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Nasca

Projektleiter: Prof. Dr. Bernd Teichert

Kontakt: MSc (GIS) Christiane Richter

Forschungsprojekt Nasca des Vereins "Dr. Maria Reiche - Linien und Figuren der Nasca-Kultur in Peru" e.V.

Inhalt des Forschungsprojektes

NascaGIS

Wesentliches Ziel des Projektes ist es, das Weltkulturerbe der Linien und Figuren in der Pampa von Nasca und Palpa angesichts der drohenden Zerstörung infolge von Klimaeinflüssen, Umweltverschmutzung und Massentourismus zumindest in digitaler Form zu erhalten.

Daher steht der Aufbau eines Geographischen Informationssystems (NascaGIS), in dem alle verfügbaren Daten zu den Bodenzeichnungen gespeichert, verwaltet, analysiert und präsentiert werden, im Vordergrund. Eine Web-Applikation des NascaGIS ermöglicht allen Interessenten den Zugang zu den Ergebnissen des Projektes.


NascaGIS - Web-Applikation zu den Linien und Figuren in der Pampa von Nasca und Palpa

Datenerfassung


Stereoskopische Luftbildauswertung


Satellitenbildkarte der Pampa von Nasca

Wichtigste Aufgabe beim Aufbau des NascaGIS ist die Datenerfassung. Als Grundlage hierfür dienten in erster Linie 179 Luftbilder des Nasca-Blocks (Bildflug 1998; zur Verfügung gestellt von der ETH Zürich) sowie sehr hochauflösende Satellitenbilder (Ikonos, Quickbird, WorldView und GeoEye).  

Die für die Aerotriangulation der Luftbilder bzw. die Georeferenzierung der Satellitenbilder nötigen Passpunkte wurden im Rahmen mehrerer Messkampagnen mittels GPS-Messung vor Ort bestimmt.

Die georeferenzierten Luft- und Satellitenbilder dienten zwar primär als Grundlage für die Digitalisierung der Linien und Figuren in der Pampa, sie werden aber auch für die Herstellung von Luft- und Satellitenbildkarten verwendet.

Allen erfassten Daten werden in einer Oracle-Datenbank gespeichert, welche das Kernstück des NascaGIS darstellt.

Astronomie

Zahlreiche Theorien ranken sich um das bislang ungelöste Rätsel über die Entstehung und ursprüngliche Bedeutung der Linien und Figuren in der Pampa von Nasca. Die Dresdnerin Dr. Maria Reiche beschäftigte sich mehr als 40 Jahre mit dieser Frage und vermutete in den Zeichnungen eine frühe Kalenderanlage der Nascaindianer. Diese Theorie zu untersuchen und damit die Arbeit von Maria Reiche fortzuführen, ist ein weiterer wesentlicher Schwerpunkt des Forschungsprojektes. 

Im Rahmen des Projektes wurden u.a. Berechnungsprogramme erstellt, die es ermöglichen, Korrelationen zwischen Linien und Flächen in der Pampa und Positionen von Sternen, Planeten, Sonne und Mond zur Nasca-Zeit zu bestimmen.


Idee der astronomischen Theorie

Eine weitere wichtige Grundlage für die Überprüfung der astronomischen Theorie ist ein sehr genaues Digitales Geländemodell (DGM) des gesamten Gebietes, um die exakte Position des Auf- bzw. Unterganges der Gestirne berechnen zu können.

Als Basis dienen hierfür neben den Daten der Shuttle Radar Topography Mission (SRTM) auch Stereobilddaten. Aus Stereo-Modellen der Luftbilder oder Stereo-Satellitendaten (Aster) wurden Digitale Geländemodelle korreliert und manuell stereoskopisch editiert. In nächster Zeit sollen auch die Ergebnisse der TanDEM-X Mission mit in die astronomischen Untersuchungen einfließen.


DGM als coloriertes TIN und DGM mit drapiertem Satellitenbild

 

 

Weitere Arbeiten


Modellierung der Kirche von San Jose in Google Earth

Neben den Linien und Figuren in der Pampa werden auch historisch wertvolle Bauwerke der Region um Nasca und Palpa, sowie Felszeichnungen (sogen. Petroglyphen) photogrammetrisch erfasst. Hierbei existiert eine enge Kooperation mit dem Photogrammetrie-Labor der TU Prag.


Petroglyph Jaguar

In Chichictara, in der Nähe von Palpa, wurden ca. 150 Felszeichnungen (Petroglyphen) photogrammetrisch erfasst. Die Figuren wurden in den entzerrten Bildern digitalisiert und Bilder sowie Zeichnungen in eine Web-Applikation integriert.

Vermessung der Aquädukte in der Region Nasca

Aquädukt von Cantalloc

Aquädukt von Cantalloc

Befliegung der Aquädukte mit UAV

Befliegung der Aquädukte mit UAV

Bestimmung von Passpunkten mit GPS

Bestimmung von Passpunkten mit GPS

Der Messtrupp

Der Messtrupp

Die Aquädukte in der Region um Nasca gehören zu den ältesten Bewässerungsanlagen in der andinen Welt. Ihren Ursprung haben sie bereits in der Paracas- (ca. 800 – 200 v. Chr.) und der darauf folgenden Nasca-Kultur (ca. 200 v. Chr. – 650 n. Chr.).

Sie stellen ein weitverzweigtes, ausgeklügeltes Bewässerungssystem dar, das bis heute Wasser aus unterirdischen Quellen in eines der trockensten Gebiete der Welt bringt und damit über Jahrtausende die Lebensgrundlage für viele Menschen in dieser Region darstellte. Die Wasseranlagen bestehen im Allgemeinen aus teilweise offenen und teils verschlossenen, unterirdischen Kanälen. Letztere sind häufig über sogenannte Puquios (spiralförmige Einstiege) zugänglich. 

Einige der Aquädukte werden bis heute insbesondere für die Landwirtschaft genutzt. Lediglich eine Anlage von Puquios in Cantalloc östlich von Nasca ist fast vollständig restauriert und touristisch erschlossen. Viele der insgesamt knapp 40 Anlagen verkommen zunehmend infolge des ungeordneten Städtewachstums – insbesondere im Großraum Nasca. Daher soll im Rahmen eines interdisziplinären Projektes das Potenzial der Aquädukte für eine Anerkennung als Weltkulturerbe evaluiert werden.

Als Grundlage dafür müssen zunächst alle Aquädukte und Puquios vermessungstechnisch erfasst, bezüglich ihres aktuellen Zustandes analysiert und kartographisch dokumentiert werden. Aus diesem Grunde fand im September 2016 eine Feldkampagne statt, an der Prof. Dr. Bernd Teichert und MSc (GIS) Christiane Richter von der HTW Dresden sowie Prof. Dr. Karel Pavelka von der CVUT Prag teilnahmen. Von peruanischer Seite wurde das Projekt unterstützt vom Bürgermeister von Nasca Prof. Eusebio Alfonso Canales Verde sowie den Mitarbeitern der Agencia Agraria (Landwirtschaftsbehörde) und der Autoridad Nacional del Agua (Nationale Wasserbehörde) in Nasca. Der Bürgermeister von Nasca stellte außerdem ein geländegängiges Fahrzeug und zusätzliches Personal zur Verfügung.

Mit GPS wurden im Rahmen dieser Messkampagne insgesamt 34 Aquädukte erfasst, 5 ausgewählte Bewässerungsanlagen konnten zudem mittels UAV photogrammetrisch aufgenommen werden. 

Aktualisiert: 09.01.2018  |  Autor: Ch. Richter