, … aber ich stelle es in OPAL zur Verfügung.

Wie gehen Sie mit Störungen durch z.B. Smartphonenutzung in Ihren Vorlesungen um?

Einmal bin ich, während ich so im Redefluss war, zu einem Smartphone-Nutzer hingegangen, habe, während ich immer weiter erkläre, das Smartphone genommen und bin wieder nach vorne gegangen und habe es auf das Pult gelegt. Das wurde akzeptiert.

Oder ich spreche Sie direkt an, naja, das mache ich selten, eigentlich habe ich keine Probleme mit Unruhe in meinen Vorlesungen. Ich habe auch schon mal Quatscher-Pärchen auseinander gesetzt oder habe einfach eine Pause gemacht und danach war es ganz leise.

Wenige wollen ja wirklich provozieren. Einmal habe ich einen Studierenden ganz normal darum gebeten, sein Baseball-Cap abzusetzen, das war ok.

Wie aktivieren Sie Ihre Studierende?

Wenn ich eine Frage stelle und die Antwort ist nicht so ganz richtig, achte ich darauf, dass ich den Studierenden nie bloß stelle. Ich sage immer, was an der Antwort richtig ist, und gebe weitere Hilfestellungen oder wenn gar nichts von Studierendenseite kommt, auch Teilantworten. Ich münze eine Antwort immer so um, dass sie richtig ist; mir ist ganz wichtig, dass nie jemand das Gesicht vor der Gruppe verliert.

Anmerkung der Redaktion: Wir glauben, dass die Studierenden Vertrauen zu ihrem Dozenten haben. Hier kam uns die Idee für die Methode Tuschelgruppe, die wir in der nächsten Ausgabe vorstellen werden. Prof. Naumann wird sie vielleicht schon vorher mal im Unterricht einfließen lassen…

Gab es ein schönstes/schlimmstes Lehrerlebnis?

Ach, das gibt es eigentlich nicht. Ich freue mich über positive Rückmeldungen von Studierenden oder wenn sie sich bei mir bedanken, z.B. dass ich zeitnah Emails beantworte, was sie besonders zu Prüfungszeiten wertschätzen.

Anmerkung der Redaktion: Zeitnah definiert Prof. Naumann tagsüber auf 6h.

Schief geht immer mal was, wenn die Technik nicht klappt, oder ich eine Antwort auf eine Frage nicht weiß… dann sage ich halt, dass ich das erst nachschlagen muss und wir das nächste Woche dann diskutieren…

Könnten Sie sich vorstellen, mehr E- oder Blended-Learning Aspekte in Ihre Lehre einzubauen?

E-Learning, ja, bei Blended-Learning, da weiß ich gar nicht so genau, was das ist. Ich nutze OPAL als passive Lehrmaterialablage und bei der Wissensvermittlung bin ich eher konservativ. Ich möchte nicht neben der ppt-Folie stehen, und warten, bis die Studierenden diese abgeschrieben haben… Da sagt mir die Tafel mehr zu, allerdings gibt es zeitraubende, immer wiederkehrende Versuchsaufbauten, wo dreimal der Knopf gedrückt, und der Schieber geschoben… Das könnte ich mir gut vorstellen, zu filmen, damit die Studierenden den Versuchsaufbau schon mal vor dem Praktikum gesehen haben…

Möchten Sie sich didaktisch gerne weiter bilden?

Im Prinzip stehe ich dem offen gegenüber, weil ich selbst immer weiter lernen möchte. Persönlich finde ich einen Probevortrag bei einer Berufung auch zu kurz, um beurteilen zu können, wie gut jemand lehren kann. Allerdings definiere ich mich über mein Fachwissen. Die Messtechnik ist ein sich sehr dynamisches entwickelndes Fachgebiet, und da will ich dran bleiben. Ich forsche nicht im großen Stil und werbe riesige Drittmittelprojekte ein. Ich mache eher kleine Projekte direkt mit der Industrie und da geht es auch schnell mal in die Freizeit…  Leider gibt es keine klaren Regeln, was Lehre und Forschung angeht. Ich selber bin mit einer gesunden Distanz unterwegs. Meine Studierenden sind nicht meine Familie, aber ich bin immer für sie da und sehe mich in einem Professor-Studierenden-System, in dem wir gemeinsam ein Ziel erarbeiten und erreichen wollen. Didaktische Anregungen, so wie ich sie heute bekommen habe (Anm .d. Redaktion: Tuschelgruppe), nehme ich gerne auf und probiere sie aus oder vielleicht würde ich mich auch gerne mal didaktisch coachen lassen…

4. Kollegiale Beratung / Coaching / Feedback

Ab SoSe 16 gibt es für Lehrende die Möglichkeit, sich didaktisch coachen zu lassen. Bei Interesse bitte Email an: meyer-ross@htw-dresden.de

Im SoSe 13 begleitete ich Prof. Tobias Braun und Frank Thiel wöchentlich durch alle Veranstaltungen von CPM und coachte sie bzgl. didaktischer Verfeinerungen in ihrer Lehre / ihren Vorlesungen.

Tobias Braun (tobias.braun(at)hwr-berlin.de) schrieb mir folgende Referenz:


5. Didaktische Weiterbildung des Quartals

Das HDS.Programm Frühjahr/Sommer 2016 ist da!

Das HDS lädt Sie ein, Ihre hochschuldidaktische Weiterbildung zu planen und durchzuführen.

Das HDS-Programm finden Sie hier:

www.hd-sachsen.de

 

Empfehlenswert ist der Beitrag von Nicole Strauss über Lehrportfolios:

Die HTW Dresden steht für eine praxisorientierte Ausbildung, verbunden mit einer anwendungsorientierten Forschung. In ihrem Leitbild hat die HTW Dresden globale Ausbildungsziele formuliert, die dem gesellschaftlichen Wandel hin zur Wissensgesellschaft Rechnung tragen. Dazu gehört neben der Verbesserung des Studienerfolges auch die Vermittlung nicht-fachspezifischer Schlüsselkompetenzen. Im Rahmen eines Projektes, das das Thema Studienerfolg fokussiert, bin ich an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der HTW Dresden u.a. für die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen zuständig. In allen meinen Lehrveranstaltungen nutze ich digitale Technologien auf verschiedenen Ebenen des digitalen Lehren und Lernens: von der virtuellen Verwaltung, über die digital unterstützte Wissensvermittlung bis hin zur onlinegestützten Wissensüberprüfung oder virtuellen Wissenskonstruktion (Anwendung). Dabei kommt in allen Fällen die sachsenweit eingesetzte Lernplattform OPAL (Online-Plattform für akademisches Lehren und Lernen) der Bildungsportal Sachsen GmbH zum Einsatz. Im Laufe der Jahre des mich Fortbildens und Ausprobierens habe ich jedoch festgestellt, dass es relativ egal ist, welche Lehr-Methode ich anwende. Ausschlaggebend für gute Lehre ist ein klar definiertes Lehr-/Lernziel, welches ich mit Unterstützung von Stimme, Tafel, Laptop, Arbeitsblättern, OPAL, etc. umsetzen kann.

Seit 2014 biete ich den Studierenden einen Blended Learning Kurs Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten für Studienanfängerinnen mit den Bereichen Zeit- und Selbstmanagement, wissenschaftliches Schreiben, Präsentieren und Poster an. Der Kurs bereitet Studienanfänger/innen optimal auf die Anforderungen von Studium, Abschlussarbeit, Verteidigung und Einstieg ins Berufsleben vor. Mir persönlich war bei der Konzeption und Produktion des Kursangebotes immer besonders wichtig, dass es eine Verbindung von klassischer Präsenzlehre sowie virtuellen Lehrangeboten gibt und genügend Raum für persönliche Betreuung in Einzel/Gruppengesprächen oder Gruppenaktivitäten bleibt. Aus diesem Grund habe ich mich für ein Blended Learning Arrangement entschieden, dass vor allem vom persönlichen Kontakt zu den Studierenden, sowohl im virtuellen als auch realen Raum lebt. Denn nur durch eine engagierte Betreuung und ein zeitnahes Feedback wird es möglich, Nachteile virtuellen Lernens (Motivation, Verlorensein etc.) auszugleichen und zu minimieren. Die Wissensvermittlung im virtuellen Raum wird durch eine Kombination verschiedener Medien jeweils zu einem Thema realisiert, so dass verschiedene Sinneskanäle und somit jeder Lerntyp angesprochen fühlt. Anhand von Online-Tests werden zum Teil die vermittelten Kompetenzen überprüft. Aktivitäten zur Wissenskonstruktion (z.B. Aufgaben mit Peer Review) runden das Lernangebot ab.

 

 

1. DidAktuelles

Herzlich willkommen zum zweiten Didaktik Report der HTW Dresden. Mit diesem nun vierteljährlich erscheinenden Report wollen wir Lehrende motivieren, neue Wege in ihrer Lehre auszuprobieren, und wir können schon kleine und sehr feine Schritte verzeichnen.

In der zweiten Ausgabe 2/2016 wollen wir Ihnen die Tuschelgruppe als didaktische Methode vorstellen, mit der auch in vollen Hörsälen Studierende ohne Gesichtsverlust aktiviert werden können.

Unser didaktisches Interview führten wir mit Prof. Dr. R. Sonntag, Prorektor für Lehre und Studium. Neben seiner Funktion lehrt er 10 SWS, um den Kontakt zu Studierenden aufrecht zu erhalten und geht dabei neue Wege im Hörsaal. Er probiert in diesem Sommersemester 2016 die Methode des Flipped Classroom aus und ließ sich dazu didaktisch beraten.

Ab dem SoSe 2016 gibt es für alle Lehrenden der HTW die Möglichkeit, sich individuell didaktisch coachen zu lassen. Lesen Sie dazu zwei Einschätzungen von HTW-Professoren. Mit Prof. Neuvians starten wir in den kollegialen Austausch. Mit Prof. Sonntag erarbeiteten wir einen Methodenkoffer zur Aktivierung der Studierenden in Präsenzveranstaltungen.

Daneben bietet das HDS (Hochschuldidaktische Zentrum Sachsen) didaktische Weiterbildungen an. Aus dem Programm für Frühjahr/Sommer 2016 haben wir uns wieder einen Kurs ausgesucht, ihn ausprobiert und empfehlen ihn weiter.

 

K. Kathy Meyer-Ross

HDS-Koordinatorin an der HTW Dresden

2. Didaktische Methode des Quartals

Tuschelgruppe (auch Murmelgruppe oder Bienenkorb)

In den meisten Fällen wird ein Lehrender, der vor einer Gruppe steht und in diese hinein eine Frage stellt, großes Schweigen ernten. Zu groß ist die Angst der Gruppenmitglieder sich öffentlich vor den anderen zu blamieren.

Wenn ein Lehrender eine Frage stellt und die Gruppe bittet, sich zu zweit oder zu dritt tuschelnd 1-3 Minuten darüber auszutauschen, summt es im Raum. Die Studierenden sind aktiviert, lernen, dass ihr Nachbar das Gleiche oder etwas Ergänzendes beitragen kann, die gleichen offenen Fragen und Probleme hat und wird sich dadurch viel offener trauen, genau dieses anzusprechen, wenn es zurück zur Frage in die gesamte Gruppe geht. Es gibt keinen Gesichtsverlust mehr für den Antwortenden.


Diese Methode ist anwendbar in kleinen Gruppen, aber auch in übergroßen, überfüllten Hörsälen. Sie eignet sich hervorragend, Vorwissen abzufragen, die Studierenden eine Zuhörverschnaufpause zu gönnen, eine konkrete Fragestellung zu erörtern, am Ende eines Vortrags als Zusammenfassung oder zur Klärung nach offener Fragen.

3. Didaktisches Interview mit Prof. Dr. Ralph Sonntag

https://www.htw-dresden.de/wiwi/personal/hochschullehrer/prof-dr-rer-pol-ralph-sonntag.html

Ralph Sonntag ist Prorektor für Lehre und Studium, wissenschaftlicher Leiter der Gründungsschmiede, in der Senatskommission Lehre und Studium sowie Hochschulmarketing tätig und hat die Professur für Professur Marketing, insbesondere Multimedia-Marketing, inne.

 

Wie lange lehren Sie?

Ich Iehre seit dem SoSe 2004 an der HTW Dresden. Davor war ich Professor an einer Hochschule in Bayern. Davor war ich wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Lehrdeputat. Bereits als Student war ich von den hohen Durchfallquoten in Mathematik/Analysis irritiert, sodass ich selbst Tutorien (zusammen mit dem Lehrstuhl) gab. Parallel zu meiner beruflichen Tätigkeit hatte ich immer Lehraufträge, z.B. international ausgerichteter MBA in Würzburg.

 

Haben Sie eine didaktische Ausbildung oder Weiterbildung?

Nein, eigentlich nicht. Naja: Ich absolviere gerade das „Lehre hoch n“-Jahresprogramm (http://www.lehrehochn.de/programm/), welches u.a. von dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft unterstützt wird. Das Programm sieht mehrere Workshops zu Themen der Lehre und Wissenschaft vor. Das Programm von Lehren kann ich jedem Lehrenden empfehlen.

 

Was bedeutet für Sie Didaktik?

Also hier möchte ich einen Vergleich aus der Werbebranche anbringen: Eine Werbebotschaft ist gut gestaltet, wenn diese – einfach gesagt - der Zielgruppe gefällt. Und so ist das mit der Didaktik auch: Es gibt ein Thema, also Inhalte, eine Zielgruppe, sowie Kompetenzen, die es zu vermitteln gilt. Das Ziel ist nicht nur, eine Vorlesung zu halten, sondern die Studierenden die Anwendung des Wissens zu vermitteln und diese für ein lebenslanges Lernen für das Fach zu motivieren.

 

Erinnern Sie sich an Ihre erste gehaltene Vorlesung?

… (er überlegt lange) … Nein, … nein, kann ich nicht… Aber: Jedes Mal frisch und immer wieder erinnere ich mich an englisch gehaltene Vorlesungen. Englische Vorlesungen sorgen für einen höheren Adrenalinstoß im Blut …

 

Welche didaktischen Methoden wenden Sie an?

Vor etwa 5 Jahren las ich das Buch „Lernen: Gehirnforschung und die Schule des Lebens“ (2007) von Manfred Spitzer. Er hat für mich plausibel dargelegt, wie wir lernen, nämlich in Form von Geschichten. Ich versuche in Vorlesungen, Geschichten und aktuelle Ereignisse in Bezug zum zu vermittelnden Wissen zu setzen.

Dieses Semester ist der Flipped Classroom neu für mich, das probiere ich in der Lehrveranstaltung B2B Marketing aus. Die Wissensaneignung erfolgt im Selbststudium bzw. online: Die Studierenden lesen zeit- und ortsunabhängig z.B. einen Text. Das darf nicht zu viel und nicht zu wenig sein. Ich gebe Leitfragen zum jeweiligen Thema mit und führe damit die Studierenden durch den Inhalt. Ziel der realen Lehrveranstaltung ist es dann, das vorab erarbeitete Wissen zu vertiefen und anzuwenden. In der Präsenzzeit zeigen die Studierenden ihr angeeignetes Wissen. Ich habe nun eine ganz neue Rolle: Ich halte keine klassischen Vorlesungen, sondern moderiere und coache die Studierenden. Dabei überlege ich, wie ich Wissen bei den Studierenden verinnerlichen kann, ohne die didaktische Methode zu oft zu wiederholen. Es ist wie Käsekuchen backen: Die Studierenden lesen das Rezept im Selbststudium und in der Präsenzveranstaltung backen wir zusammen. Mein Ziel ist ein aktiver Kompetenzerwerb auf Seite der Studierenden. Von einem Rezept also Fachwissen alleine wird man noch nicht satt.

 

 

Stellen Sie uns Ihre Lieblingsmethode vor?

Ich erzähle Geschichten. Ich versuche immer aktuelle Geschehnisse in Bezug zum Lehrstoff zu setzen. Ich erzähle non-sequenziell eine Art Hypertext und setze Themen in Verbindung zu aktuellen Ereignissen oder Beispielen. Ich habe ein Netz und erkläre mich durch das Netz, Im Netz gibt es verschiedenen Knotenpunkte, irgendwann habe ich alle Knoten erklärt, nur der Weg kann unterschiedlich sein, von einem Knoten zum anderen zu gelangen... Vielleicht ist das didaktisch nicht einwandfrei, denn die Studierenden sagen, dass ihnen Struktur fehlt. Ich will aber, dass sie mitdenken und nicht mitschreiben…

 

Wie bereiten Sie Ihren Unterricht vor?

Der zu vermittelnden Stoff ist durch jahrelange Erfahrung gesetzt, ich weiß einfach, was wichtig ist und greife auf bewährte Lehrunterlagen zurück. Ich versuche vor jeder Veranstaltung ein aktuelles Ereignis zu finden und damit zu beginnen. Manchmal klappt das sehr gut, und manchmal ist der Bezug nicht ganz so passend…

 

Welche Medien setzen Sie in Ihrem Unterricht ein?

Bei großen Gruppen fällt meine Wahl auf PowerPoint-Folien. Es verleitet den Studierenden dazu, passiv zuzuhören. Bei 120 Studierenden im Hörsaal ist meiner Meinung nach nicht viel Interaktivität möglich. Dieses Semester flippe ich und da nutze ich in den Präsenzveranstaltungen Papier, Skripte, Bücher oder Videos etc. Bei einer Gruppengröße bis zu 25 Studierenden ist richtige Interaktion für mich möglich. Bei großen Gruppen sehe ich Interaktion in den Augen der Studierenden, entweder Interesse oder Fragezeichen – dann wiederhole ich Inhalte.

 

Wie gehen Sie mit Störungen z.B. durch Smartphonenutzung in Ihren Vorlesungen um?

Wenn etwas wirklich stört, höre ich mit dem Reden auf und fahre erst fort, wenn sie mit dem Gespräch fertig sind. Ich versuche, nicht lehrerhaft bzw. ermahnend zu sein. In der ersten Lehrveranstaltung erzähle ich immer eine Anekdote (um diese Anekdote zu hören, müsste man in eine erste Veranstaltung von Prof. Sonntag gehen, Anm. d. Redaktion) und danach klingelt kein Telefon mehr im Hörsaal.

 

Wie aktivieren Sie Ihre Studierenden?

In Veranstaltungen mit bis zu 25 Teilnehmenden diskutiere ich mit den Studierenden. Ich stelle Fragen, wir diskutieren. Da brauche ich kein Gemurmel (Tuschelgruppen, Anm. d. Redaktion), wenn es um Übungsaufgaben geht, da lasse ich murmeln. Und nun mit dem Flipped Classroom, da aktiviere ich die Studierenden.

 

Gab es ein schönstes/schlimmstes Lehrerlebnis?

Schlimm finde ich, wenn ich einen Studierenden ermahne, obwohl ich es nicht wollte. Das Ermahnen hilft ja nicht, sondern verkörpert nur die Hierarchie, die ich als Barriere empfinde. Ja, das Ermahnen letztes Semester in einer Vorlesung hat mich geärgert. Toll finde ich die Flipped Classroom Methode. Ich bin begeistert, dass ich den Studierenden Material zum Selbststudium, z.B. Lektüre geben kann und sie lesen es!

 

Könnten Sie sich vorstellen, mehr E- oder Blended-Learning Aspekte in Ihre Lehre einzubauen?

Mhm, mal schauen… der Professor der Zukunft vermittelt Wissen zeitlich und örtlich flexibel. Die Kompetenzvermittlung wird dabei zunehmend dezentral und asynchron ablaufen. Zudem wird auch die Wissensvermittlung individualisierbar sein… es muss zum Fach, zum Inhalt passen…

 

Möchten Sie sich didaktisch gerne weiter bilden?

Ja, ich bin sehr am kollegialen Austausch interessiert und gerade in dem Jahresprogramm Lehre hoch n bekomme ich wertvolle Methoden und den Kontakt zu Kollegen mit neuen Impulsen.

4. Kollegiale Beratung / Coaching / Feedback

Im März 2016 habe ich Prof. Sonntag individuell beraten. Er war so freundlich, seine Erfahrungen kurz und prägnant darzustellen:

Zu Beginn des Sommersemesters 2016 beriet mich K. Kathy Meyer-Ross zu aktivierenden Methoden, die ich in Präsenzveranstaltungen beim Flipped Classroom einsetzen kann.

Bis jetzt war meine Methode, ein Skript zu haben und dies den Studierenden mittels Beispielen und Bezug zur Praxis zu vermitteln. Nun sehe ich mich durch den Flipped Classroom in einer neuen Rolle. In den Präsenzveranstaltungen möchte ich das im Selbststudium bzw. online erworbene Wissen der Studierenden moderierend festigen und vertiefen.

Dazu nutze ich aktivierende didaktische Methoden. Frau Meyer-Ross hat einen abgestimmten  Methodenkatalog zusammengestellt und gemeinsam haben wir erarbeitet, welche Methoden in welcher Veranstaltungssituation für den Flipped Classroom sowie für mich geeignet wären.

Mit Frau Meyer-Ross als Sparringspartner konnte ich meinen Methodenkoffer erweitern und besser für das Flipped-Konzept anpassen. Ich kann jeder Kollegin und Kollegen raten, die Möglichkeit der Beratung durch Frau Meyer-Ross zu nutzen.

 

Best Grüße,

Ralph Sonntag

 

 

 

5. Didaktische Weiterbildung des Quartals

Prof. Sonntag hat uns Lehrehochn empfohlen, weitere Informationen finden Sie unter:

http://www.lehrehochn.de/programm/jahresprogramm/

 

Im Didaktik Report 2/2016 ging es um die Tuschelgruppe als Methode des Quartals, eine Methode, die auch in großen und vollen Hörsälen anwendbar ist.

 

Das HDS-Programm bietet hochschuldidaktische Weiterbildungen an, auch zum Thema Aktivierung großer Gruppen

Das gesamte  HDS-Programm finden Sie hier:

http://www.hd-sachsen.de

 

Empfehlenswert ist der Beitrag von Bettina Ritter-Mamczek:


1. DidAktuelles

In der dritten Ausgabe wollen wir Ihnen den Infomarkt als eine didaktische Methode vorstellen, mit der auch in vollen Hörsälen Studierende ohne Gesichtsverlust aktiviert werden können, bzw. Ihnen zeigen, was für didaktische Werkzeuge es für Übungsgruppen gibt.

Unser didaktisches Interview führten wir mit Prof. Dr. Karl Wild. Er hat die Professur für Technik in Gartenbau und Landwirtschaft inne, ist Beauftragter sowohl für Technik, als auch für das Versuchsfeld und Mitglied des Fakultätsrates. Er hat sehr viel didaktische Erfahrungen und blickt auf eine langen didaktischen Werdegang zurück. Für Interessierte schreibt er Anekdoten aus dem Hörsaal, die er in einem Lehrmail verschickt.

Ab dem SoSe 2016 gibt es für alle Lehrenden der HTW die Möglichkeit, sich individuell didaktisch coachen zu lassen. Weitere Informationen finden Sie unter Feedback / Coaching / kollegiale Beratung.

Daneben bietet das HDS (Hochschuldidaktische Zentrum Sachsen) didaktische Weiterbildungen an. Aus dem Programm suchen wir uns einen Kurs aus, probieren ihn aus und empfehlen ihn weiter.

2. Didaktische Methode des Quartals

Infomarkt

Beim Infomarkt erhalten alle Teilnehmer ein Spezialgebiet zugewiesen, über das sie sich informieren und zu „Experten“ auf diesem Gebiet werden. In Kleingruppen tauschen sich dann die Experten über ihre unterschiedlichen Themen aus, erläutern diese und geben so ihr Wissen an die anderen Gruppenmitglieder weiter.

Vorgehen:

  • Jeder Teilnehmer erhält Informationsmaterial über ein bestimmtes Thema.
  • In einer ca. zehnminütigen Vorbereitungszeit arbeitet sich jeder Teilnehmer in sein Thema ein, erarbeitet evtl. einen Kurzvortrag, ein Poster...
  • Kleingruppen mit je vier bis fünf Teilnehmern werden gebildet und verteilen sich so zu Stehkreisen, dass ggf. die Möglichkeit besteht, die Poster aufzuhängen.
  • Die Teilnehmer informieren sich wechselseitig zu ihren Spezialgebieten und beantworten etwaige Rückfragen.
  • Ist die Runde abgeschlossen, können die Gruppen neu gemischt werden und eine neue Info-Runde kann beginnen.

Lernziele und didaktische Funktionen:

  • Förderung der Kommunikations- und Vortragsfähigkeit
  • Der „Expertenstatus“ im vorbereiteten Gebiet erleichtert das Vortragen
  • Förderung des freien Sprechens und Erzählens, Steigerung der Teilnehmerbeteiligung

Hinweise für Lehrende:

Die Einzelthemen müssen so gewählt werden, dass sie in der kurzen Zeit gut erarbeitet werden können.

Die zu lesenden Texte sollten nicht zu lang sein, um genug Zeit zur Vorbereitung zu lassen - Nicht jeder muss ein anderes Thema bekommen! Sollten mehrere Teilnehmer die gleichen Themen haben, muss bei der Kleingruppenzusammensetzung darauf geachtet werden, dass alle Teilnehmer unterschiedliche Themen haben.

 

Variante:

Die Themen werden zu Hause erarbeitet.

Aus: Klippert, H. (1999). Kommunikations-Training. Weinheim: Beltz.

3. Didaktisches Interview mit Prof. Dr. Karl Wild

Wie lange lehren Sie?

Ich bin seit 17 Jahren an der HTW in Vollzeit und habe deshalb 34 Semestern Lehre hinter mir. Davor, an der TU München hatte ich ca. 2 SWS während meiner Promotions- und Postdoc-Zeit, also Lehre im kleineren Rahmen.

Haben Sie eine didaktische Ausbildung oder Weiterbildung?

Ja! An der TU München wurde im Rahmen des Habilitations-Ausbildungsprogrammes „ProLehre“ angeboten. 2 Jahre lang habe ich an den Wochenend- und Abend-Kursen teilgenommen. Das war echt toll und hat mir viel gebraucht. Es war sehr breit und ausführlich und beinhaltete Lehrberatung. Sowohl die Trainer, als auch andere Teilnehmer haben mich hospitiert und mir Feedback gegeben und ich habe andere Teilnehmer hospitieren dürfen.

Auch jetzt bilde ich mich noch fort, bzw. organisiere manchmal selber Fortbildungen. Dr. Christoph Bartscherer, der Gründer von ProLehre in München, war schon hier bei uns an der Fakultät und hat zu Präsentieren und Foliengestaltung, Prüfungsfragen und Stressreduktion Workshops angeboten. Außerdem verschicke ich wie schon angesprochen meine Lehrmails, so dass ich mich häufig mit Didaktik auseinander setze.

Was bedeutet für Sie Didaktik?

Ich bin der Meinung, dass es die studentische und die Dozentensicht gibt. Die Studierenden sind an der Art der Vermittlung interessiert, welche auch wichtig für das Lernen ist, und der Dozent an der fachlich-inhaltlichen Seite. Nun gilt es, diese beiden Sichten zu verknüpfen, zu verstehen und umzusetzen. Der Dozent muss also so lehren, so dass die Studierenden gut lernen können und eine entsprechende fachliche Kompetenz erwerben. Dabei spielt auch der Enthusiasmus für das Fachgebiet und die Persönlichkeit des Dozenten eine große Rolle. Ein sozial kompetenter Dozent kann sich meiner Meinung nach bei der Wissensvermittlung viel stärker auf die Studierenden einlassen und steht für Feedback-Gabe zur Verfügung. Für mich persönlich spielen Humor und Witz eine wichtige Rolle, allerdings lasse ich auch nie die Struktur aus den Augen, um einen Rahmen zu setzen.

Erinnern Sie sich an Ihre erste gehaltene Vorlesung?

An die allererste an der TU München erinnere ich mich nicht mehr, an die erste hier an der HTW in Pillnitz sehr wohl - es war im Seminarraum 006. Es war meine erste eigene Lehrveranstaltung mit voller Verantwortung. Ich war sehr gut vorbereitet und es lief sehr gut.  Ich habe immer noch ein sehr inniges Verhältnis zum Jahrgang ’97, bei dem meine erste Lehrveranstaltung stattfand. Mein Stil war anders als der damals häufig übliche klassische Frontalunterricht Die Studierenden mussten von Anfang an in den Lehrveranstaltungen „mitwirken“.

Welche didaktischen Methoden wenden Sie an?

Es ist ein Mix aus verschiedenen Methoden, angefangen von „Dialogisches Lehren“ bis hin zu „Lernen durch Lehren“. In Hörsälen ist es wegen der Gruppengröße bzw. aus praktischen Gründen häufig eher frontal, dort arbeite ich mit Tafel und ppt. Fragen von mir an die Studierenden gibt es immer. Die „Murmelgruppe“ setze ich auch ein. Ungünstig finde ich – zumindest in meinem Fachgebiet - die Trennung zwischen Vorlesung und Übung. Idealerweise habe ich Gruppen von max. 18-20 Personen (die Semestergröße umfasst etwa 40 Studierende) und ich kann meine Lehrveranstaltung (Kombination aus Vorlesung und Übung) direkt an der Maschine oder auf dem Feld durchführen. Die Studierenden müssen dann selbst Hand anlegen, genau hinschauen, an Hebeln drehen oder eine (perfektes) Pflugbett erstellen oder beurteilen. Gerne nutze ich auch die didaktische Methode Infomarkt. Wenn die Studierenden in  Kleingruppen mit je ca. 5-6 Mitgliedern aufgeteilt sind, teile ich einen Text/Verfahren/Gerät aus und die Kleingruppe erarbeitet sich das Thema inhaltlich und erstellt mit Flip-Papier und Stift handschriftlich im Unterricht ein Poster dazu, dass Sie dann aushängen und den anderen Gruppen individuell präsentieren (vgl. Methode des Quartals 3/16). Manchmal lasse ich den Studierenden ein „One Minute – Paper“ schreiben, mit dem sie die Fragen „Was ist das Wichtigste. das ich heute gelernt habe?“ und „Was habe ich am wenigsten verstanden?“ beantworten.

Stellen Sie uns Ihre Lieblingsmethode vor?

Mhm… habe ich gar nicht – auf jeden Fall nicht der Frontalunterricht mit PPT! Hauptsache interaktiv, so dass die Studierenden „nicht zur Ruhe kommen“! Dazu gehört z. B. auch, dass die Studierenden selbst die Prüfungsaufgaben erstellen. Das funktioniert wunderbar und bringt viele Vorteile mit sich. Wie das genau geht, habe ich vor einiger Zeit in einer Lehrmail beschrieben. Um einmal schnell so ziemlich alle zu aktivieren bzw. wieder an den Ball zu kriegen, stelle ich eine Frage nach der Methode „der Nachbar wird gefragt“. Ich nehme dann nicht den dran, der die Hand hebt, sondern den Nachbarn. Das kündige ich vorher an und auf meine Frage hin sind dann ruckzuck fast alle Hände oben. Das Schöne dabei ist, dass nicht ich festlege wer gefragt wird, sondern der Nachbar, weil er seine Hand früher oben hatte. Natürlich achte ich darauf, das nie jmd. dabei das Gesicht verliert: es gibt keine „falschen Antworten“, durch gezieltes Nachfragen leite ich zur richtigen Antwort hin.

Wie bereiten Sie Ihren Unterricht vor?

Fast immer schaue ich in mein „Logbuch“, damit ich weiß was für nächste Stunde ansteht, was ich mitbringen oder vorbereiten muss. Ich werfe einen Blick auf meine Unterlagen für die nächste Stunde, vor allem dann, wenn ich die Lehrveranstaltung überarbeitet oder upgedatet habe. Falls zur letzten Stunde von den Studierenden ein One Minute - Paper oder Prüfungsfragen vorliegen, dann werfe ich einen Blick darauf um zu erfahren, was nicht verstanden wurde und ich wiederholen oder relativieren muss.

Welche Medien setzen Sie in Ihrem Unterricht ein?

Ich benutze ppt incl. Videos, die Tafel, Flippapier für den Infomarkt, damit die Studierenden ihre Poster händisch gestalten können und ich bringe Anschauungsobjekte mit.

Ich habe auch einen Moderationskoffer, in dem befindet sich mein „GTW“ (Großtafelwischer), den der Jahrgang 97 gebastelt und mir geschenkt hat, damit ich mein eigenes und größeres Tafelsäuberungswerkzeug habe. Darin ist auch ein Teleskopwanderstock, den nehme ich als Zeigestock, da die Laserpointer mir zu klein pointen. Die Tennis- und Igelbälle setze ich nicht mehr ein. Ich habe früher ein Wahlpflichtfach angeboten: freies Sprechen und Stimmtraining und Atmung, da brauchte ich sie für die Studierenden für die Fußreflexzonenmassage zur Aktivierung von Atmung und Stimme. Manchmal verwende ich sie noch selber, z. B. wenn ich um 7:30 Uhr Vorlesung habe und der Schlaf etwas knapp war.

Wie gehen Sie mit Störungen durch z.B. Smartphonenutzung in Ihren Vorlesungen um?

Zu Beginn des Semesters lege ich zusammen mit den Studierenden die Spielregeln fest und erkläre, dass keine Anwesenheitspflicht besteht, wer kommt, muss aber dann diese Vereinbarungen einhalten, wie z. B. pünktlich da sein, Handy aus, keine offenen Getränkebehälter, etc. Durch diesen „Vertrag“, dem die Studierenden zugestimmt haben, kann man wunderbar Druck aufbauen, der aber nicht unbedingt von mir kommen muss, sondern von den Studierenden selbst kommen kann. Ein früheres Ereignis als Beispiel: In den Seminarräumen ist häufig der Eingang vorne bei der Tafel, so dass Zuspätkommer ziemlich stören. Deshalb die Vereinbarung mit den Studierenden, dass diejenigen, die es nicht pünktlich schaffen, 45 Minuten nach Beginn geschlossen eintreten. Trotzdem kam ein Student schon 10 Minuten nach Beginn herein und nahm Platz. Auf meine Aufforderung hin, sich an die Vereinbarung zu halten und den Raum zu verlassen hat er nicht reagiert. Ich habe ihn dann zur Wahl, dass entweder ich oder er den Raum verlassen muss. Seine Kommilitonen „sorgten“ dann dafür, dass ich es war der blieb, der soziale Gruppendruck war für den Zuspätkommer zu hoch. Diese Regelung – ich nenne sie die „Semperoper-Regelung“ - hat übrigens auch immer dazu geführt, dass nach 2-3 Wochen niemand mehr zu spät kam.

Wie aktivieren Sie Ihre Studierenden?

Einige Möglichkeiten habe ich schon genannt, auch in den Lehrmails habe ich schon manches beschrieben. Generell finde ich, dass die Studienpläne viel zu viele SWS haben. Überwiegend wird da der Trichter angesetzt und die Studieren sitzen da und hören zu, werden so sozialisiert und brauchen gar nicht mehr selber denken – was sie dann auch gar nicht mehr so gerne selber machen. Insbesondere das „Denken“ zeichnet meiner Meinung nach ein Hochschulstudium aus, und das vermisse ich bei den Studierenden mehr und mehr. Die Anzahl der Präsenzstunden sollte stark reduziert und die Studierenden sollten viel mehr Zeit für das selbständige Arbeiten zuhause, in der Bibliothek, im Labor oder in der Kleingruppe aufwenden müssen. Die Studierenden sollten diesbezüglich viel mehr gefordert werden, aber von uns gut unterstützt und aktiviert werden.

Gab es ein schönstes/schlimmstes Lehrerlebnis?

Negativ… negativ (er überlegt lange), nein negativ, da fällt mir nicht so wirklich was ein. Klar gibt es technische Störungen oder die Ausstattung der Seminarräume ist suboptimal, wenn z. B. in einem großen Seminarraum nur eine 2,25 qm große Projektionsfläche angeboten wird. Hörsaalausstatter haben anscheinend noch nie etwas von der Formel A = E/5 gehört. Damit ist leicht berechenbar, wie groß die Projektionsfläche sein muss - aber das nur nebenbei bemerkt.

Positiv fällt mir da mehr ein: Ich mag es besonders, wenn ich in einer kleinen Gruppe, vielleicht mit etwa 7-8 Studierenden diskutiere und nicht nur ich Fragen stelle, sondern von den Studierenden mit Fragen gelöchert werde, das tut gut! Daran sehe ich, dass Studierenden interessiert sind und es ihnen Spaß gemacht hat, und damit auch mir.

Könnten Sie sich vorstellen, mehr E- oder Blended-Learning Aspekte in Ihre Lehre einzubauen?

Vorstellen kann ich mir dies sehr gut, und diese Methoden haben auf jeden Fall ihre Berechtigung. Ich sehe sie momentan in erster Linie als Ergänzung und nur zu einem gewissen Teil als Ersatz. Mir ist die Interaktion im Seminarraum sehr wichtig. Untersuchungen haben auch sehr deutlich gezeigt, dass die Studierenden auf den Kontakt im Hörsaal nicht verzichten möchten. Begrüßen würde ich z.B. Flipped classrooms, allerdings müsste da erst ein Kulturwechsel stattfinden. Auch müsste an der HTW eine entsprechende Infrastruktur geschaffen werden, denn nur mit dem Aufzeichnen und ins Netz stellen einer PPT-Präsentation ist es bei weitem nicht getan.

Möchten Sie sich didaktisch gerne weiter bilden?

Ja, ständig! Besonders interessiert bin ich an Hospitation und würde mich freuen, wenn wir (Wild und Meyer-Ross) im WS16/17 eine Vorlesung oder Übung für kollegiale Beratung fänden.

4. Kollegiale Beratung / Coaching / Feedback

Es gibt für Lehrende die Möglichkeit, sich didaktisch coachen zu lassen. Wir haben noch Kapazitäten!

Bei Interesse bitte Email an: meyer-ross@htw-dresden.de.

Außerdem findet am 07.08.2017 ein Short Cut zur Kollegialen Beratung von 9-13 Uhr statt. Sie können sich HIER dafür anmelden.

Beratung unter Kolleg_innen gab es schon immer. Kollegiale Beratung als didaktische Methode entwickelte sich aus der Supervision, um es Hochschullehrenden zu ermöglichen, sich auch ohne Supervisor_in gegenseitig beratend zu unterstützen. Ziel ist, die eigene Beratungskompetenz zu fördern und die_den Supervisor_in überflüssig zu machen. Heute wird kollegiale Beratung auch von Lehrenden verwendet, um von- und miteinander zu lernen und sich gegenseitig in didaktischen Fragen zu unterstützen.

 

Feedback von Prof. Dr. Ralph Sonntag

Zu Beginn des Sommersemesters 2016 beriet mich K. Kathy Meyer-Ross zu aktivierenden Methoden, die ich in Präsenzveranstaltungen beim Flipped Classroom einsetzen kann.

Bis jetzt war meine Methode, ein Skript zu haben und dies den Studierenden mittels Beispielen und Bezug zur Praxis zu vermitteln. Nun sehe ich mich durch den Flipped Classroom in einer neuen Rolle. In den Präsenzveranstaltungen möchte ich das im Selbststudium bzw. online erworbene Wissen der Studierenden moderierend festigen und vertiefen.

Dazu nutze ich aktivierende didaktische Methoden. Frau Meyer-Ross hat einen abgestimmten  Methodenkatalog zusammengestellt und gemeinsam haben wir erarbeitet, welche Methoden in welcher Veranstaltungssituation für den Flipped Classroom sowie für mich geeignet wären.

Mit Frau Meyer-Ross als Sparringspartner konnte ich meinen Methodenkoffer erweitern und besser für das Flipped-Konzept anpassen. Ich kann jeder Kollegin und Kollegen raten, die Möglichkeit der Beratung durch Frau Meyer-Ross zu nutzen.

 

Best Grüße,

Ralph Sonntag

5. Didaktische Weiterbildung des Quartals

  • HTW Dresden (Friedrich-List-Platz 1, 01069 Dresden), Raum Z 621
  • Workshop Teil 1: Montag 14.11.2016, 09:00 Uhr bis 16:00 Uhr
  • Workshop Teil 2: Montag 21.11.2016, 09:00 Uhr bis 16:00 Uhr
  • Referentin: K. Kathy Meyer-Ross
  • Anmeldung

CONTENT

In front of 100 students and nobody pays attention? You, the educator, asks a question and nobody answers? Students talk or sleep? In the two-days’ workshop Didactics Compact the participants will learn about methods to activate their students. Didactics is a theory of teaching, and in a wider sense, a theory and practical application of teaching and learning. An educator functions in his or her role as an authoritative figure, but also as both a guide and a resource for students.

During the workshop the educator will learn about different activating methods as in Graffiti, Learning-Duet, Market Place, Mind Map, Mixed Groups, One-Minute-Paper, Sandwich, Six Thinking Hats, Speed-Networking, Think-Pair-Share, and Vernissage and on a meta-level will discuss their experience.​

LEARNING GOALS

During the workshop the educator will learn about different activating methods as in Graffiti, Learning-Duet, Market Place, Mind Map, Mixed Groups, One-Minute-Paper, Sandwich, Six Thinking Hats, Speed-Networking, Think-Pair-Share, and Vernissage and on a meta-level will discuss their experience.​

1. DidAktuelles

Herzlich willkommen zum vierten Didaktik Report der HTW Dresden. Mit diesem nun vierteljährlich erscheinenden Report wollen wir Lehrende motivieren, neue Wege in ihrer Lehre auszuprobieren, und wir können schon kleine und sehr feine Schritte verzeichnen.

In dieser Ausgabe 4/2016 wollen wir Ihnen das Aktive Plenum als didaktische Methode vorstellen, die nach dem Think-Pair-Share Prinzip verläuft.

Unser didaktisches Interview führten wir mit Prof. Dr. rer. nat. habil. Marco Hamann. Er ist als Professor für Mathematik und Geometrie an der HTW und im wissenschaftlichen Beirat des HDS tätig. Durch sein Lehramtsstudium hat er eine didaktische Ausbildung genossen und geht hier immer neue Wege: das Aktive Plenum wendet er in einer flipped classroom Veranstaltung an.

Ab dem WS 2016 gibt es für alle Lehrenden der HTW die Möglichkeit, sich didaktisch weiter zu bilden. Der erste Kurs didactics compact fand am 14. und 21. November statt und fand regen Zuspruch. Die Evaluation dieses Kurses ist in dieser Ausgabe veröffentlicht.

Daneben bietet das HDS (Hochschuldidaktisches Zentrum Sachsen) didaktische Weiterbildungen an. Aus dem aktuellen Programm haben wir uns wieder einen Kurs ausgesucht, ihn ausprobiert und empfehlen ihn weiter.

 

K. Kathy Meyer-Ross

HDS-Koordinatorin an der HTW Dresden

2. Didaktische Methode des Quartals

Aktives Plenum

Beim Aktiven Plenum wird die Gruppe der Studierenden als demokratischen Plenums verstanden, in dem Studierende gemeinsam beraten und entscheiden, ihre Ideen einbringen und ein Problem gemeinsam lösen.

Der Lehrende gibt ein Problem, eine Fragestellung oder eine Aufgabe in das Plenum hinein, das von den Studierenden gemeinsam gelöst werden soll. Die Moderation und das Sammeln der Ideen übernehmen jeweils ein Studierender bzw. eine Studierende. Alle anderen Studierenden tragen gemeinsam zur Problemlösung bei.

Der Lehrende nimmt sich zurück und setzt sich beispielsweise nach ganz hinten in den Hörsaal.

Die Idee basiert auf der Think-Pair-Share Methode:

1.   Think: Zunächst arbeitet der/die Studierende alleine. Er/sie liest den Text, studiert die Aufgabenstellung, macht sich Notizen, schlägt nach, konsultiert Unterlagen und Gedächtnis.

2.   Pair: Die Studierenden teilen und vertiefen die Ergebnisse ihrer Überlegung in Partner- oder Gruppenarbeit.

3.   Share: Die Kleingruppen präsentieren die  Arbeitsergebnisse im Plenum, vergleichen und vertiefen sie gegebenenfalls.

3. Didaktisches Interview mit Prof. Dr. Marco Hamann

https://www.htw-dresden.de/fakultaet-informatikmathematik/personal/professuren/prof-dr-marco-hamann.html

Marco Hamann ist Professor für Mathematik und Geometrie an der HTW und im wissenschaftlichen Beirat des HDS.

 

Seit wann sind Sie in der Lehre tätig?

1999 fing ich als Gymnasiallehrer für Mathematik und Physik an zu lehren. In diesem Beruf arbeitete ich bis 2004. Ab 2003 war ich dann schon parallel Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Dresden, wo ich auch promovierte und habilitierte. An der HTW habe ich seit 2012 die Lehrgebiete Mathematik und Geometrie zu vertreten.

 

Haben Sie eine didaktische Ausbildung?

In meinem Lehramt-Studium habe ich eine grundlegende didaktische Ausbildung erhalten. Die Fachdidaktik der Mathematik sowie die der Physik waren ebenfalls Gegenstand meines Studiums und des anschließenden Referendariats.

 

Was bedeutet für Sie Didaktik?

Für mich ist Didaktik die Frage nach dem WIE etwas vermittelt, gelehrt wird und gelernt werden kann. Didaktik nimmt Einfluss auf den Prozess, die Art und Weise, wie Wissen und Kompetenzen erworben werden.

 

Erinnern Sie sich an Ihre erste gehaltene Vorlesung?

Ich erinnere mich nur vage: Das ist etwa 13 Jahre her und es ging um das Fach Darstellende Geometrie für Geodäsie/Kartographie. Ich war damals Wissenschaftlicher Mitarbeiter und hatte gerade selbst erst diesen Gegenstand zu durchdringen. Das WIE war damals vermutlich nicht die vordergründige Frage.

Rückblickend war meine Assistentenzeit eine zweite Lehrzeit. Ich würde nun auch anders in der Schule unterrichten, inhaltlich wie auch methodisch. An der HTW finde ich es spannend, inhaltlich wie didaktisch verschiedene Zugänge auszuprobieren, um Studierenden Wege zum Erwerb von Fähigkeiten und Fertigkeiten, Wissen und Kompetenzen aufzuzeigen.

 

Welche didaktischen Methoden wenden Sie an?

Toll finde ich für Übungen das Prinzip des Gruppenpuzzles, das habe ich in einer Vorlesung allerdings noch nicht ausprobiert. Das Aktive Plenum wende ich in Verbindung mit dem flipped-classroom-Prinzip in meiner Vorlesung an. Das kenne ich noch aus meiner Lehrerzeit an der Schule und bin nun gemeinsam mit Ihnen, Frau Meyer-Ross, wieder darauf aufmerksam geworden.

 

Stellen Sie uns Ihre Lieblingsmethode vor?

Das könnte vielleicht flipped classroom werden. An der HTW gibt es zum Teil recht große Kurse mit leistungsheterogenen Gruppen. Im Grundlagenmodul Mathematik frage ich mich oft, wo ich Studierende abholen kann oder sollte. Flipped classroom scheint mir für heterogene Gruppen geeignet: Die Wissensaneignung ist vorgelagert, kann faktisch personalisiert erfolgen. Die Diskussion und Ergebnissicherung kann anschließend in der Präsenzzeit gemeinsam durchgeführt werden.

Ich lasse Studierende gern den Stoff mit einem möglichst hohen Maß an Eigenverantwortung erarbeiten.

 

Wie bereiten Sie Ihren Unterricht vor?

In den Modulbeschreibungen sind die Inhalte gelistet und vor dem Semester setzte ich einen Stoffverteilungsplan auf. Für den einzelnen Gegenstand wähle ich in der Regel eine geeignete Methode aus; außerdem suche ich immer nach ansprechenden und aktuellen Beispielen.

Am Anfang einer Vorlesung stelle ich gern eine initiale Frage und warte, was an Feedback kommt, um dort anzusetzen. Für Studierende scheint es z. B. schwer zu sein, Beweise zu führen oder abstrakte Formeln zu durchdringen. Neuerdings versuche mich gelegentlich an Visualisierungen – „Beweise ohne Worte“ – um die Allgemeingültigkeit einer Aussage zu unterstreichen.

 

Welche Medien setzen Sie in Ihrem Unterricht ein?

Mein Hauptmedium ist die Tafel. Die Geschwindigkeit, mit der ich handschriftlich an ihr etwas entwickeln kann, empfinde ich als optimal für die Studierenden, die dabei mitschreiben und, viel wichtiger, mitdenken können. Ich zeige pro Vorlesung höchstens 3-4 Beamer-Folien, z. Bsp., wenn ich einen langen Satz erläutere und dies als „Verdauungspause“ nutze, damit die Studierenden in ihrem Schreib-Denk-Rhythmus unterbrochen werden und sich mal eine Folie anschauen können.

Mathematische Software kommt bei mir auch zum Einsatz. Ich empfinde dies besonders für Ingenieure wichtig, damit sie lernen, diese angemessenen und sicher zu verwenden.

Ich bin in der Vorlesung selten im Internet, zeige gelegentlich mal einen Videoausschnitt. Opal benutzte ich natürlich auch zum Bereitstellen von Materialien. Zusammen mit einem Kollegen erstellen wir interaktive Beispiele in elektronischer Form für das Selbststudium der Studierenden.

 

Wie aktivieren Sie Ihre Studierenden?

Ich versuche Abwechslung in die Vorlesung zu bringen. Außerdem brenne ich für mein Fach und versuche diese Begeisterung auf meine Studierenden zu übertragen.

 

Gab es ein schönstes/schlimmstes Lehrerlebnis?

Schöne Erinnerungen habe ich an Repetitorien. Hier kläre ich offen gebliebene Fragen in einer Art Fragestunde direkt mit den anwesenden Studierenden. Da es kleine Gruppen sind, bin ich nah an den konkreten Fragen und Problemen der Studierenden und es kommt nicht selten zu Aha-Erlebnissen, wenn diese ein Thema durchdrungen haben.

 

Könnten Sie sich vorstellen, mehr E- oder Blended-Learning Aspekte in Ihre Lehre einzubauen?

Ich nutze flipped classroom dieses Semester zum ersten Mal und kann mir vorstellen, mehr blended learning einzusetzen. Ich frage mich in diesem Zusammenhang, wie gewinnbringend sich eine mögliche, bzw. neue Lehrform für Studierende einsetzen lässt: Lassen sich z. Bsp. Darstellende Geometrie, oder gewisse Algorithmen adäquat und sinnvoll durch digitale Lehr-/Lernangebote abbilden?

Ich finde für manche Themen kurze Lehrvideos, so genannte MOOCs, sehr interessant und möchte diese gern für die Vermittlung von Mathematik testen. Ich denke darüber nach, welche mathematischen Inhalte ich in MOOCs wie abbilden kann. Anregungen hole ich mir u. a. von der Khan Academy (https://de.khanacademy.org/math).

4. Kollegiale Beratung / Coaching / Feedback

5. Didaktische Weiterbildung des Quartals

Es sind noch Plätze frei:

Lehre mit neuen Medien

12.12.16

1. DidAktuelles

Herzlich willkommen zum fünften Didaktik Report der HTW Dresden. Mit dem vierteljährlich erscheinenden Report wollen wir Lehrende motivieren, neue Wege in ihrer Lehre auszuprobieren, und wir können schon kleine und sehr feine Schritte verzeichnen.

In dieser Ausgabe 1/2017 wollen wir Ihnen ARSnova als didaktische Methode vorstellen.

Unser didaktisches Interview führten wir mit Prof. Dr. Al Kamienski. Er war als visiting Professor im WS 2016 an der HTW und setzt in seiner Lehre sehr viel technology ein. Wir haben uns eine Methode rausgesucht und stellen sie, angepasst an die deutschen Gegebenheiten, vor.

Auch im SoSe 16/17 gibt es wieder für alle Lehrenden der HTW die Möglichkeit, sich didaktisch weiter zu bilden. Wir haben unser Angebot ausgebaut und bieten montags an der HTW viele Kurse rund um didaktische Themen: bildungsportal.sachsen.de/opal/auth/RepositoryEntry/10928291840/CourseNode/94307909628995

Daneben bietet das HDS (Hochschuldidaktisches Zentrum Sachsen) didaktische Weiterbildungen an (www.hd-sachsen.de). Aus dem aktuellen Programm haben wir uns wieder einen Kurs ausgesucht, ihn ausprobiert und empfehlen ihn weiter.

                                                   

K. Kathy Meyer-Ross

HDS-Koordinatorin an der HTW Dresden

2. Didaktische Methode des Quartals

E-Learning-Szenarien – Audience Responce Systeme

An der Fakultät Wirtschafswissenschaften wurde erfolgreich das System ARSnova getestet: arsnova.thm.de/blog/. Mit dem webbasierten Audience-Response-System können Sie Ihre Lehrveranstaltungen interaktiv gestalten. Studierende können Ihre Fragen sofort und anonym per Smartphone oder Laptop beantworten oder eigene Fragen stellen. Mit der Live-Feedback-Funktion können Sie sich Feedback zum Tempo und Verständnis Ihrer Vorlesung einholen. Wenn Sie das System ausprobieren möchten, helfen wir gern beim ersten Probelauf.

3. Didaktisches Interview mit Prof. Al Kamienski, M.B.A., Ph.D.; visiting Professor im WS 2016 an der HTW

Wie lange lehren Sie?

I have been teaching full-time for 15 years and nearly 20 total.

Haben Sie eine didaktische Ausbildung oder Weiterbildung?

I earned a Ph.D. in Edcuational Psychology with a major in learning theory.

Was bedeutet für Sie Didaktik?

My first thought was both the „art and science“ of teaching. Then I looked it up and found that to be the exact definition (although in the US that term is not used, but „pedagogy“)

Erinnern Sie sich an Ihre erste gehaltene Vorlesung?

My very first lecture? Maybe not, but possibly. My very first lecture as a full-time professor? Yes, I will never forget it. I had a speech scripted.

Welche didaktischen Methoden wenden Sie an?

A wide portfolio. The common terms that likely could be applied are: problem-based, technoglogy-assisted, augmented by real life experience and intended to develop both skills and knowledge.

Stellen Sie uns Ihre Lieblingsmethode vor?

I like to use technology to display a problem, usually that I invent in the moment. I will show supporting resources (etextbook, websites, videos, etc.) that give color to the problem. Then I will generally lead a walk-thru of this simple problem. The demonstration is often recorded live and then made available to revisiting later by the students. After showing them an example of the expected deliverable / outcome, I will augment the problem and then set the students to task in developing their solution modeled off my example.

Wie bereiten Sie Ihren Unterricht vor?

After this many years, I know the content so well that all I really need is a few minutes to think about my learning objectives. If the solution is complex, I will script out a solution in advance so I can lead the students towards an „answer.“ Often, I will develop the solution in parallel so they can follow along live. I consider my style very creative, organic, and in the moment.

Welche Medien setzen Sie in Ihrem Unterricht ein?

All kinds. Websites. Articles. Videos. Games. Etextbooks. Basically, anything that can be brought up on the fly with a web browser and internet connection.

Wie gehen Sie mit Störungen z.B. durch Smartphonenutzung in Ihren Vorlesungen um?

I try to set rules. I am liberal. The main rule is „do what you like until it bothers me or someone else.“ If abuses take place, I will call a student out and demand them to stop, using peer pressure. If the disturbances are large-scale I will temporarily implement a no-teachnology policy as a punishment.

Wie aktivieren Sie Ihre Studierenden?

Through humor, stories, and personal interest in their development.

Gab es ein schönstes/schlimmstes Lehrerlebnis?

There are too many beautfiul ones to count. The worst ones are likely more memorable because they signal some sort of failure on my part. Those are generally when I say / do something is unintentionally offends someone. But I am human and make mistakes. So I always apologize. But often, once a student has lost that connection with a teacher, the degree of the teacher’s effectiveness going forward is limited.

Könnten Sie sich vorstellen, mehr E- oder Blended-Learning Aspekte in Ihre Lehre einzubauen?

I work on it regularly and consider myself to be at least in the top 20% of instructors trying ot push the envelope of technology and live instruction.

Möchten Sie sich didaktisch gerne weiter bilden?

If, as a teacher, I said „no“ then I should retire. The day I stop learning is the day I stop teaching.

4. Kollegiale Beratung / Coaching / Feedback

Es gibt für Lehrende die Möglichkeit, sich didaktisch coachen zu lassen. Wir haben noch KapazitätenJ. Bei Interesse bitte Email an: meyer-ross@htw-dresden.de. Außerdem findet am 07.08.2017 ein Short Cut zur Kollegialen Beratung:

Beratung unter Kolleg_innen gab es schon immer. Kollegiale Beratung als didaktische Methode entwickelte sich aus der Supervision, um es Hochschullehrenden zu ermöglichen, sich auch ohne Supervisor_in gegenseitig beratend zu unterstützen. Ziel ist, die eigene Beratungskompetenz zu fördern und die_den Supervisor_in überflüssig zu machen. Heute wird kollegiale Beratung auch von Lehrenden verwendet, um von- und miteinander zu lernen und sich gegenseitig in didaktischen Fragen zu unterstützen.

von 9-13 Uhr statt; jetzt anmelden:

bildungsportal.sachsen.de/opal/auth/RepositoryEntry/10928291840/CourseNode/94307909629602

5. Didaktische Weiterbildung des Quartals

Am 13.03.2017 findet der hochschuldidaktische Kurs Aktivierende Methoden in Mathe-lastigen Fächern statt.

In diesem Workshop zeigen wir beginnend Beispiele zur kompetenzorientierten Gestaltung von Lehr-Lern-Interaktionen auf - dies sind u.a.:

• Inverted Classroom im Bereich von Vorlesung und Übung

• kollaboratives Arbeiten in Online-Übungsphasen (Erfahrungen aus dem Projekt „Erprobung und Einführung neuer Lehr-/Lernszenarien in der Mathematik-Grundvorlesung für Ingenieurstudiengänge“)

• Umsetzung von Peer-Review-Prinzips im Kontext von Übungen

 

Die aufgezeigten Beispiele werden im Teilnehmer_innenkreis reflektiert und die verwendeten Methoden diskutiert. Angestrebt ist, die kennengelernten Methoden in einer konkreten Lehrsituation umzusetzen.

Anmeldung:

https://bildungsportal.sachsen.de/opal/auth/RepositoryEntry/10928291840/CourseNode/94307909629796

 

1. DidAktuelles

Herzlich Willkommen zur 6. Ausgabe (2/2017) der HTW Dresden. Mit dem vierteljährlich erscheinenden Report wollen wir Lehrende motivieren, neue Wege in ihrer Lehre auszuprobieren, und wir können schon erste Erfolge verzeichnen. Mit dem zweiten Didaktik-Report im Jahr 2017 wollen wir Ihnen die Gruppenarbeit als didaktische Methode vorstellen. Unser didaktisches Interview führten wir mit Prof. Dr. Georg Freitag, Inhaber der Professur für Implementierung von Benutzeroberflächen in der Fakultät Informatik/ Mathematik an der HTW Dresden. Ab dem SoSe 2017 haben Lehrende der HTW Dresden auch wieder die Möglichkeit, sich individuell didaktisch weiterbilden zu lassen. Dazu werden montags verschiedene Kurse angeboten. Das vollständige Programm finden Sie in OPAL:

bildungsportal.sachsen.de/opal/auth/RepositoryEntry/10928291840/CourseNode/94307909628995

Daneben bietet das HDS (Hochschuldidaktisches Zentrum Sachsen) didaktische Weiterbildungen an (www.hd-sachsen.de). Aus dem aktuellen Programm haben wir uns wieder einen Kurs ausgesucht, ihn ausprobiert und empfehlen ihn weiter.

2. Didaktische Methode des Quartals

Gruppenarbeit

Lernziele und didaktische Funktionen:

Die Methode der Gruppenarbeit spricht bei den Studierenden zwei Kompetenzen an: Zunächst sollen sie sich aktiv und selbstständig an der Erarbeitung eines Inhaltes beteiligen, eigene Fragen und Erfahrungen einbringen und an ihre vorhandenen Sachkompetenzen anknüpfen. Weiter fördert die Methode auch die Kommunikation und Kooperation zwischen den Teilnehmern.

Hinweise für Lehrende:

Gruppenarbeit kann zur Eröffnung, Vertiefung oder Abschluss eines Inhaltes eingesetzt werden. Als Variation können arbeitsgleiche oder arbeitsteilige Aufgabenstellungen verwendet werden. Die Aufgabenstellung sollte in schriftlicher Form allen Teilnehmern zur Verfügung stehen und klar definieren, WAS zu bearbeiten ist. Das WIE beschreibt die Arbeitsweise und verweist auf mögliches Material. Die Gruppenarbeit als Basismethode lässt sich ideal mit anderen methodischen Strukturen kombinieren.

3. Didaktisches Interview mit Prof. Dr.-Ing. Georg Freitag

Prof. Freitag ist seit WiSe 2015 als Professor für 'Implementierung von Benutzeroberflächen' in der Fakultät Informatik/Mathematik an der HTW tätig.

Wie lange lehren Sie?

Als Professor lehre ich seit dem Wintersemester 2015 an der HTW, also seit ca. einem Jahr. Zuvor habe ich hier an der HTW Medieninformatik studiert und an der TU Dresden promoviert. Dort hatte ich bereits ab 2010 erste Lehraufträge.

Haben Sie eine didaktische Ausbildung?

Nein, das meiste habe ich mir abgeschaut oder selbst beigebracht. Zudem lese ich viel zum Thema Didaktik, um das notwendige Wissen nachzuarbeiten. Hilfreich ist, dass ich mich aufgrund meiner Zeit als HTW-Student gut in die jetzigen Lernsituationen hineinversetzen kann. Hieraus erwächst mitunter der Anspruch, Dinge anders zu gestalten. Leider sind neue Lehrmethoden aufgrund der hohen Teilnehmerzahlen nicht immer einfach und direkt umsetzbar, sondern erfordern ein generelles Umdenken bei der Gestaltung von Unterricht.

Was bedeutet für Sie Didaktik?

Laut Definition die Aufbereitung von Wissen, um dieses im Unterricht gezielt zu vermitteln. Hierzu gehört die Wahl der richtigen Methode, um die gesteckten Lehr- und Lernziele zu erreichen. Ich frage mich immer, wie ich Wissen anwenden oder vernetzen kann, also wie lehre ich angewandt. In meinen Fächern gibt es oftmals kein klar definiertes Ziel, weil die Lösung und der Weg dorthin noch unbekannt sind. Dies kommuniziere ich frühzeitig und versuche die Studenten zu motivieren eigene Lösungswege zu entdecken und sich an den Aufgaben zu versuchen. Natürlich lasse ich die Studenten dabei nicht allein, sondern gebe ihnen Lösungstechniken und -methoden mit an die Hand. Als Ziel gebe ich mir für die Fächer vor, dass die studentischen Projekte möglichst individuell und vorzeigbar sind. In meiner Studienzeit haben mich diese Fächer, in die ich mich selbst einbringen konnte, am meisten voran gebracht. Ein Ziel war es dabei immer, die Belege so gut umzusetzen, dass ich sie präsentieren konnte. Das möchte ich auch meinen Studierenden ermöglichen: Am Ende sollen sie was haben, was sie im Studium und für den späteren Berufseinstieg wiederverwenden können.

Erinnern Sie sich an ihre erste gehaltene Vorlesung?

(...er überlegt ein wenig...) ja! Das war zur Doktorandenzeit. An den Titel erinnere ich mich nicht mehr, aber es ging um Benutzerschnittstellen, um die menschlichen und technischen Aspekte. (...Pause...) Wow, da habe ich ja einen langen Weg zurückgelegt, damals war das Fachwissensvermittlung ohne Bezüge (...) das würde ich heute nicht mehr so machen (...)

Welche didaktischen Methoden wenden Sie an?

Ganz klassisch: Frontalunterricht (er lacht). Ich versuche das zwar zu vermeiden, aber bestimmte Inhalte lassen sich besser im klassischen Stil vermitteln. Zukünftig möchte ich mich aber mehr auf Gruppenarbeit konzentrieren, um den Austausch zwischen den Studenten zu verbessern. Zudem spricht mich der problemorientierte sowie individuelle Zugang zu Wissen an, durch die sich auch eine persönliche Beziehung zu den Studierenden herstellen lässt.

Stellen Sie uns Ihre Lieblingsmethode vor?

Wenn ich z.B. 40 Studierende vor mir habe, dann versuche ich wie im Projektmanagement Aufgaben zu verteilen oder wir erstellen zusammen ein gemeinsames Tafelbild mit Klebezetteln. Eine andere Methode, die ich gern verwende, ist das Geschichtenerzählen, also Storytelling. Das so vermittelte Wissen wird so für die Studenten anschaulicher und ist besser nachzuvollziehen. Zudem sind meine Folien sehr bunt und überwiegend graphisch - da ist kaum Text, weil ich ja viel rede. Hierdurch versuche ich den persönlichen Zugang zum Thema zu schaffen. Natürlich geht auch immer wieder Wissen verloren, wenn die Studenten nicht mitschreiben. Aber das passiert so oder so - egal in welcher Form ich meine Folien vorbereiten würde. Letztlich würde ich gern mehr Wissen spielerisch vermitteln, weil sich Dinge so besser merken und in Bezug setzen lassen. Mein natürliches Interesse für kognitive Grundlagen ist mir dabei eine gute Hilfe.

Wie bereiten Sie Ihren Unterricht vor?

Ich habe viele Altlasten mitgebracht, sowohl aus meiner Studentenzeit, als auch aus der Promotionszeit. Diese Unterlagen und Folien möchte ich jetzt peu á peu ersetzen. Zudem suche ich immer wieder Herausforderungen, die mich fordern, fachlich neu zu denken. Es gibt z.B. den Runden Tisch der technischen Visualistik (RTTV) an der TU Dresden. Dort habe ich vor kurzem einen Vortrag zu einem neuen Themenfeld gehalten. Für diese 'Ausflüge' muss ich mir genau überlegen, was ich inhaltlich rüber bringen möchte und was in einem Fremdfach sehr viel schwieriger ist. Ich versuche dann eine Geschichte zu erzählen und dabei lerne ich, den Stoff selbst besser zu verstehen. Dies hilft mir dann bei der Planung von neuen Vorlesungen, um neues Wissen für die Studenten aufzubereiten. Für meine einzelnen Fächer habe ich aktuell keinen festen Plan, den ich jedes Jahr einfach übernehmen kann. Die Informatik ist ja an sich bereits sehr schnelllebig, so dass ich mich lieber neu orientiere und neue Themenfelder in den Unterricht aufnehmen möchte.

Welche Medien setzen Sie ein?

In Opal lade ich meine Folien hoch (...lacht...) und lasse die Studierenden ihre Arbeitsergebnisse abgeben. Alternativ benutze ich Cloud-Dienste und separate Kommunikations-Software, um den Austausch zwischen den Studenten und mir zu verbessern. In der didaktische Stulle habe ich Arsnova kennen gelernt, das werde ich sicherlich auch ausprobieren (...lacht...). Ansonsten nutze ich ppt-Folien, da ich kein Kreidefreund bin und die Tafel eher wenig verwende. Ein Whiteboard wäre mir generell lieber. Zukünftig würde ich gern mehr digitale Werkzeuge in der Lehre verwenden, mit denen sich Tafelbilder einfacher erstellen und teilen lassen. Leider ist die Technik aktuell jedoch noch nicht vorhanden.

Wie gehen Sie mit Störungen durch z.B. Smartphonenutzung in Ihren Vorlesungen um?

Ich mache einfach eine kurze und bewusste Pause, wenn die Studierenden nicht mehr aufmerksam sind. Wenn das nicht hilft, dann spreche ich sie direkt an oder aber ich wechsle aktiv die Methode, z.B. gehe ich dann über in Gruppenarbeit.

Wie aktivieren Sie Studierende?

Am Stundenanfang hole ich die Studierenden ab, indem ich sich mit einer Fragestellung oder provokativen Aussage konfrontiere, zu der sie Stellung beziehen müssen. Dies hilft mir einzuschätzen, was sie von letzter Woche mitgenommen haben und was ich nochmal vertiefen sollte.

Gibt es ein schönstes und ein schlimmstes Lehrerlebnis?

Immer dann, wenn ich in der Vermittlung Anstöße gebe und damit das Interesse der Studierenden wecke, ist das für mich ein sehr schönes Erlebnis. Schlimm ist es hingegen für mich, wenn ich alle verliere und die Studenten nur noch die Stunde absitzen. Dies zeigt mir, dass meine geplante Struktur so nicht funktioniert hat und der inhaltliche Faden gerissen ist.

Könnten Sie sich vorstellen, mehr E- oder Blended-Learning Aspekte in Ihre Lehre einzubauen?

Ja, Arsnova oder auch die Khan Academy könnte ich mir sehr gut vorstellen in meine Lehre einzubauen und zu nutzen. Dies wäre eine gute Voraussetzung, um den Unterricht zu 'flippen'. Also dass die Studenten mehr fachliche Dinge im Vorfeld der Vorlesung vorbereiten und wir sie dann überprüfen oder praktisch anwenden, z.B. in studentischen Projekten. Diese Vorstellung geht einher mit dem Wandel, den ich für die Hochschule der Zukunft sehe. Hier stellt sich ja die Frage, welchen Vorteil haben die Hochschulen mit der Präsenzlehre gegenüber Online-Universitäten mit ihren digitalen Kursen? Ein Trend für die HTW kann der problemorientierte Ansatz sein, bei dem der Dozent die Studenten als Mentor auf ihrem Weg begleitet. Als Professor kann man bei diesem Ansatz den Studierenden gezielt Raum geben, um sich Wissen selbstständig anzueignen und anzuwenden und sie mit ihren Aufgaben dennoch nicht allein zu lassen. Um zu prüfen, ob dies bereits in meinen Fächern funktioniert, evaluiere ich immer alle meine Veranstaltungen. Die hilft mir weiter, mich zu verbessern und die neuen Ansätze gezielt von den Studenten bewerten zu lassen. Als Werkzeug setze ich hierzu die Evaluationsplattform Survey Monkey ein.

Möchten Sie sich didaktisch gerne weiter bilden?

Ja, sicher, ich freue mich sehr auf die Hochschuldidaktische Fortbildung am 9.1.2017: Lehre und Humor. Auch liegt mir am Herzen, weitere Kontakte im Haus zu knüpfen und sich miteinander stärker auszutauschen sowie voneinander zu lernen. Die didaktische Stulle ist hierfür ein guter Anfang.

4. Kollegiale Beratung / Coaching / Feedback

Ab SoSe 17 haben wir mehr Ressourcen für Hospitationen und (individuelle) Kollegiale Beratung. Sobald die Stundenpläne vorliegen, können individuelle Termine vereinbart werden.

Bitte schreiben Sie an: meyer-ross@htw-dresden.de

5. Didaktische Weiterbildungen des Quartals

Didaktische Stulle am 05.04. und am 12.04.2017

Die HTW bietet mit der didaktischen Stulle Raum für Lehrende der HTW, sich über Didaktik in lockerer Atmosphäre auszutauschen.  Im Sommersemester findet an folgenden Terminen die didaktische Stulle statt:

5.4.17    12:00-13:30 Uhr               Z 336

12.4.17 12:00-13:30 Uhr               Pillnitz, Zeichenraum im Hörsaalgebäude

28.6.17 12:00-13:30 Uhr                Z 336

Bei jeder didaktischen Stulle wird eine didaktische Methode in Kurzform vorgestellt.

1. DidAktuelles

Herzlich Willkommen zum siebten Didaktik-Report der HTW Dresden. Mit dem vierteljährlich erscheinenden Report wollen wir Lehrende motivieren, neue Wege in ihrer Lehre auszuprobieren, und können schon kleine und sehr feine Schritte zu verzeichnen.

In dieser Ausgabe 3/2017 wollen wir die Methode Advanced Organizer vorstellen. Das Interview führten wir mit Robert Ringel, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Informatik/ Mathematik.

Auch im SoSe 2017 gibt es für alle Lehrenden der HTW die Möglichkeit, sich individuell didaktisch coachen zu lassen. Weitere Informationen finden Sie unter Feedback / Coaching / kollegiale Beratung.

Daneben bietet das HDS (Hochschuldidaktische Zentrum Sachsen) didaktische Weiterbildungen an. Aus dem Programm suchen wir uns einen Kurs aus, probieren ihn aus und empfehlen ihn weiter.

2. Didaktische Methode des Quartals

Advanced Organizer

Der Advanced Organizer bezeichnet ein im Voraus erarbeitetes Lerngerüst, welches für Lernende die Themenbereiche und inhaltlichen Schritte einer Lerneinheit anschaulich darstellt. Es wird eine "kognitive Landkarte" in Form von Bildern, Grafiken, kurzen Texten oder Strukturen erstellt. So können die Lernprozesse transparent und ein "roter Faden" für die Lernenden visualisiert werden: Welche Schritte wurden bereits erfolgreich absolviert? Welche Maßnahmen stehen noch aus? Gleichzeitig kann der Bezug zum gesamten Themenkomplex hergestellt werden. Gerade bei neuen Themenkomplexen kann auf diese Art und Weise die Verknüpfung zu bereits vorhandenem Wissen erleichtert werden.

Der Advanced Organizer kann als Abwandlung auch in Zusammenarbeit mit der Lerngruppe erarbeitet werden.

Aus: Hoffmann, S.G./ Kiehne, B. (2016): Ideen für die Hochschullehre. Berlin: Universitätsverlag der TU Berlin

3. Didaktisches Interview mit Robert Ringel

Robert Ringel ist an der Fakultät Informatik/ Mathematik als wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigt und betreut hauptsächlich die grundlegenden Übungsgruppen zu Betriebssystemen und Datenbanken.

Wie lange lehren Sie?

Ich glaube inzwischen sind es mehr als 30 Jahre. Mein allererster Kurs war eine Arbeitsgemeinschaft, in der ich anderen Schülern die BASIC-Programmierung beigebracht habe. Das war Ende der 80er Jahre - ich selbst war damals noch Schüler der 9. Klasse. Inzwischen habe ich Veranstaltungen zur Mitarbeiterqualifikation bei meinem früheren Arbeitgeber gehalten. Derzeit betreue ich neben den Lehrveranstaltungen hier an der Hochschule ein GTA-Angebot an einem Gymnasium zum Thema Robotic.

Haben Sie eine didaktische Ausbildung oder Weiterbildung?

Nein, nicht wirklich. Ich habe den einen oder anderen Kurs besucht, inzwischen viel zu diesem Thema gelesen und natürlich jede Menge eigene Erfahrungen und Beobachtungen gemacht.

Was bedeutet für Sie Didaktik?

Didaktik bedeutet für mich ganz pragmatisch, die geeigneten Mittel, Konzepte, Beispiele und Übungsmethoden zu finden, um den Lehrinhalt interessant und anschaulich zu vermitteln. Dabei versuche ich stets mein eigenes Vorgehen aus der Perspektive des Auditoriums zu reflektieren. Besonders wichtig ist es mir, Inhalte nicht fachlich isoliert darzustellen, sondern im Bezug zu anderen Fachgebieten.

Erinnern Sie sich an Ihre erste gehaltene Vorlesung?

Meine erste eigene Vorlesung inklusive der dazugehörigen Übung durfte ich 1997 an der TU Dresden halten. Wir haben damals für Studierende der Straßenverkehrstechnik die neue Lehrveranstaltung "Modelle und Verfahren der Straßenverkehrstechnik / Simulation" eingeführt. Das war eine sehr spannende Zeit, mit vielen neuen Erfahrungen - ich hatte gerade meinen eigenen Studienabschluss gemacht und konnte mich so sehr gut in die Rolle der Studierenden versetzen.

Welche didaktischen Methoden wenden Sie an?

Wann immer sich die Möglichkeit bietet, versuche ich den Schülern oder Studierenden die Freiheit zu geben, sich eigene Themen zur praktischen Anwendung des Lehrstoffes zu suchen. So gehen die Schüler mit eigener Motivation an die Aufgaben heran, was oft zu einer höheren Lerntiefe führt. Außerdem fördert es die Kreativität. Leider ist dies im eingespielten Lehrbetrieb an der Hochschule viel zu selten machbar.

Stellen Sie uns Ihre Lieblingsmethode vor?

Ich versuche in jeder Übungsstunde am Anfang und am Ende den Advanced Organizer einzusetzen, um den Studierenden den roten Faden des Kurses zu zeigen, ihnen eine Orientierung zu geben, wo wir stehen, wo wir heute unterwegs waren, was wir erlebt haben und wo die Reise hingeht.

Bei Übungseinheiten im PC-Raum erlebe ich immer wieder, wie Studierende hilflos mit einem Problem vor ihrem Computer sitzen und anfangen zu googeln. Ich ermuntere sie dann mit ihren Nebenleuten zu reden und sich auszutauschen. So müssen sie über das Problem reden, es darstellen oder eine gezielte Frage zu formulieren. Schon dadurch setzt der Prozess des Nachdenkens und Lernens ein - durch das Gespräch mit dem Nebenmann.

Wie bereiten Sie Ihren Unterricht vor?

Sehr viel ist nicht vorzubereiten, da viele Übungen in einem sehr eng vorgegebenen, detailliert zugeschnittenen Rahmen stattfinden. Da gibt es leider nur wenig Spielraum. Ich löse alle Aufgaben vorab selbst und versuche dann eine gute Zusammenfassung für die Studierenden vorzubereiten. Oft gebe ich Anregungen zu freiwilligen, weiterführenden Aufgaben oder Experimenten bzw. zu Anknüpfungspunkten in anderen Fachgebieten. Lernen bedeutet, sich Wissen aktiv zu erarbeiten und mit den eigenen Vorkenntnissen und Erfahrungen zu verknüpfen.

Welche Medien setzen Sie in Ihrem Unterricht ein?

Hier an der Hochschule betreue ich vorrangig praktische Übungen in Grundlagen-Lehrveranstaltungen. Diese finden stets im PC-Pool statt und die Studierenden lösen die Übungsaufgaben. Im Wesentlichen kommen also der Vorführ-PC und das Whiteboard zum Einsatz. Das ist für die zu lösenden Aufgabenstellungen völlig ausreichend.

Wie gehen Sie mit Störungen z.B. durch Smartphonenutzung in Ihren Vorlesungen um?

Diese Erfahrungen habe ich bislang nicht gemacht.

Wie aktivieren Sie Ihre Studierenden?

Meist funktioniert dies über Fragestellungen, ggf. auch in Verbindung mit einer kleinen Provokation, beispielsweise einem scheinbaren Widerspruch zum vorher gesagten.

Ein selbst entwickeltes Schaubild am Whiteboard, welches so nicht als Powerpoint vorliegt verlangt Aufmerksamkeit und will auch mitgeschrieben sein - also müssen die Studierenden aktiv werden und etwas tun. Zudem ermutige ich die Studierenden nicht nur die reine Lösung der Aufgabe (also meist das Programm oder Skript) abzuspeichern, sondern auch das Konzept und Anmerkungen zum Lösungsansatz. Handeln, Sprechen, Schreiben und Denken sind vier elementare Tätigkeiten beim aktiven Lernen.

Gab es ein schönstes/schlimmstes Lehrerlebnis?

Es gab zwei sehr schöne Erlebnisse hier an der HTW: Im letzten Jahr hat eine Studentin im Anschluss an die mündliche Prüfung den Inhalt der Vorlesung und auch den Stil der Übungen aus eigenem Antrieb nachdrücklich gelobt. Das zweite Erlebnis war im Praktikum Geschäftsprozessautomatisierung der Gänsehaut-Moment bei den Studierenden und bei mir, als es ihnen gelang, die Legosortiermaschine über eine Webschnittstelle zu starten und dort die Motoren angingen. Das war ein echtes Erfolgserlebnis.

Könnten Sie sich vorstellen, mehr E- oder Blended-Learning Aspekte in Ihre Lehre einzubauen?

Da fehlt mir ehrlich gesagt im Moment die Vorstellung zur Zweckmäßigkeit. Ob der theoretische Teil des Wissenserwerbs, der meist initial notwendig ist, durch klassisches Lesen, durch Vorlesung oder durch moderne E-Learning-Methoden erfolgt, ist aus meiner Sicht nicht entscheidend. Wichtig ist, dass danach ein Lernprozess stattfindet, indem Fähigkeiten durch eigene praktische Tätigkeit entwickelt werden.

Möchten Sie sich didaktisch gerne weiter bilden?

Mich interessiert besonders der Erfahrungsaustausch mit anderen Lehrkräften und Professoren - vor allem auch mit den älteren erfahrenen Kollegen. Ich glaube, da haben wir hier an unserer Hochschule ein großes Potential, aus dem wir, insbesondere die neuen Kollegen, schöpfen sollten.

4. Kollegiale Beratung/ Coaching/ Feedback

Es gibt für Lehrende die Möglichkeit, sich didaktisch coachen zu lassen. Wir haben noch Kapazitäten. Bei Interesse bitte Email an: meyer-ross@htw-dresden.de.

Außerdem findet am 07.08.2017 von 9-13 Uhr ein Short Cut zur Kollegialen Beratung statt:

Beratung unter Kolleg_innen gab es schon immer. Kollegiale Beratung als didaktische Methode entwickelte sich aus der Supervision, um es Hochschullehrenden zu ermöglichen, sich auch ohne Supervisor_in gegenseitig beratend zu unterstützen. Ziel ist, die eigene Beratungskompetenz zu fördern und die_den Supervisor_in überflüssig zu machen. Heute wird kollegiale Beratung auch von Lehrenden verwendet, um von- und miteinander zu lernen und sich gegenseitig in didaktischen Fragen zu unterstützen.

Jetzt anmelden:

bildungsportal.sachsen.de/opal/auth/RepositoryEntry/10928291840/CourseNode/94307909629602

5. Didaktische Weiterbildung des Quartals

Am 08.05.2017 findest der hochschuldidaktische Kurs zum Thema "Neue Medien und Diversität" von 9:00-13:00 Uhr statt.

Bunt ist das neue Normal - in diesem Workshop zeigen und diskutieren wir, wie ein Lehrender mit Neuen Medien heterogene Studierendengruppen unterstützen und digitale Medien gezielt in der Lehre einsetzen kann, um Lernerfolg zu sichern und eigene Aufwandszeit zu reduzieren.

Weitere Informationen und Anmeldung unter

https://bildungsportal.sachsen.de/opal/auth/RepositoryEntry/10928291840/CourseNode/94307909629642

Aktualisiert: 25.04.2017