Porträt von Professorin Heßelbarth
HTWD/ Peter Sebb
Erstellt von Pressestelle |

Frauen in der Wissenschaft: Professorin Anja Heßelbarth

Anlässlich des Internationalen Tages der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft am 11. Februar starten wir mit einer Interviewserie, die das Engagement und die Leistungen wissenschaftlich tätiger Frauen an unserer Hochschule in den Fokus rückt. Im ersten Interview stellen wir Dr. Anja Heßelbarth vor, die im Oktober 2022 zur Professorin für Angewandte Geodäsie an die Fakultät Geoinformation berufen wurde.

Um was geht es in Ihrer wissenschaftlichen Arbeit und was hat Sie dazu motiviert, eine Karriere in der Wissenschaft zu verfolgen?

Nach meinem Studium der Geodäsie an der TU Dresden bot sich mir die Gelegenheit, an der TU Dresden am Geodätischen Institut als wissenschaftliche Mitarbeiterin zu arbeiten und zu promovieren. Besonders faszinierend an dieser Tätigkeit war für mich einerseits die Zusammenarbeit mit den Studierenden und natürlich die Forschung im Bereich der satellitengestützten Positionsbestimmung. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Straßennavigation von Fahrzeugen mittels Globaler Navigationssatellitensysteme (GNSS). Allerdings ist die Positionsbestimmung für Anwendungen im Bereich der Geodäsie und Vermessung deutlich genauer. Um Genauigkeiten im cm-Bereich oder besser zu erreichen, sind zusätzliche Informationen sowie Korrektionen und spezielle Algorithmen erforderlich. Diese vielen Jahre haben mich maßgeblich geprägt und meine Motivation, in der Wissenschaft tätig zu bleiben, gestärkt.

Während meiner Zeit beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) konnte ich durch intensive Projektarbeit meine Erfahrung in der Forschung im Bereich der satellitengestützten Positionierung mit praktischen Anwendungen stärker verbinden. Konkret ging es um die Entwicklung von Positionierungs- und Navigationsalgorithmen in der Binnenschifffahrt. Das Ziel war, zu jedem Zeitpunkt eine zuverlässige und cm-genaue Position eines Schiffes in Echtzeit bereitzustellen. Diese präzisen Positionsinformationen wurden beispielsweise für Assistenzfunktionen in der Schifffahrt genutzt, quasi als Vorstufe des autonomen Fahrens auf dem Wasserweg. Dabei wurde mir klar, dass die Entwicklungen von Algorithmen oder Produkten, die beispielsweise in Messkampagnen direkt in der Praxis eingesetzt werden, noch mal eine besondere Herausforderung darstellen. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Projektpartnern aus unterschiedlichen Fachrichtungen war ebenfalls eine wichtige Erfahrung, die meinen Horizont erweitert hat und mir ermöglichte, über den Tellerrand hinauszublicken.

Welchen Herausforderungen sind Sie insbesondere als Frau auf Ihrem Weg in der Wissenschaft begegnet?

Grundsätzlich stellen die alltäglichen Herausforderungen im Bereich der Wissenschaft, insbesondere während der Promotion, sicherlich eine Belastung dar. Oft ist es erforderlich, sich immer wieder neu zu motivieren, auch wenn der Fortschritt nicht immer den eigenen Erwartungen entspricht. Dabei darf man auch den Zeitdruck nicht außer Acht lassen, der häufig bei Projektabschlüssen, Veröffentlichungen oder der Vorbereitung von Konferenzvorträgen entsteht. In den Ingenieurwissenschaften ist es oft so, dass Frauen auf Konferenzen, Projekttreffen oder ähnlichen Veranstaltungen eher in der Minderheit sind. Das habe ich grundsätzlich nie als Problem empfunden und bis auf wenige Ausnahmen keine negativen Erlebnisse gehabt.

Welche Unterstützung hatten Sie auf dem Weg zur Professur?

Ich konnte mich während meiner Promotion auf die Unterstützung meines betreuenden Professors, meiner Kolleg*innen sowie meiner Freunde und Familie verlassen. Beim DLR wurden vermehrt Förderangebote sichtbar, wie zum Beispiel spezielle Netzwerke für Frauen in der Wissenschaft oder allgemeine Doktoranten-Programme, die Unterstützungen anbieten. Seit einigen Jahren existiert beispielsweise beim DLR das „DLR Woman Scientist“ Netzwerk. Auch an den Universitäten und Fachhochschulen hat sich in den letzten Jahren viel getan, um den weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchs zu stärken.

Wie erleben Sie die Themen Gleichstellung und Diversität in der wissenschaftlichen Gemeinschaft?

Von meiner Wahrnehmung her hat sich in den letzten Jahren viel Positives entwickelt. Es gibt deutlich mehr Förderprogramme als in den letzten 10 bis 15 Jahren. Trotzdem, wenn ich mir die Verteilung von Frauen und Männern unter den Studierenden im Bereich der Ingenieurwissenschaften anschaue, gibt es noch viel Raum für Verbesserungen.  

Welche Veränderungen oder Initiativen würden Sie sich wünschen, um die Gleichstellung in der Wissenschaft zu fördern?

Das bedeutet für mich, dass man mit entsprechenden Förderprogrammen bereits in jungen Jahren ansetzen muss, idealerweise schon in Schulen, um Mädchen gerade im Bereich der MINT-Fächer zu motivieren und zu stärken. Die Grundsteine werden allerdings im Elternhaus gelegt. Auch dort sollten die Interessen und Stärken des Kindes unabhängig von gängigen Klischees gefördert werden. Meine Eltern haben mich in Bezug auf meine Interessen, auch wenn sie nicht den typischen Vorstellungen für Mädchen entsprachen, immer unterstützt und ermutigt.

Welche Ratschläge würden Sie jungen Frauen geben, die eine Karriere in der Wissenschaft anstreben?

Geht Euren Weg und lasst Euch von niemandem beeinflussen oder gar abraten. Schaut nach Unterstützungsangeboten für Eure Ziele oder Ideen und lasst Euch beraten. Es ist auch sehr hilfreich, frühzeitig ein Netzwerk aufzubauen.

Erzählen Sie uns etwas über Ihre aktuellen Forschungsprojekte. Gibt es bestimmte Entwicklungen oder Fortschritte in Ihrem Fachgebiet, die Sie besonders faszinierend finden?

Aktuell fokussiere ich mich im Bereich der Positionierung und Navigation auf die Low-Cost GNSS-Sensorik und Untersuchung von neuen Korrekturdatenformaten, die für präzise Positionsbestimmungen erforderlich sind. Die Kombination dieser beiden Themen ist für gegenwärtige und zukünftige Anwendungen z.B. im Bereich des autonomen Fahrens, in der Landwirtschaft, für Monitoring und Überwachungsmessungen sowie im Bereich geografischer Informationssysteme von enormer Bedeutung.

Welche langfristigen Ziele haben Sie in Ihrer wissenschaftlichen Karriere?

Ich glaube, ich habe in meiner wissenschaftlichen Karriere bereits viel erreicht, weit mehr, als ich anfangs erwartet hatte. Mein Ziel ist es nun, meine Forschungsthemen weiter zu vertiefen und an konkreten Themenfeldern zu arbeiten, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit Partnern aus anderen Fachbereichen, um daraus konkrete Forschungsprojekte abzuleiten. Dabei möchte ich verstärkt die Studierenden einbeziehen und den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern, beispielsweise durch die Betreuung von Promotionen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Frauen in der Wissenschaft?

Ich hoffe natürlich, dass sich in Zukunft noch mehr Frauen für eine berufliche Tätigkeit in der Wissenschaft entscheiden. Neben der bereits erwähnten frühzeitigen schulischen Förderung von Mädchen ist auch eine familienbezogene Infrastruktur, wie zum Beispiel der Ausbau von Betreuungsangeboten für Kinder, erforderlich.

 

Über Prof. Dr. Anja Heßelbarth

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M.Sc. Miriam Walther

Referentin für Alumniarbeit

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