1. Hauptnavigation
  2. Inhalt der Seite

Neuigkeiten/Pressemitteilungen

Zirkeltraining BIM und Vermessung - Rückschau

BIM und Vermessung

BIM und Vermessung

BIM und VermessungBIM und VermessungBIM und Vermessung
15.11.2018 Beim eintägigen Seminar „Zirkeltraining Vermessung und BIM“ am 8. November in der HTW informierten sich mehr als 80 Fachleute über den Datenaustausch von Vermessung-, Geo- und Bauwerksdaten nach BIM Methode.

Die Digitalisierung des Bauwesens führt – so heißt es - zu einem Kultur- und Technikwandel: Hin zum modellbasierten, kollaborativen Planen, Bauen und Betreiben von Bauwerken mit der Methode des 

Building Information Modeling (BIM). Welche Rolle spielen Vermessungsingenieure und Geodatenmanager in diesem Migrationsprozess? Wie müssen Leistungen in Zukunft erbracht werden? Wer arbeitet bereits mit BIM? 

Diese Fragen diskutierten am 8.11.2018 mehr als 80 Fachleute von Bauunternehmen, Planungsbüros, Softwarehäusern, Messgeräteherstellern, Verwaltung und freiem Beruf an der HTW Dresden. 

Der Eröffnungsvortrag „Daten ungleich Information“ (Harald Weidinger, Schweden) thematisierte die nicht nur positive Praxiserfahrung aus großen Straßenbauprojekten in Skandinavien. Der Vortrag zeigte, dass Erwartungen an BIM enorm sind, dass aber in der gelebten BIM-Praxis der digitale Informationsfluss nicht immer fehlerfrei läuft und insbesondere Planungs- und Bauprozesse nicht ausreichend verzahnt sind. Er hob hervor, dass Vermessungsingenieure durch die Vielzahl an Softwaresystemen und Schnittstellen heute immer auch informatisch denken und dementsprechend ausgebildet werden müssen. Gleichzeitig prognostizierte Harald Weidinger, dass dem Vermessungsingenieur in Zukunft eine wichtigere Rolle im digitalen Planungs- und Bauprozess zukommt, weil ein präzises Datenmanagement und Qualitätssicherung – auch hinsichtlich der Bauausführung - immer wichtiger werden. 

Am Vor- und am Nachmittag konnten sich die Teilnehmer jeweils zwischen einem Seminar mit Vorträgen oder einem Zirkeltraining entlang fünf Stationen entscheiden. 

Das erste Zirkeltraining bot fünf Stationen zum Thema „BIM-Grundlagen“: BIM-Modellierungssoftware (HTW-Dresden), Georeferenzierung mit BIM und Datenaustausch mit IFC (HTW-Dresden), Punktwolkenauswertung für BIM (Faro), BIM-Absteckung (Cadsys) und BIM/GIS-Kollaboration (A+S Consult) vor. Das Präsentationsformat „Zirkeltraining“ ermöglichte es in Kleingruppen mit den jeweiligen Experten zu sprechen und gezielte Verständnisfragen zu stellen. Für die Teilnehmer wurde so eine „lockere“ Atmosphäre geschaffen – aber die Referenten der Einzelstationen wurden sehr gefordert. 

Parallel zum ersten Zirkel wurde ein Seminar zum Thema „BIM Praxis“ angeboten. Oliver Wuttke (Geogroup) zeigte anhand aktueller Praxisbeispiele aus dem gesamten Bundesgebiet, wie sein Vermessungsunternehmen sich der BIM Herausforderung stellt. Jacqueline Eggert (ib Langenbach) rückte dann das Thema Infrastrukturplanung mit BIM in den Vordergrund und zeigte, wie sich das Informationsmanagement im Straßenplanungsprozess ändert und welche Rolle heterogene Geodaten dabei spielen.  Andreas Tigges (teamproject) wechselte die Perspektive: Er stellte einen Anforderungskatalog auf, wie er geodätische Leistungen als Projektsteurer einordnet und hob insbesondere die Notwendigkeit hervor, Bauwerksmodelle herstellerneutral auszutauschen. Dann zeigte Christoph Großmann (IPROconsult) wie in einem Generalplanungsunternehmen BIM-Prozesse eingeführt werden und erklärte, wie ältere erfahrene Mitarbeiter und junge „digital Natives“ gemeinsam den Migrationsprozess zu BIM gestalten.       

Nach den Diskussionen in der Mittagspause mussten sich die Teilnehmer wieder zwischen einem Zirkeltraining oder einem Seminar entscheiden. Im Zirkeltraining „Hersteller“ konnten die Messinstrumente- und Softwarehersteller zeigen, wie Punktwolken erfasst, ausgewertet und präsentiert werden. Die Unternehmen Leica, technet, Trimble, Faro und Laserscanning Europe präsentierten Ihre neusten Produkte und konnten diese mit dem sehr interessierten und sehr fachkundigen Publikum in Kleingruppen diskutieren.  

Im Seminar „Forschungsberichte“ wurden aktuelle, anwendungsbezogene Forschungsprojekte vorgestellt. Claus Nagel (Virtual City Systems) berichtet vom BMWI-Forschungsprojekt „CityBIM“, das Lösungen entwickelt, wie Stadt- und Bauwerksmodelle gemeinsam genutzt werden können. Intendiert ist ein „niedrigschwelliger“, webbasierter und praxisgerechter Zugang auf digitale Modelle der gebauten Umwelt und integrierte Analyseplattformen. Danach stellte Tim Kaiser (HTW Dresden) den Zwischenstand seiner Promotion vor, die Punktwolken aus photogrammetrischen Aufnahmen automatisiert in Bauwerksmodelle integriert. Sven Axt (map topomatik) zeigte Lösungen zum Einsatz von BIM in der Wohnungswirtschaft, die im BMWI-Forschungsprojekt IMMOMATIK entwickelt werden. Dazu passend zeigte im Anschluss Herr Raymond Wollenberg (RWTH Aachen) einen detaillierten Vergleich von Erfassungsmethoden für das Facility Management mit BIM. Zum Abschluss stellte Christian Clemen (HTW Dresden) die Ergebnisse des Dresdner „Kompetenzverbundes Digitaler Datenaustausch von Vermessungs-, Geo und Bauwerksmodellen (DD-BIM)“ vor.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine 30-minütige Feedbackrunde. Es zeigte sich, dass vor allem im Bereich „BIM für Infrastruktur“ und „Vereinheitlichung der BIM Anforderungen“ noch ein großer Informations- und Handlungsbedarf besteht.

Das diesjährige Seminar an der HTW Dresden wurde über das VDV Bildungswerk organisiert, im nächsten Jahr ist die Seminarreihe als DVW-Seminar des AK4 „Ingenieurgeodäsie“ an der TU Darmstadt geplant. Die Querschnittsaufgabe „BIM“ stellt für Seminarveranstalter eine besondere Herausforderung dar, weil der Begriff „BIM“ nicht einheitlich verstanden wird, es sehr unterschiedliche Berufserfahrungen, Erwartungen und auch berechtigte Skepsis gibt. Mit dem Veranstaltungsformat „Zirkeltraining“ wurde versucht dieser Diversität gerecht zu werden. Die ersten Rückmeldungen bestätigen uns, dass dies recht gut gelungen ist.