Wissenschaftliche Praxis

Wissenschaftliche Praxis

Grundlage für jede Form der wissenschaftlichen Arbeit ist die Berücksichtigung der Guten Wissenschaftlichen Praxis im Sinne der DFG - unabhängig davon, wie die Ergebnisse veröffentlicht werden. Open Science bedeutet darüber hinaus den freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen und Methoden, Forschungsdaten, Lehr- und Lernmaterialien, quelloffenen Technologien (Soft- und Hardware) sowie Abläufen im Peer Review.

Regeln einer guten wissenschaftlichen Praxis

gezüchtete Pföanze in einer Petrischale wird von forschender Person in der Hand gehaltenZum Dokument (pdf)

Forschungsdaten managen an der HTW Dresden

Ein Stapel Würfel mit den Buchstaben "D", "A", "T" und "A" formen das Wort Data.
shutterstock/vinnstock
FDM

Open Access publizieren an der HTW Dresden

Türschild in einem Schaufenster mit der Aufschrift "Open"
shutterstock/pio3
OA

Schnelleinstieg zu Open Science

Bei Open Science geht es im Kern darum, die Glaubwürdig-keit und die Qualität in der Forschung in einem digital ver-netzten Zeitalter zu verbessern. Wichtigstes Instrument ist dabei Offenheit bzw. Transparenz. Zum einen werden For-schungsergebnisse und -methoden von der Ideenfindung bis hin zur Publikation umfassend und frei zugänglich offenge-legt, so dass andere Forschende diese überprüfen aber auch in der eigenen Forschung nachnutzen können. Zum anderen wird der so genannte „Elfenbeinturm“ verlassen und For-schung öffnet sich gegenüber gesellschaftlichen Akteuren wie Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Neben der gezielten Vermittlung von Forschungsergebnissen bedeutet diese Öffnung auch die aktive Einbindung dieser Akteure in Forschungsprozesse.
Open Science verfolgt somit etablierte Prinzipien guter wis-senschaftlicher Praxis und überträgt diese unter anderem auch mit Hilfe der Potenziale durch die Digitalisierung in die Gegenwart vernetzter Forschung. Dazu werden entspre-chende Infrastrukturen für wissenschaftliches Forschen, Lehren und Lernen, sowie den Transfer benötigt.

Quelle: Begleitheft zur Ausstellung „Open Up! Wie die  Digitalisierung die Wissenschaft verändert“ (Guido Scherp / ZBW)

Open Science dient als Sammelbegriff verschiedener Bewegungen. Die wichtigsten darunter sind:

  • Open Access: Wissenschaftliche Publikationen sind für alle kostenfrei zugänglich und liegen nicht hinter einer Bezahlschranke eines Verlags.
  • Open Data: Forschungsdaten werden nach offenen Prinzipien bereitgestellt und publiziert.
  • Open Educational Resources: Materialien in der Bildung und Lehre werden so zur Verfügung gestellt, dass Lehrende und  Lernende diese frei verwenden, bearbeiten und verbreiten  dürfen.
  • Open Methodology: Eingesetzte wissenschaftliche Methoden werden dokumentiert und veröffentlicht.
  • Open Peer Review: Die Abläufe im Peer Review, ein wesentliches Instrument wissenschaftlicher Begutachtung zur  Qualitätssicherung, sind nachvollziehbar und transparent.
  • Open Source: Es werden quelloffene Technologien (Soft- und Hardware) eingesetzt sowie eigene Entwicklungen auch als  Open Source für andere bereitgestellt.

Quelle: Begleitheft zur Ausstellung „Open Up! Wie die  Digitalisierung die Wissenschaft verändert“ (Guido Scherp / ZBW)

Open Science ermöglicht eine Effizienzsteigerung und bes-sere Qualitätssicherung in der Forschung. Insbesondere im Bereich der Forschungsdaten bleibt noch vieles verschlossen und ist somit nicht für andere zugänglich. Dadurch dass For-schungsdaten besser bereitgestellt und auffindbar sind, kön-nen sie vielfältiger nachgenutzt und eine doppelte Erhebung vermieden werden. Und je umfassender verwendete Daten, Software, Methoden usw. dokumentiert und veröffentlicht werden, desto besser können Forschungsergebnisse auch überprüft und reproduziert werden. Geschieht dies bereits bei Teilergebnissen oder sogar in der Planungsphase, so ist zudem eine frühzeitigere Qualitätssicherung möglich.
Die durch Open Science geschaffene Transparenz ermöglicht auch der Gesellschaft einen tieferen Einblick in die Wissen-schaft. Dadurch kann Vertrauen geschaffen und die Glaub-würdigkeit gestärkt werden. Derzeit werden zudem unter-schiedliche Modelle erprobt, gesellschaftliche Akteure aktiv in Forschungsprozesse einzubinden.

Quelle: Begleitheft zur Ausstellung „Open Up! Wie die  Digitalisierung die Wissenschaft verändert“ (Guido Scherp / ZBW)

Auch wenn Offenheit und Transparenz das zentrale Ziel von Open Science ist, so ist 100% „offen“ nicht immer umsetzbar. Manchmal gibt es gute Gründe für Geschlossenheit, was sich exemplarisch bei Forschungsdaten zeigt. Bei personenbe-zogenen Daten etwa aus der medizinischen Forschung geht der Datenschutz vor und entsprechende Daten können somit nicht einfach veröffentlicht werden. Die Einwilligung der betroffenen Personen vorausgesetzt, können aber geschützte Rahmenbedingungen für die Nutzung geschaffen werden. Beispielsweise wird der Zugriff auf bestimmte Gruppen ein-geschränkt und die Daten müssen in anonymisierter oder aggregierter Form vorliegen. In der Forschung mit Unter-nehmensdaten gibt es eine ähnliche Sensibilität zum Schutz geistigen Eigentums. Wichtig ist, dass die Existenz von Daten überhaupt erst einmal bekannt ist, ohne zwingend direkt ab-rufbar sein zu müssen.

Quelle: Begleitheft zur Ausstellung „Open Up! Wie die  Digitalisierung die Wissenschaft verändert“ (Guido Scherp / ZBW)

Open Science bedeutet einen grundlegenden Wandel des etablier-ten Wissenschaftssystems. Dazu ist eine gemeinsame Anstren-gung aller beteiligten Akteure notwendig. Verlage müssen neue Publikationsmodelle entwickeln, Infrastruktureinrichtungen entsprechende Arbeitsumgebungen schaffen, Forschende ihre Kriterien für wissenschaftliche Leistungen anpassen und die Wissenschaftspolitik muss entsprechende Rahmenbedingungen zur Entfaltung von Open Science schaffen. Dieser Wandel ist komplex und benötigt Zeit. Es hat einige Jahre gedauert, bis Open Access sich in der Breite etabliert hat. Open Data ist ein nächster Schritt, in dem derzeit intensiv am Aufbau entsprechender Infra-strukturen gearbeitet wird.
Eine wesentliche Herausforderung ist der kulturelle Wandel in einem auf Reputation ausgerichteten Wissenschaftssystem. Die zentrale Währung dort sind derzeit Zitationen vor allem von Publikationen. Im Kontext von Open Science muss die Messung und Anerkennung wissenschaftlicher Leistungen an das digitale Zeitalter angepasst werden, um somit Anreize für Forschende zu schaffen, offene Praktiken anzuwenden. Es wird beispiels-weise nicht erfasst, wie oft ein Forschungsdatensatz zitiert oder nachgenutzt wird. Aktivitäten in sozialen Medien werden auch nicht abgebildet, wenn Forschende über ihre Arbeit bloggen oder andere Plattformen zum Austausch nutzen und damit wichtigen Wissenstransfer betreiben, der zu den Kernaufgaben von Wissen-schaft zählt. Und letztlich ist Open Science noch zu wenig in der wissenschaftlichen Ausbildung verankert.

Quelle: Begleitheft zur Ausstellung „Open Up! Wie die  Digitalisierung die Wissenschaft verändert“ (Guido Scherp / ZBW)

Seit jeher ist es Grundprinzip wissenschaftlichen Arbeitens, dass Forschungsmethodik und Ergebnisse in einer über-prüfbaren Form veröffentlicht und diskutiert werden. Open Science überträgt dieses Prinzip in das digitale Zeitalter mit den entsprechenden Möglichkeiten aber auch Herausforde-rungen. Die Konzepte von Open Science existieren teilweise schon länger, aber erst durch die Bereitstellung entsprechen-der Infrastrukturen haben diese einen Schub bekommen. Der Beginn von Open Access liegt Anfang der 1990er Jahre, als mit arXiv erstmals ein Archiv geschaffen wurde, um so genannte Preprints (Vorabversion einer Publikation) aus der Physik öffentlich bereitzustellen. Fast 30 Jahre später ist Open Access in der Breite angekommen und hat grundlegen-de Auswirkungen auf das gesamte wissenschaftliche Ver-lags- und Publikationswesen. Die Konzepte von Open Data gehen sogar in die 1950er Jahre zurück, als über erste Daten-zentren der Austausch wissenschaftlicher Daten gefördert werden sollte. Diese Bewegung hat aber erst in den letzten Jahren bedeutend zugenommen.

Das Prinzip der Offenheit gibt es aber nicht nur in der Wis-senschaft bzw. ist dort entstanden. Open Educational Re-sources beispielsweise hängt mit der Open-Education-Bewe-gung zusammen, die sich für einen breiten gesellschaftlichen Zugang zu Bildung einsetzt. Open Source hat auch eine lange Tradition seit den 1960ern und wird auch als Wegbereiteter weiterer Bewegungen angesehen, die sich für  das Prinzip der Offenheit einsetzen.

Quelle: Begleitheft zur Ausstellung „Open Up! Wie die  Digitalisierung die Wissenschaft verändert“ (Guido Scherp / ZBW)


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