
Fachexkursion Agrarwirtschaft 5. Semester
Die erste Station unserer Exkursion führte uns an das Bayerische Staatsgut Kitzingen mit dem Versuchs- und Bildungszentrum für Geflügelhaltung.
Dort erhielten wir einen umfassenden Einblick in unterschiedliche Haltungssysteme für Lege- und Masthühner sowie für Junghenne, Puten, Enten und Gänse.
Besichtigt wurden unter anderem eine Boden- und Volierenhaltung bei Legehennen sowie ein Mobilstallkonzept. In der Wassergeflügelhaltung konnten wir sowohl die Haltung auf Stroh als auch die Haltung auf Rosten vergleichen, wobei letztere insbesondere bei einem Wasserangebot über offene Tränken Vorteile hinsichtlich der Stallhygiene bieten kann. Darüber hinaus wurden uns in einem leerstehenden Maststall, der mit grüner, blauer, roter und weißer LED-Beleuchtung ausgestattet war, verschiedene Beleuchtungskonzepte für Masthühner fachlich erläutert und anschaulich demonstriert.
Ein besonderer fachlicher Mehrwert ergab sich durch den direkten Vergleich einer gemauserten Legehennenherde mit einer jüngeren, frisch eingestallten Herde. Ergänzend dazu konnten wir Verhaltensunterschiede zwischen braunen und weißen Junghennen beobachten, wobei erstere insgesamt deutlich agiler wirkten. Abgerundet wurde der Besuch durch die Vorstellung aktueller Versuche sowie einen Vortrag zur Leistungsprüfung bei Legehennen, die künftig bei den von uns besuchten Junghennen durchgeführt werden wird. Eine unabhängige Leistungsprüfung verschiedener Genetiken unter identischen Haltungsbedingungen stellt für landwirtschaftliche Betriebe eine wertvolle Entscheidungshilfe bei der Auswahl geeigneter Tiere dar.
Im Anschluss besuchten wir das Bayerische Staatsgut Schwarzenau mit dem Versuchs- und Bildungszentrum für Schweinehaltung. Hier durchliefen wir den vollständigen Produktionsweg der Schweinehaltung und konnten verschiedene Aufstallungsvarianten vergleichen.
Besonders hervorzuheben ist ein schweizerisches Abferkelsystem mit Strukturelementen der freien Abferkelung inklusive überdachtem Ferkelnest. Auch ein Maststall mit überdachtem Auslauf und integriertem Sonnenbrandschutz stieß auf großes Interesse, insbesondere im Hinblick auf unser Wahlpflichtfach zur extensiven Tierhaltung.
Zum Abschluss erhielten wir Einblick in eine neue Stallanlage, die sich aktuell noch im Bau befindet. Künftig sollen dort Zuchtleistungsprüfungen sowie Fütterungsversuche durchgeführt werden. Beeindruckend waren vor allem die automatischen, tierindividuellen Fütterungsstationen sowie das geplante kamerabasierte Monitoring zur wissenschaftlichen Datenauswertung.
Am zweiten Exkursionstag fuhren wir in die Fränkische Schweiz zu einem Demonstrationsbetrieb von Naturland, dem Naturlandhof Braun. Dort wurden wir herzlich willkommen geheißen und erhielten bei einem Rundgang über das Betriebsgelände umfassende Einblicke in die Bewirtschaftung des Hofes.
Der Naturlandhof Braun ist ein ökologisch wirtschaftender Naturland-Betrieb mit einem geräumigen Außenklimalaufstall für rund 80 Milchkühe (Fleckvieh) sowie etwa 75 Rinder. Ein zentrales Merkmal des Betriebes ist das Haltungskonzept der muttergebundenen Kälberaufzucht, bei dem die Kälber zunächst sechs bis acht Wochen bei der Mutterkuh verbleiben und anschließend für mindestens 16 Wochen in einer Ammenkuhhaltung weiter aufgezogen werden.
Der Betrieb wird als Milchviehbetrieb mit Fleckvieh geführt. Eine Besonderheit besteht darin, dass der Hof – zumindest in seinen Anfangsjahren – vollständig von einer einzelnen Person bewirtschaftet wurde. Herr Braun erachtet die Mutterkuhhaltung in diesem Zusammenhang als Arbeitserleichterung. Besonders interessant ist, dass die Zucht auf dem Betrieb vor allem am Verhalten der Kühe gegenüber dem Kalb sowie dem Menschen ausgerichtet ist. Durch das Trinken des Kalbes an der Mutterkuh ist die Erfassung der individuellen Milchleistung erschwert, sodass eine klassische Milchleistungsprüfung nur eingeschränkt möglich.
Die letzte Station unserer Exkursion führte uns ins Altenburger Land zur Straußenfarm Burkhardt. Dort erhielten wir fundierte Einblicke in die Lebensweise, Haltung und Zucht von Straußen. So wurde uns erläutert, dass den Tieren am Ende der Saison ein eigenes Bruterlebnis ermöglicht werden muss, da ohne dieses die Brutaktivität eingestellt wird. Darüber hinaus wurde uns das ausgeprägte Brut- und Sozialverhalten der Strauße erläutert. Jede Straußenhenne erkennt ihr eigenes Ei eindeutig. Innerhalb der Zuchtgruppe (in der Regel: 1 Hahn, 3 Hennen) nimmt die ranghöchste Henne eine besondere Stellung ein: Sie legt ihr Ei bevorzugt in die Mitte des Gemeinschaftsgeleges, da dort die klimatischen Bedingungen – insbesondere Temperatur- und Feuchtestabilität – am günstigsten sind. Rangniedrigere Hennen legen ihre Eier entsprechend eher im Randbereich des Nestes ab. Die Vermarktung erfolgt überwiegend direkt. In ansprechender Atmosphäre konnten wir Straußenfleisch verkosten und anschließend im Hofladen regionale Produkte erwerben.
Abschließend möchten wir ausdrücklich unseren Dank dafür aussprechen, dass wir die Bayerischen Staatsgüter besuchen durften. Angesichts des aktuell hohen Tierseuchendrucks ist dies keineswegs selbstverständlich. Insbesondere in Sachsen sind wir im Rahmen von Exkursionen aus nachvollziehbaren Gründen häufig auf verschlossene Türen gestoßen. Die Einhaltung aller Biosicherheitsmaßnahmen, insbesondere das Einduschen sowie die Verwendung von Einmalkleidung, stellte für uns eine selbstverständliche Voraussetzung für sämtliche Betriebsbesuche dar.

