
Vom Versuchsfeld ins Glas: Die HTWD hat ihren eigenen Honig
Sechs Bienenvölker stehen am Rand der Obstanlage der HTWD in Pillnitz. Sie sammeln Nektar und Pollen auf dem Versuchsgelände und in der Umgebung. In diesem Jahr kamen 180 Kilogramm Honig zusammen. Das sind 360 Gläser mit je 500 Gramm.
Der Honig ist mehr als ein Nebenprodukt der Versuchsfelder. Der Bienenstand ist auch ein Lernort. Seit dem Sommersemester 2026 beschäftigen sich Studierende dort mit der Gesundheit von Bienenvölkern und insbesondere mit der Regulierung der Varroa-Milbe.
Zwischen Obstbäumen und Versuchsfeldern
Die Bienen stehen auf dem Versuchsgelände der HTWD in Pillnitz, dass sich die Hochschule mit dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und dem Julius Kühn-Institut (JKI) teilt. Ihre Beuten stehen am Rand der Obstanlage der HTWD, die auch für die Lehre genutzt wird.
Für die Bienen ist der Standort günstig. Im Frühjahr finden sie in den Obstgehölzen reichlich Nahrung. Auf ihren Flügen suchen sie Blüten in einem Umkreis von bis zu drei Kilometern. Neben den Obstbäumen gehören dazu unter anderem Sonnenblumen, Buchweizen, Erbsen, Ackerbohnen und Erdbeeren. Im Sommer liefern vor allem Bäume wie die Linde noch Nektar und Pollen. So verändert sich auch der Honig im Jahresverlauf: Im Frühjahr entsteht meist ein heller, fester Honig; im Sommer wird er eher dunkel und flüssig.
Die Bienen profitieren vom Blütenangebot, während sie beim Blütenbesuch die Obstbäume bestäuben.
Sechs Völker und ein Hobby mit Verantwortung
Betreut werden die Bienen von Dr. Guido Lux, Laboringenieur im Bereich Versuchswesen und Hobbyimker, der seit 12 Jahren Erfahrung mit den Tieren hat. Im Mittelpunkt der Arbeit steht für ihn nicht nur die Honigernte, sondern vor allem die Freude an der Arbeit mit den Bienen und die Vielfalt der Imkerei.
Lux hält derzeit sechs Völker der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) der Rasse „Carnica“. Bei der Auswahl und Haltung der Völker legt er besonderen Wert auf Sanftmütigkeit und Gesundheit. Denn ein Bienenvolk braucht Aufmerksamkeit. Zu den Krankheiten und Schädlingen, auf die Imker besonders achten müssen, gehören die Amerikanische Faulbrut und die Varroa-Milbe.
Wie viel Honig ein Volk produziert, lässt sich dabei nicht genau vorhersagen. Zwischen 20 und 50 Kilogramm sind pro Volk und Jahr möglich. Entscheidend sind die Genetik der Völker, das Blütenangebot und das Wetter. Lange Trockenperioden können das Nektarangebot der Pflanzen verringern. Auch Frost während der Obstblüte kann die Ernte beeinträchtigen.
In diesem Jahr waren die Bedingungen in Pillnitz günstig: Insgesamt erntete Guido Lux 180 Kilogramm Honig.
Vom Bienenstand ins Labor
Seit dem Sommersemester wird der Bienenstand auch in der Lehre im Masterstudiengang „Produktionsmanagement Agrarwirtschaft“ eingesetzt. Im Modul „Tiergesundheitsmanagement“ bei Professorin Nicola Hirsch beschäftigen sich die Studierenden mit der Regulierung der Varroa-Milbe bei Honigbienen.
Die Varroa-Milbe ist für die Imkerei eine besondere Herausforderung. Die meisten Bienenvölker in Deutschland müssen gegen den Parasiten behandelt werden. Dafür kommen biotechnische Maßnahmen und chemische Mittel zum Einsatz. Ohne eine ausreichende Regulierung kann ein Volk einen starken Befall langfristig nicht überleben. Eine Perspektive sind Bienen, die widerstandsfähiger gegen die Varroa-Milbe sind. An der Züchtung solcher Völker wird gearbeitet.
Die Studierenden lernen, wie ein Bienenvolk aufgebaut ist und wie die Völker im Jahresverlauf geführt werden. Sie erfahren mehr über die verschiedenen Möglichkeiten zur Regulierung der Varroa-Milbe und untersuchen diese im Labor.
Für die Studierenden wird damit unmittelbar sichtbar, was Tiergesundheitsmanagement in der Praxis bedeutet: Sie beobachten die Völker, lernen mögliche Probleme kennen und setzen sich mit Verfahren auseinander, mit denen die Gesundheit der Tiere erhalten werden kann.



