Lehrpreis

Lehrpreis
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Preis für gute Lehre

An der HTW Dresden wird jährlich der Preis für gute Lehre vom Rektorat verliehen. Der Preis würdigt besonderes Engagement in der Lehre, bei der Betreuung von Abschlussarbeiten und bei der Lernbegleitung Studierender und stellt gleichzeitig die enorme Bedeutung der Lehre für die HTW Dresden heraus. Die Höhe des Preisgeldes beträgt 1.000 €.

Gute Lehre an der HTW Dresden:

  • ist an den Lehrzielen orientiert und auf den Kompetenzaufbau bei den Studierenden fokussiert (Constructive Alignment)
  • berücksichtigt die individuellen Voraussetzungen der Lernenden (Diversität)
  • orientiert sich an den Anforderungen des angestrebten Berufsbildes und ermöglicht unterschiedliche Karrierewege
  • fördert die Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden und die Befähigung zu gesellschaftlichem Engagement
  • entwickelt sich anhand von Erkenntnissen aus Hochschuldidaktik und anhand der Rückmeldungen von Studierenden, Absolventen und aus kollegialen Beratungen weiter

Prof. Dr. rer. pol. Ralph Sonntag

Prorektor für Lehre und Studium

Prof. Dr. rer. pol. Ralph Sonntag

Bisherige Lehrpreisträger

Professorin Anne-Katrin Haubold lässt die Studierenden den Lehrstoff eigenständig anhand von Anwendungsfällen aus der Unternehmenspraxis erarbeiten. Dafür erhält sie den „Preis für gute Lehre“.

Dr. Anne-Katrin Haubold ist seit neun Jahren Professorin für Personalmanagement an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der HTW Dresden. In ihrer Lehre hat sie häufig die Erfahrung gemacht, dass sich Lehrende und Lernende aus verschiedenen Perspektiven den Lernzielen näheren: Während Lehrende in erster Linie an die Vermittlung der Fachinhalte denken, steht für die Studierenden häufig die Prüfungsleistung im Vordergrund. „Lehrende werden so in die Rolle des dauerredenden Alleinunterhalters gedrängt und die Lernenden eignen sich ihr Wissen lediglich unter dem Gesichtspunkt der Klausurrelevanz an, lernen also fast ausschließlich für den Tag der Klausur“, so Anne-Katrin Haubold. Die ehemalige Personalerin, die auch einige  Jahre in einer Unternehmensberatung gearbeitet hat, suchte nach einem Weg, Lernziele, Lehr-/Lernaktivitäten und Prüfungen so aufeinander abzustimmen, dass am Ende beide Seiten ihre Ziele erreichen und Wissen nachhaltig vermittelt wird.

Dafür bedient sich die Professorin des „Flipped Classroom“. Die Methode sieht vor, dass die Studierenden die theoretischen Lehrinhalte stärker eigenständig erarbeiten und die Präsenzlehre für die vertiefte Auseinandersetzung mit den Anwendungsaspekten genutzt wird. In ihren Lehrveranstaltungen nutzt Anne-Katrin Haubold unterschiedliche Lehr-Lernkonstellationen: Immer ausgehend von inhaltlichen Impulsvorträgen durch die Lehrende vertiefen die Studierenden die Thematik, indem sie in Kleingruppen oder Tandems in die Rolle von fiktiven Personalmanagern schlüpfen und entsprechende Praxisprobleme lösen, oder indem sie die praktischen Implikationen von empirischen Studien zur besprochenen Thematik diskutieren.  „Insbesondere bei heterogenen Studierendengruppen ist dieses Vorgehen sinnvoll – durch die erforderliche Mitarbeit jeder und jedes einzelnen Studierenden erkenne ich schneller, bei wem es noch Verständnisdefizite gibt. Außerdem kommt gerade dann, wenn deutsche und internationale Studierende in Kleingruppen zusammenarbeiten, häufig ein interessanter Austausch zustande darüber, wie unterschiedlich die Herangehensweise an Personalprobleme in verschiedenen Kulturen sein kann.“, so die Beobachtung der Professorin.

Von den Studierenden verlangt dieser Lehransatz höhere Eigenverantwortung und intensivere Mitarbeit während des Semesters. Dafür profitieren sie von interessanten Lehrformaten, der Zusammenarbeit in internationalen oder hochschulübergreifenden Studierenden-Gruppen, der Entzerrung der Prüfungszeiten sowie der Möglichkeit eines zeitnahen Feedbacks zu ihren Leistungen. Anne-Katrin Haubold ist es wichtig zu betonen, dass die Lehrformate noch nicht zu Ende entwickelt sind: „Es gibt noch sehr viele Aspekte im didaktischen Herangehen, die verbessert werden müssen oder können. Aber ich habe ja auch noch einige Jahre als Professorin vor mir.“

 

Anne-Katrin Haubold
HTW Dresden/Peter Sebb

Die diesjährige Preisträgerin Rhena Krawietz lehrt seit 2001 als Professorin für Technische Physik in den Fakultäten Maschinenbau, Bauingenieurwesen und Landbau/Umwelt/Chemie. Dementsprechend weit gefächert ist ihr fachliches Spektrum, das von den Grundlagen der Physik über Bauphysik bis hin zur Nanophysik reicht. Ihre hervorragenden Evaluationsergebnisse zeigen, dass es ihr gelingt, nicht nur Fachkenntnisse zu vermitteln, sondern die Studierenden aktiv mitzunehmen. Dazu nutzt die Professorin spezielle Arbeitsmaterialien und Lehrmethoden. So setzt sie zum Beispiel ein selbstentwickeltes Lehrbuch ein und gibt ihre Skripte als Lückentexte aus.

„Rhena Krawietz schafft es in besonderem Maße, die Lernziele ihrer Lehrveranstaltungen zu formulieren und die Studierenden beim selbstständigen Lernen und Üben zu unterstützen.“, heißt es in der Begründung der Jury. Der Prorektor für Lehre und Studium, Professor Ralph Sonntag, unterstreicht diese: „Die Methodik in der Wissenschaft ist die Didaktik für die Lehre. Rhena Krawietz zeigt, wie gut Lehre ist, wenn die Lehrenden die Perspektive der Studierenden für die Wissens- und Kompetenzvermittlung einnehmen.“

„Gute Lehre bedeutet für mich, wenn am Ende der Lehrveranstaltung eine Erkenntnis oder ein eigenes Erfolgserlebnis steht und der Weg bis dahin spannend und interessant war. Dabei motiviert mich das Vertrauen, das die Studierenden in mich setzen, aber auch die eigene Freude am Lernen, die ich teilen möchte.“, sagt Rhena Krawietz.

Sonderpreis für besonderes Engagement in der Lehre

Den Sonderpreis für besonderes Engagement in der Lehre erhält Matthias Heisig. Heisig ist seit 46 Jahren im Fachbereich Physik an der HTW Dresden tätig. Hier unterstützt er die Vorlesungen für Physik mit seinen anschaulichen und anekdotenreichen Experimenten. „Wir lernen nicht Fakten, sondern Geschichten und Zusammenhänge. Genau damit begeistert Matthias Heisig seine Zuhörer. Mit seinen Geschichten vermittelt er physikalisches Grundwissen – lebendig und nachhaltig.“, begründet Ralph Sonntag die Auszeichnung.

Heisig/Krawietz
HTW Dresden/P. Sebb

Christoph Mayer, Professor für Betriebswirtschaftslehre / Investition und Finanzierung an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften, überzeugte die Jury mit seiner Vielfalt an unterschiedlichen Lehrmethoden, die von der klassischen Tafelarbeit, über computergestützte Fallstudien bis hin zu selbstorganisierten Projekten reichen. Dabei setzt Prof. Mayer interaktive Lernwerkzeuge ein. Hierzu zählt zum Beispiel ein von den Studierenden über Smartphone nutzbares Audience Responce System (ARS), welches ein Live-Feedback ermöglicht und so in Vorlesungen die Interaktion zwischen ihm als Lehrenden und den Studierenden fördert. Auch softwarebasierte Lernspiele, sogenannte „Serious Games“, sind für ihn ein wichtiges Instrument zur Kompetenzvermittlung. So erarbeitet er beispielsweise eine interaktive Börsenhandelssimulation, mit der die Studierenden auf einem virtuellen Markt die Zusammenhänge der Preisbildung an Börsen erleben und mitgestalten können.

Lehrender, Lernbegleiter und Coach

Prof. Mayer versteht seine Rolle nicht nur als Vermittler von Wissen, vielmehr sieht er sich als Unterstützer im gesamten Lernprozess: „Vom Lehrenden zum Lernbegleiter und Coach“, beschreibt er seine Aufgabe. So nimmt er seine Rolle als Lehrender beispielsweise bei Fallstudien am Computer bewusst zurück und agiert als Unterstützer für die Studierenden auf dem Weg zur Lösungsfindung. Sein bedarfsorientiertes Angebot von Web-Sprechstunden wird insbesondere von Studierenden während des Praktikums bzw. Auslandsstudiums wahrgenommen.

Die Verknüpfung von Lehre und Forschung ist dem Wirtschaftswissenschaftler ebenso wichtig. Über Projektarbeiten bindet er die Studierenden aktiv in laufende Forschungsprojekte ein. Zudem lässt er ausgewählte Aspekte des Projektablaufs sowie Forschungsergebnisse in seine Lehrveranstaltungen einfließen.

„Seine Flexibilität beweist er jedoch nicht nur in der Lehre, sondern auch in der Anwendung unterschiedlicher Prüfungsformate“, heißt es in der Begründung der Jury. Abgestimmt auf die Anforderungen und Ziele des jeweiligen Moduls prüft Prof. Mayer das Wissen im Rahmen von schriftlichen Arbeiten, mündlichen Prüfungen bis hin zu selbstständig umzusetzenden Computerprojekten.

„Studierende schätzen es sehr, wenn Lehrende etwas Neues ausprobieren“, so der Prorektor für Lehre und Studium, Prof. Ralph Sonntag in seiner Laudatio zum Preis. Darüber hinaus helfe eine große Bandbreite didaktischer Instrumente und Methoden dabei, Fachwissen spannend zu vermitteln und die Studierenden mit ihren unterschiedlichen Lernbedarfen zu fördern.

Christoph Mayer
HTW Dresden/P. Sebb

Professor Reinhold Rennekamp trägt seit 2002 die Verantwortung für die physikalische Grundlagenausbildung in den Studiengängen der Fakultäten Maschinenbau und Elektrotechnik und unterrichtet im Masterstudiengang Chemieingenieurwesen das Modul „Mikroskopie und Mikrobereichsanalyse“.

Den Lehrpreis erhält Prof. Rennekamp für den vielfältigen Einsatz unterschiedlicher Medien in seinen Lehrveranstaltungen. Während er zur Ableitung physikalischer Zusammenhänge ganz klassisch Tafel und Kreide einsetzt, nutzt er für die Veranschaulichung der Inhalte Power-Point-Folien, Experimente, Simulationen und Videos. In den ergänzenden Praktika werden die Inhalte selbstständig und in kleinen Gruppen zu je zwei Studierenden vertieft. „Meine eigene Begeisterung für das Fach Physik möchte ich in die Vorlesungen einbringen und auf die Studierenden übertragen.“, sagt Prof. Rennekamp. Dass ihm das offenbar gut gelingt, bestätigen die hervorragenden Evaluationsergebnisse der Studierenden.

Darüber hinaus profitieren die Studierenden von den guten Praxiskontakten des Professors, der vor seiner Berufung viele Jahre am Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden (IWF) und als Entwicklungsingenieur bei Infineon Technologies gearbeitet hat. Zahlreiche Abschlussarbeiten konnte Prof. Rennekamp bereits vermitteln.

Prof. Reinhold Rennekamp
HTW Dresden/P. Sebb
Prof. Reinhold Rennekamp (Mitte) erhält den „Preis für gute Lehre“ 2016 der HTW Dresden. Überreicht wurde der Preis vom Rektor, Prof. Roland Stenzel (li) und dem Prorektor für Lehre und Studium, Prof. Ralph Sonntag (re).

Mit dem Preis würdigt die HTW Dresden herausragendes Engagement in der Lehre. Ziel des Preises ist es, die Lehre als wichtigen Kernbereich der Hochschule stärker sichtbar zu machen und innovative Lehrformen und -formate zu fördern.

Gunther Naumann, Professor für Messtechnik und Maschinenlabor an der Fakultät Maschinenbau wurde für sein ganzheitliches Lehrkonzept ausgezeichnet. So verknüpft er seine Vorlesungen „Messtechnik und Maschinenlabor“, „Computermesstechnik“ und „Grundlagen der Messtechnik“ aktiv mit praktischen Laborversuchen. „Im Praktikum wird spezielles Fachwissen vermittelt und direkt im Anschluss mit zwei bis drei kleinen Versuchen in Gruppen für maximal fünf Studenten vertieft.“, beschreibt Gunther Naumann sein Konzept. „Neben der fachlichen Ausbildung sind die Studierenden darin gefordert, sich selbst in den Versuchen innerhalb eines Teams zu organisieren.“ Besonders interessierte Studierende können sich eine Hardwareplattform für PC-Messungen oder andere Messgeräte auch ausleihen, um Messaufgaben zu Hause weiterführen zu können.

Viele Grundlagenversuche sind mit selbst entwickelten LabView-Programmen ausgerüstet, die bisher bereitgestellt gestellt werden. Zukünftig wünscht sich Gunther Naumann, dass die Studierenden diese Programme mit ihrem Wissen aus der Vorlesung „Computermesstechnik“ zum Teil selbst erstellen und an den Versuchsmaschinen im Praktikum austesten.

Besonders liegt Gunther Naumann die Qualifizierung des Ingenieurnachwuchses am Herzen. In einem Forschungsprojekt zum Thema „Piezofaserkomposite“ haben mehrere Absolventen der HTW Dresden mitgewirkt. Neben einer Masterarbeit und drei Diplomarbeiten sind auch zwei Promotionsverfahren aus diesem Projekt hervorgegangen.

Das Preisgeld von 1.000 Euro möchte Gunther Naumann zum einen in die Weiterentwicklung seiner Lehre investieren, den anderen Teil wird er an „Dresden-Plauen Miteinander“ spenden. Der Verein koordiniert Hilfs- und Unterstützungsangebote aus der Bevölkerung und informiert über die Flüchtlingsthematik.

Gunther Naumann
HTW Dresden/P. Sebb