
Wasser für morgen: HTW Dresden baut Brücken zwischen Sachsen und Indien
Wie lässt sich Wasser in trockenen Regionen sichern und gleichzeitig die Landwirtschaft stärken? Die HTW Dresden entwickelt gemeinsam mit Partnern in Indien Lösungen für eine klimaresiliente Wasserwirtschaft. Im Fokus stehen naturnahe Verfahren zur Grundwasseranreicherung.
Naturnahe Lösungen gegen Wasserknappheit
Die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTWD) stärkt den Wissenstransfer mit Indien zu naturnahen Verfahren der Wasseraufbereitung. Gemeinsam mit indischen Partnern organisierte die HTWD im Februar und März 2026 vier Fachveranstaltungen in Roorkee und Guwahati. Im Mittelpunkt standen Verfahren zur Grundwasseranreicherung und zum Management von Wassereinzugsgebieten im sogenannten Water Food Nexus. Der Begriff beschreibt den engen Zusammenhang zwischen Wasserressourcen und Landwirtschaft. Ziel ist es, Wasser so zu bewirtschaften, dass Landwirtschaft, Ernährungssicherung und Umweltschutz langfristig gesichert werden.
Sinkende Grundwasserstände, versiegende Quellen und abnehmende Flussabflüsse verschärfen vielerorts die Wasserknappheit. Besonders betroffen sind aride und semiaride Regionen. Aride Gebiete sind dauerhaft trocken und erhalten nur sehr geringe Niederschläge. Semiaride Regionen verfügen zwar über mehr Regen, kämpfen jedoch regelmäßig mit Wasserknappheit und langen Trockenperioden. Hinzu kommen vielerorts hohe Wasserentnahmen für die landwirtschaftliche Bewässerung. An Bedeutung gewinnt deshalb die gezielte Grundwasseranreicherung, international als Managed Aquifer Recharge bezeichnet. Dabei werden Grundwasserleiter kontrolliert aufgefüllt und zugleich die Wasserqualität verbessert.
Internationale Lehre und Forschung in Roorkee
Vor diesem Hintergrund nahmen am Indian Institute of Technology Roorkee im Februar 41 Postgraduierte und Doktoranden an einem zweiwöchigen Fachkurs teil. Thema war die Grundwasseranreicherung und die Modellierung des Water Food Nexus. Organisiert wurde der Kurs von Prof. Hemant Kumar vom IIT Roorkee sowie Dr. Cornelius Sandhu und Prof. Thomas Grischek vom Lehrgebiet Wasserwesen der HTW Dresden. Der Kurs war Teil des Projekts „Integration von Managed Aquifer Recharge und Water Food Nexus in die Hochschulbildung“. Das GIANT SPARC Projekt wird vom Deutschen Akademischen Austauschdienst im Rahmen des GIANT Programms des Auswärtigen Amts sowie vom indischen Bildungsministerium über das SPARC Programm gefördert.
Beteiligt waren außerdem Fachleute der TU Dresden, der Universität Tübingen, des National Institute of Hydrology in Roorkee sowie des Wasserversorgers Uttarakhand Jal Sansthan. Höhepunkte des Programms waren eine Fachsession auf der „Roorkee Water Conclave 2026“, die Besichtigung einer Brunnenbaustelle am Ganges in Haridwar sowie ein Workshop zur Uferfiltratgewinnung für Ingenieure des indischen Wasserversorgers. Das Kursprogramm verband Vorlesungen, Übungen und praktische Labor und Feldarbeit. Themen waren unter anderem Hydraulik, Wasserqualität, Wasserhygiene, Standortuntersuchungen, Bewässerungssteuerung und numerische Modellierung.
Gemeinsame Perspektiven für eine klimaresiliente Wasserwirtschaft
Auch in Guwahati im Nordosten Indiens stand der internationale Austausch im Mittelpunkt. Dort kamen 71 Teilnehmende zum „Internationalen Seminar zu naturbasierten Lösungen: Stärkung von Forschung, Innovation und klimaresilienten Systemen“ zusammen. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Bineswar Brahma Engineering College in Kooperation mit der HTW Dresden und dem Directorate of Technical Education of Assam. Neben Hochschulen beteiligten sich auch Nichtregierungsorganisationen wie SELCO Foundation, PRASARI, Social Apha, Sustain Plus, Tata Trusts und KABIL. Sie präsentierten Projekte zu naturbasierten Lösungen für die Verbesserung der Lebensbedingungen im ländlichen Raum. Dr. Cornelius Sandhu zeigte Beispiele für die praxisnahe Integration von Managed Aquifer Recharge in die Hochschulausbildung und betonte die Bedeutung internationaler Kooperationen.
Die Teilnehmer unterzeichneten am Ende die „Guwahati Wassererklärung“. Ziel ist eine nachhaltige und klimaresiliente Wasserwirtschaft im Nordosten Indiens. Zu den vereinbarten Maßnahmen zählen die Förderung naturbasierter Lösungen, die Weiterentwicklung des Wassereinzugsgebietsmanagements, neue Forschungs- und Innovationspartnerschaften sowie eine stärkere Beteiligung lokaler Gemeinschaften an der Wasserbewirtschaftung.
Im September 2026 richtet die HTW Dresden die „7. Internationale Sommerschule zu Managed Aquifer Recharge – MARISS“ in Dresden aus. Im Februar 2027 folgt ein weiterer Workshop in Indien. Die Sommerschule steht Interessierten aus aller Welt offen.



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