Bioakustisches Monitoring Kleineulen (Raufußkauz & Sperlingskauz)
PAM
Nächtlich aktive Vögel sind schwierig nachzuweisen, weil Vogelkartierer oft nur tagsüber unterwegs sind. Außerdem sind sie nachts nur mit viel Aufwand visuell erfassbar und ihre arttypischen Lautäußerungen werden nur in kurzen Zeitfenstern geäußert. So kann man die typischen Balzrufreihen des Sperlingskauzes meist nur während der morgendlichen und abendlichen Dämmerungsphasen erfassen. Daher wird diese Art mutmaßlich oft übersehen.
Schon seit 2020 untersuchen wir daher in unserer Arbeitsgruppe Bioakustik, wie man Passives Akustisches Monitoring (PAM) am besten als Unterstützung für das naturschutzfachliche Monitoring von Eulen einsetzen kann. Zielarten sind u.a. die Kleineulen Sperlingskauz und Raufußkauz sowie der Waldkauz.
Dabei wird versucht, die o.g. Schwierigkeiten bei der Erfassung durch ein passives akustisches Monitoring mit Audio-Rekordern zu überwinden. Auch kann man so die Nachteile der Verwendung von Klangattrappen zur Erfassung von Eulen vermeiden. Klangattrappen können zu unnatürlichem Verhalten oder Lautäußerungen führen und sie erzeugen bei den beschallten Individuen zusätzlichen Stress. Sie führen auch zu erhöhtem Prädationsrisiko durch das Anlocken des Waldkauzes. Auch die Standardisierung von Klangattrappeneinsatz ist komplex, da viele Ornithologen unterschiedliche Lock-Rufe und unterschiedliche Lautsprecher einsetzen. Daher empfiehlt die neueste Ausgabe der ornithologischen Methodenstandards den weitestgehenden Verzicht der Nutzung von Klangattrappen für Kleineulen (Südbeck et al. 2025).
In unseren Untersuchungen setzen wir ausschließlich Passives Akustisches Monitoring ein, da es spontane, nicht provozierte Lautäußerungen aufnimmt und zeitlich unabhängig vom Wetter oder den Exkursionszeiten eines Bearbeiters funktioniert. Das führt zu einem besseren Verständnis des natürlichen Verhaltens der Arten.
Wir entwickeln dabei Empfehlungen für den (zusätzlichen) Einsatz von Passivem Akustischen Monitoring zum Nachweis und zur Abschätzung von Reviergrößen von nächtlich aktiven Vogelarten.
Kleineulen
Unser Fokus liegt auf der Untersuchung des Sperlingskauzes, bei aktuellem Vorkommen des Raufußkauzes wird auch diese Art mit untersucht. Beide Arten haben zwei saisonale Aktivitäts-Schwerpunkte bei ihren Lautäußerungen: die Frühjahrsbalz und die Herbstbalz.
Die Herbstbalz (Ende August bis Anfang November) dient dem Kennenlernen neuer Paare, der Verteidigung von besetzten Revieren (Balzrufreihen) und der Neubesetzung von Revieren durch diesjährige Individuen (Tonleitern). Die akustische Aktivität ist im Herbst meist höher und dauert länger als bei der Frühjahrsbalz. Das macht die Herbstbalz für das akustische Monitoring bedeutsam.
Der Schwerpunkt der Frühjahrsbalz liegt bei beiden Arten zwischen Mitte Februar und Ende März. Tageszeitlich hat der Sperlingskauz einen Schwerpunkt der akustischen Aktivität zur Morgendämmerung und Abenddämmerung. Unsere Untersuchungen deuten darauf hin, dass zumindest im Herbst die morgendliche Rufaktivität weitaus ausgeprägter ist als die abendliche.
Der Sperlingskauz hat ein erstaunlich breites Spektrum an sehr verschiedenen Lautäußerungen. Eine Zusammenfassung der spezifischen Lautäußerungen mit Rufbeispielen und der biologischen Bedeutung findet man hier:
Forschungsfragen
- Wieviele Rekorder benötigt man, um Kleineulen sicher nachzuweisen ?
- Wie lange müssen die Rekorder im Gelände sein, um Kleineulen sicher nachzuweisen ?
- Welche Rekordertypen / Befestigungsarten / Akkutypen / Wetterschutzgehäuse sind geeignet für den Einsatz im kalten und regnerischen Spätwinter/Vorfrühling ?
- Welche nächtlichen Zeitfenster eignen sich am besten, um die Arten sicher nachzuweisen ?
- Welche akustischen Nachweise eignen sich, um einen Brutverdacht zu dokumentieren ?
- Sind akustische Herbstnachweise geeignet, um Brutverdacht zu dokumentieren ?
- Wie kombiniert man Herbst- und Frühjahrsbalznachweise am günstigsten, um die Reviere möglichst gut zu dokumentieren ?
- Wie kann man individuelle Rufer akustisch unterscheiden ? Wie ermittelt man daraus die Anzahl der Brutpaare ?
- Wie kann man die Auswertung der Aufnahmen bestmöglich effizient gestalten, z.B. mit KI-Einsatz von BirdNET-Klassifizierern ?
- Kann man die Auswertungsqualität (Sensitivität und Spezifität) der Klassifizierer durch transfer learning verbessern ? Ist dann evtl. eine stärkere Automatisierung möglich ?
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Literatur
Literaturliste zum Sperlingskauz in OPAL (HTW-intern)
Dziock, F. - DD4WH (2024): Eurasian Pygmy Owl Glaucidium passerinum sound types - xenocanto article 277
Fabian, K. & J. Schimkat (2009): Die Entdeckung des Sperlingskauzes in der Dresdner Heide. - Actitis 44: 67-72.
Fabian, K. (2010): Erstnachweis einer Brut des Rauhfußkauzes in der Dresdner Heide. - Actitis 45: 25-36.
Knoll, A. & K. Fabian (2010): Der Sperlingskauz Glaucidium passerinum in der Dresdner Heide. - Mitteilungen des Vereins Sächsischer Ornithologen 10: 273-280.
Scherzinger, W. (1970): Zum Aktionssystem des Sperlingskauzes (Glaucidium passerinum, L.). - Zoologica 41(118): 1-120 & 10 Tafeln.
Scherzinger, W. (1994): Glaucidium passerinum - Sperlingskauz. - In: Glutz von Blotzheim, U. (Hrsg.): Handbuch der Vögel Mitteleuropas Band 9, 464-500.
Steffens, R., Nachtigall, W., & Pätzold, J.-P. (2023): Die Brutvögel der Stadt Dresden. Naturschutzbund Deutschland (NABU), Fachgruppe Ornithologie Dresden, 248 S.
Steffens, R., Nachtigall, W., Rau, S., Trapp, H. & Ulbricht, J. (2013): Brutvögel in Sachsen. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden, 656 S.
Kontakt
Prof. Dr. rer. nat. Frank Dziock
Studiendekan Umweltmonitoring (B.Sc.) & Landschaftsentwicklung (M.Sc.)
- PW 102
- +49 351 462 3830

M.Sc. Florian Meerheim
- PB 203
- +49 351 462 3013