Didaktische Empfehlungen für die Lüftungspause

Didaktische Empfehlungen für die Lüftungspause

Didaktische Empfehlungen für die Lüftungspause

Im Wintersemester 2021/22 steht unsere Hochschule vor der Herausforderung, einerseits dem deutlichen Wunsch von Lehrenden und Studierenden nach möglichst vielen Präsenzveranstaltungen nachzukommen, dabei aber auch das COVID-19-Infektionsrisiko so weit wie möglich zu minimieren. Auf dieser Seite möchten wir Ihnen einige Möglichkei­ten aufzeigen, wie Sie die in dem Seminarräumen vorgeschriebenen Lüftungs­pausen auch didaktisch sinnvoll nutzen können.

Die HTW Dresden unternimmt zur Senkung des Infektionsrisikos eine Reihe von Maßnahmen, u.a.:

  • Verlegung von großen Vorlesungen in den virtuellen Raum
  • Angebot von Streaming- und Aufzeichnungsmöglichkeiten in großen Hörsälen
  • Zugang für Studierende nach der 3G-Regel (geimpft, genesen oder getestet)
  • In Hörsälen: Umstellung der vorhandenen Lüftungsanlagen auf Außenluft (Verzicht auf reine Luftumwälzung)
  • In Seminarräumen: Einbau von CO2-Messgeräten als optisches Signal zur Lüftungspause

Im Hörsaal: Fenster und Türen schließen

Die Hörsäle der HTW sind mit Lüftungsanlagen ausgestattet, welche je nach CO2-Belastung der Raumluft die Luft­wechselraten bedarfsgerecht anpassen. Eine Lüftung über die Fenster und Türen ist in unseren Hörsälen daher nicht notwendig und wirkt sich auf die thermische Behag­lichkeit kontraproduktiv aus.

Im Seminarraum: Stoßlüften

Für Räume ohne Lüftungsanlage empfiehlt das Umwelt­bundesamt regelmäßiges Stoßlüften als beste Möglich­keit, um das Infektionsrisiko in Lehrveranstaltungsräumen zu reduzieren (vgl. Umweltbundesamt 2021). Dabei soll­ten alle 20 Minuten für ca. fünf Minuten alle Fenster so weit wie möglich geöffnet werden, um die Luft im Raum vollständig auszutauschen. Wir möchten Sie daher bitten, bei Präsenzlehrveranstaltungen in Räumen ohne Lüftungsanlage regelmäßige Stoßlüftungspausen durchzuführen.

Effekte von Pausen in Lehrveranstaltungen

Empirische Studienergebnisse zeigen fast durchgängig einen Abfall der Aufmerksamkeit und Konzentration der Studierenden über die Dauer der Lehrveranstaltungszeit (vgl. Bradbury 2016).

Nach einer maximal 20-minütigen rezeptiven Phase sollte daher eine expressive Phase folgen, in der zum Beispiel kleine Auf­gaben oder Interaktionen in Einzel- oder Gruppenarbeit zur Verarbeitung und Wiederholung des Gelernten gestellt werden können (vgl. Döring 2008). Die empfohlenen Lüftungspausen können also ideal für kleine Lernaktivitäten und zur Aktivierung der Studierenden eingesetzt werden, da sie zudem signifikant positive Effekte sowohl auf die Wiederherstellung der Konzentration und Aufmerksamkeit (vgl. Gollner et al. 2018) als auch auf die Merkleistung der vermittel­ten Inhalte (vgl. Blasche 2019) haben.

Zudem hat das Lüften einen positiven Effekt auf die Konzentra­tion aller Beteiligten, da der Kohlenstoffdioxid-Gehalt im Raum reduziert wird (vgl. Landesunfallkasse Niedersachsen 2008). Nach den Lüftungspausen gibt es somit sowohl frische Luft im Seminarraum, als auch konzentrierte und aktivierte Studierende.

Didaktische Methoden rund um die Lüftungspause

Für den Einsatz in der Lehre gibt es zahlreiche aktivierende Methoden. Hier finden Sie eine Auswahl an Methoden, die Sie rund um die Lüftungspausen einsetzen können. Lassen Sie sich inspirieren!

Lassen Sie Ihre Studierenden kurz in schriftlicher Form innerhalb einer Minute zusammenfassen, was sie gelernt haben. Diese Methode können Sie mit konkreten Aufgaben, wie z.B. „Erklären Sie, wie xyz funktioniert!“ oder ganz allgemein unter der Frage „Was haben Sie in der Lehrveranstaltung gelernt?“ umsetzen. Auch noch offene Fragen können in einem One-Minute-Paper notiert werden. Die so erstellten Notizen können als Lernstandsfeedback für Sie und die Studierenden dienen.

Als Blitzlicht-Methode wird eine schnelle Feedback-Run­de zu einer klar vorgegebenen Frage zusammengefasst. So können Ihre Studierenden zum Beispiel in kurzen Sätzen ihre Meinung und Stimmung zu einem Thema mitteilen. Diese Methode können Sie auch sehr gut nutzen, um ein schnelles direktes Feedback zu Ihrer Lehrveranstaltung zu erhalten. In der Regel bleiben im Blitzlicht getätigte Aussagen unkommentiert stehen.

Die Think-Pair-Share-Methode fördert die aktive Beteiligung und die Argumentationsfähigkeiten der Studierenden. Sie besteht aus drei Phasen: Stellen Sie eine Frage oder Aufgabe, zu der die Studie­renden sich erst einmal alleine Gedanken machen sollen (Think). Danach tauschen sich die Studierenden gemein­sam mit ihren Banknachbar:innen über ihre Ideen aus (Pair). Zum Schluss werden die Lösungsideen im Plenum präsentiert (Share).

 

Geben Sie den Studierenden Zeit, um anonym ihre noch offenen Fragen loszuwerden. Sehr gut geeignet ist dafür die Chatwall von Tweedback. Hier können abgegebene Fragen auch kommentiert und gevotet werden.

Audience Response Systeme sind elektronische Abstimmsysteme, die Sie verwenden können, um zum Beispiel den Lernerfolg, Feedback oder Meinungsbil­der abzufragen. Nutzen Sie die Lüftungspause zum Beispiel für eine anonyme Umfrage zur Lehrervaluation oder für ein kurzes Lernstands-Quiz über Tweedback.

Bei der Methode Wortbild, die auch als Scrabble bezeichnet wird, geben Sie als Lehrperson einen zentralen Begriff vor. Die Studierenden erhalten nun die Aufgabe (gemeinsam oder als konkurrierende Teams) für jeden Buchstaben des vorgegebenen Begriffs einen weiteren thematisch passenden Begriff zu finden. Diese aktivierende Methode kann sowohl als Einstieg in ein neues Thema als auch zur Wiederholung des Lernstoffs eingesetzt werden.

Lassen Sie die Studierenden während der Lüftungspause einen kleinen "Spickzettel" schreiben, der die wichtigsten Inhalte des letzten Themas kurz zusammenfasst. Dadurch wiederholen die Studierenden nicht nur den zuvor behandelten Lernstoff, sondern müssen sich aktiv mit den wichtigsten Aspekten auseinandersetzen. Die so erstellten Notizen können auch sehr gut bei der Prüfungsvorbereitung zum Einsatz kommen.

Tipp: Geben Sie die maximale Größe des Spickzettels vor, um eine zusätzliche Herausforderung zu setzen.

Anstatt, wie in der vorher beschriebenen Methode, kleine "Spickzettel" erstellen zu lassen, können Sie die Studierenden sich auch über mögliche Prüfungsfragen Gedanken machen lassen. Diese Aufgabe führt ebenfalls zu einer Wiederholung der wichtigsten Aspekte des Lernstoffs und hinterfragt gleichzeitig das Verständnis. Als besondereren Ansporn könnten Sie den Studierenden anbieten, dass eine Auswahl geeigneter Prüfungsfragen auch für die Prüfung genutzt werden soll.

Tipp: Die so erstellten Prüfungsfragen können zum Beispiel in einem Forum in OPAL gesammelt werden.

Eine weitere gute Möglichkeit zur Vertiefung von Lernergebnissen ist die Erstellung einer Visualisierung. Das Erstellen von eigenen Visualisierungen wiederholt den Lernstoff und hilft dabei komplexe Zusammenhänge zu erkennen. Die Studierenden können hierfür alleine oder in kleinen Gruppen arbeiten.

Bitten Sie die Studierenden sich alleine oder in kleineren Gruppen zu einem zuvor behandelten Thema Anwendungsbeispiele aus der Wirtschaft, Wissenschaft oder dem Alltag zu überlegen. Die gesammelten Beispiele dienen dazu, den Studierenden die Relevanz des Themas zu verdeutlichen und können im Anschluss gemeinsam gesammelt und präsentiert werden.

Nutzen Sie die Lüftungspause - vor allem auch bei etwas kühleren Temperaturen - doch für eine kleine Bewegungs- und Fitnesseinheit. Damit fördern Sie nicht nur die Konzentration, sondern bringen auch Abwechslung in den Vorlesungsalltag.

Tool-Tipp: Tweedback

Allen Angehörigen der HTW Dresden steht das Abstimmungs­tool Tweedback mit einer Pro-Lizenz zur Verfügung. Das speziell auf den Einsatz in der Lehre und für Präsentationen ausge­richtete Tool bietet verschiedene Quizfunktionen, eine Chatwall sowie Live-Feedback.

Registrieren Sie sich mit Iher HTW-Mailadresse einfach unter https://tweedback.de/, um den vollständigen Funktionsumfang nutzen zu können.

 

Tipp: Pomodoro-Technik

In Anlehnung an die Pomodoro-Technik gab es auch schon in den vergangenen Semestern an der HTW Ansätze, Vorlesungen in mehrere Blöcke zu unterteilen und dadurch die Aufmerk­samkeit der Studierenden zu bündeln und Ablenkungen zu vermeiden (vgl. Baierl, 2019). Auch die Studierenden äußerten sich dazu sehr positiv in den Lehrevaluationen. Kommentar eines HTW-Studierenden: „Die Pomodoro-Pause ist meiner Meinung nach eine wirkliche Bereicherung! Das ist eine der wenigen Veranstaltungen, die ich durchgehend verfolge, auch wenn Ablenkung am PC nicht weit ist! Außerdem fühlt man sich nicht überladen an Informationen und kann zwischendurch kurz abschalten.“

Weiterführende Links

Kontakt

[Baierl 2019] Baierl, Ronny, 2019. Mit kürzeren Lehreinheiten gegen digitale Ablenkungen. In: Forschung & Lehre 9/19. Deutscher Hochschulverband. Bonn.

[Blasche 2019] Blasche, G. 2019, Erholung als Maßnahme der Prävention arbeitsbedingter Ermüdung. In: Psychologie in Österreich 1 & 2. S. 74-81. Wien: Berufsverband österreichischer PsychologInnen.

[Bradbury 2016] Bradbury, N., 2016. Attentionspan during lectures: 8 seconds, 10 minutes, or more? In: Advances in Physiology Education 40, S. 509-513. American Physiological Society. Chicago.

[Döring 2008] Döring, Klaus W., 2008. Handbuch Lehren und Trainieren in der Weiterbildung. Weinheim: Beltz.

[Gollner et al. 2018] Gollner, E. et al., 2018. Unterschiede in der Wirksamkeit von Kurzpausenaktivitäten im Vergleich von Bewegungspausen zu psychoregulativen Pausen bei kognitiver Belastung. In: Bewegungstherapie und Gesundheitssport, 2019, 35, S. 134-143. Stuttgart: Thieme.

[Landesunfallkasse Niedersachsen 2008] Landesunfallkasse Niedersachsen, 2008. Frische Luft für frisches Denken. Neue Unterrichtsqualität in unseren Klassenräumen. Wiesbaden: Universum-Verlag.

[Umweltbundesamt 2021] Umweltbundesamt, 2021. Richtig Lüften in Schulen. https://www.umweltbundesamt.de/richtig-lueften-in-schulen, abgerufen am 26.08.21.