Fakultät Design

Prof. Florian A. Schmidt

Professur Designkonzeption und Medientheorie

Dr. phil. Dipl.-Des. Florian A. Schmidt, geboren 1979 in Berlin, seit 2018 Professor für Designkonzeption und Medientheorie an der HTWD und seit 2024 Dekan der Fakultät Design.

Forschung

Seit 2006 untersuche ich die Entwicklungsgeschichte digitaler Entwurfswerkzeuge, Plattformen und Schnittstellen – ihre Verheißungen, Affordanzen, tatsächlichen Anwendungen, impliziten Annahmen, Enttäuschungen und Zweckentfremdungen. Dahinter steht ein anhaltendes Interesse an der politischen Dimension dieser interaktiven geteilten Artefakte, verstanden als Multi-Stakeholder-Tools.

Mir geht es darum, besser zu verstehen und sichtbar zu machen, wie sich Machtverhältnisse durch technologisch geprägte Designwerkzeuge und Plattformen verschieben, verfestigen und in ihrer Form zum Ausdruck kommen – wie Plattformen etwa zugleich technisch (per Interface) und juristisch (per Nutzungsbedingungen) steuern, wer was sehen und tun darf. 

Diese Frage hat über die Jahre wechselnde Gegenstände gefunden, ohne sich selbst zu ändern: das Design in virtuellen Welten (Parallel Realitäten, 2006), die verschwimmenden Grenzen zwischen Profis und Amateuren im frühen Social Web (Kritische Masse, 2010) und das Crowdsourcing im Design ( Promotion hierzu am Royal College of Art 2011–2015, erschienen als Crowd Design, 2017 bei Birkhäuser).

Daran anschließend die Auseinandersetzung mit der verborgenen menschlichen Arbeit hinter der Automatisierung, die Crowdproduktion von Trainingsdaten für autonome Fahrzeuge (Hans-Böckler-Stiftung, 2019; Digital Work in the Planetary Market, MIT Press, 2022). 


Aktuell richtet sich mein Interesse auf die Ästhetik und Ökonomie KI-gestützter Bildgeneratoren und Software-Tools, sowie die damit verbundene erneute Verschiebung der Produktionsbedingungen für Designer*innen. Und natürlich, was dies für die künftige Designlehre bedeutet.

In den letzten Jahren hat sich der Output meiner Forschung von akademischen Studien und Policy-Fachberichten hin zur Entwicklung und Erprobung neuer öffentlicher, spielerischer Formate entwickelt – eine Form, die besser mit der Lehre an einer angewandten Designfakultät kompatibel ist, und zugleich besser als experimenteller Zugang und Beitrag zum volatilen KI-Diskurs funktioniert.

Beispiele sind das Prompt Battle, 2022-24 (entwickelt mit Prof. Sebastian Schmieg und Studierenden der Fakultät Design), die Slop Night, sowie zuletzt im November 2025 das partizipative Lehrformat KI-Woche: Deep Fried Design. 

Ich bin überzeugt, dass sich neue Technologien, noch dazu neue Entwurfswerkzeuge, nur dann verstehen und kritisieren lassen, wenn man eigene praktische Erfahrungen mit ihnen sammelt und dann mit anderen Menschen darüber in den Diskurs geht. Irgendwann braucht es dann auch wieder die analytisch-distanzierte Draufsicht in Textform. Gestaltung verstehe ich jedenfalls nicht nur als Forschungsgegenstand, sondern als Methode der Erkenntnis.

Auffassung von Lehre

Im Mittelpunkt meiner Lehre steht die inhaltlich-konzeptionelle Dimension des Designs: die Auseinandersetzung mit der Botschaft eines Entwurfs und der eigenen Haltung dazu. Im Zeitalter generativer KI wird gestalterische Autor:innenschaft in meinen Augen immer wichtiger. Wenn sich Form automatisiert erzeugen lässt, ist es mehr denn je die Haltung hinter dem Entwurf, die einen Unterschied macht und der es lohnt, Aufmerksamkeit zu schenken, in einer Flut von Slop.

Das Medium, in dem die Studierenden ihre Stimme als Autor:innen erkunden können, ist dabei nicht festgelegt. An die Stelle des klassischen schriftlichen Essays ist in meinen Kursen zunehmend der Video-Essay getreten – eine Form, in der Studierende eine eigene These entwickeln, belegen und gestalterisch vertreten. Meine Erfahrung ist, dass dies zumindest bei Designstudierenden zu einer viel höheren Motivation führt. Mit dem Ziel, ein gestaltetes Medienprodukt für ein konkretes Publikum zu entwickeln und für das eigene Portfolio verwenden zu können, wird die erhebliche Mehrarbeit der Videoproduktion nicht als ein Hindernis empfunden.

Gut schreiben zu können bleibt eine wichtige Grundlage – um das eigene Denken zu strukturieren und andere zu überzeugen –, doch das Ziel ist die argumentative Autor:innenschaft, nicht die Schreibübung als Selbstzweck.

Gerade unter dem Eindruck generativer und zunehmend agentischer KI verstehe ich Lehre als gemeinsames Erproben, nicht als Weitergabe gesicherten Wissens über eine Technik, die sich so rasant entwickelt. Formate wie die KI-Woche Deep Fried Design und die Slop Night setzen auf Beteiligung statt Berieselung und auf lateralen Austausch zwischen Lehrenden und Studierenden: Nur wer selbst ausprobiert, versteht – und nur wer versteht, kann verantwortungsvoll gestalten.

Publikationen

Bücher und Studien

(Google Scholar; Research Gate)  

  • »The Planetary Stacking Order of Multilayered Crowd-AI Systems«, Buchkapitel in: Digital Work in the Planetary Market, Hrsg.: Mark Graham und Fabian Ferrari, MIT Press, 2022 (Open Access online)
  • »Crowdproduktion von Trainingsdaten«, Hrsg.: Hans-Böckler-Stiftung, 2019 (deutsch / condensed english version)
  • »Crowd Design: From Tools for Empowerment to Platform Capitalism«, Birkhäuser 2017 (Verlag)
  • »Der Job als Gig: Digital vermittelte Dienstleistungen in Berlin«, Hrsg.: ArbeitGestalten im Auftrag der Senatsverwaltung Berlin, 2017 (online)
  • »Arbeitsmärkte in der Plattformökonomie: Zu den Herausforderungen von Crowdwork und Gigwork«, Hrsg.: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2016 (online)
  • »Crowd Work: Zurück in die Zukunft«, Hrsg.: Christiane Benner, Bund-Verlag, 2014 (Verlag)
  • »The Good, the Bad and the Ugly: Why Crowdsourcing Needs Ethics«, International Conference on CrowdWork and Social Computing, Universität Karlsruhe, 2013 (PDF)
  • »For a Few Dollars More: Class Action Against Crowdsourcing«, Digital Aesthetics Research Center, Aarhus, 2013, ausgezeichnet mit dem Core77 Design Award for Writing & Commentary (Journal)
  • »Gamer als Designer: Nutzergenerierte Inhalte in Computerspielen« Informatik Spektrum, Springer Science+Business Media, 2010 (PDF)
  • »Kritische Masse: Von Profis und Amateuren im Design«, form + zweck, 2010 (Verlag)
  • »Volkssport Design: Nachspiel«, Tagungsband, 2010
  • »Parallel Realitäten«, Niggli, 2006, Gewinner: Braun-Feldweg Förderpreis für designkritische Texte

Chefredaktion Magazin »agenda design«

  • #5 Antrieb (Herbst 2017); Leitartikel: »Formen der Autonomie«, über das Selbstfahrende Auto als Designproblem
  • #4 Experimente (Frühling 2017), Leitartikel: »Speculative Design«, über die Zukunft als Gedankenexperiment
  • #3 Identität (Herbst 2016), Leitartikel: »Einzigartigkeit am Fließband«, über Crowdsourcing als Quelle von Wegwerfidentitäten
  • #2 Grenzen (Frühling 2016), Leitartikel: »#Neuland«, über die Ethik und Ästhetik des Phänomens »Seasteading«
  • #1 Sichtbarkeit (Herbst 2015), Leitartikel: »Ich sehe was, das Du nicht siehst«, über Plakate mit Gesichtserkennung

Journalistische Texte, Essays, Interviews (Auswahl)

  • »Unevenly Distributed«, Essay zur Produktion von Trainingsdaten, im Buch: A Cat, A Dog, A Microwave: Cultural Practices and Politics of Image Datasets, The Photographers' Gallery, London, 2023 (online)
  • »Uncanny Home Working«, Essay zusammen mit Sebastian Schmieg, im Buch How do we want to work together (…), Sternberg Press, 2023
  • »Programme mit Bewusstsein sind Fiktion«, Interview mit Dr. Ralf Herbrich, Director of Machine Learning bei Amazon; t3n #54, 2018 (online)
  • »Aus Darwins Sicht sind wir Pfauen«, Interview mit Prof. Dr. Hartmut Böhme; designreport 2/2018
  • »Hardware is Hard«, Doppelinterview mit Kickstarter & Lofelt zu neuen Geschäftsmodellen für Designer, designreport 5/2017
  • »Gehirne in die Cloud laden? Absurd!«, Interview mit KI-Forscher Raul Rojas, t3n #46, 2015 (online)
  • »Dieser Mann will Facebook zerschlagen«,Interview mit Jaron Lanier, t3n #45, 2016 (online)
  • »Wie Büroarchitektur Innovation fördert«, t3n #42, 2015 (online)
  • »Die Revolution wird nicht 3D gedruckt«, über die Politik der Maker-Szene, Deutsche Gesellschaft für Designtheorie und Forschung, 2013
  • »Futuristische Pixelnostalgie: Die Gestaltung des Morgens am Beispiel der New Aesthetic«, FROH!, #9, 2012
  • »Monster Soup: Making the Invisible Visible«, Unmaking Things, Blog des Victoria & Albert Museum, 2011, lobende Erwähnung: Core77 Design Award for Writing & Commentary
  • »Quirky: Gestaltung durch die Massen«, bauhaus, #3, 2012
  • »London Calling: Experiment mit Tradition«, designreport 2/2012
  • »Volkssport Design: live and let live?«, eye, #74, 2009
  • »Semantische Tektonik«, Reinventing the Virtual City, Arch+, 2009
  • »Web der Extreme: Flickering vs. Frugal«, form, #227, 2009
  • »Design in Second Life«, form, #215, 2007

aktuellere Vorträge, Auswahl

Prof. Dr. phil. Florian Alexander Schmidt

Dekan

Stellvertretender Prüfungsausschussvorsitzender

Sprechzeiten:
Mittwochs
10 Uhr bis 12:30 Uhr

oder nach Vereinbarung

Prof. Dr. phil. Florian Alexander Schmidt

Studierendenarbeiten: Videoessays Medienkritik

Thoughts on Cottage Core

Videoessay von Héléa Kuschnig und Klara Wernitz | Medienkritik 2024

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Thoughts on Cottage Core: Die Wurzeln eines oberflächlichen Idylls

Tradwives

Videoessay von Jil Mathiebe und Elsa Recklies | Medienkritik | 2024

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Tradwives: Ein Rebranding traditioneller Rollenbilder

Halt dich an mir fest

Luise Klama & Severin Göbel Groß | 2023

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Halt Dich an mir fest: Vom Greifen & Begreifen

Module

  • Pflichtmodul im Studiengang D83 - Design: Produkt und Kommunikation
    im 1. Semester
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  • Wahlpflichtmodul im Studiengang D83 - Design: Produkt und Kommunikation
    im 3. Semester
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  • Pflichtmodul im Studiengang D83 - Design: Produkt und Kommunikation
    im 4. Semester
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  • Wahlpflichtmodul im Studiengang D83 - Design: Produkt und Kommunikation
    im 4. Semester
  • Wahlpflichtmodul im Studiengang D83 - Design: Produkt und Kommunikation
    im 6. Semester
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  • Pflichtmodul im Studiengang D84 - Design: Products and Interactions
    im 2. Semester
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  • Pflichtmodul im Studiengang D84 - Design: Products and Interactions
    im 2. Semester
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