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Fakultät Geoinformation

Prof. Oczipka in der Mongolei
Sara Jagiolla, CAU Kiel
Prof. Martin Oczipka erkundet mit Hilfe von Drohnen das Gebiet.

Lost Cities in der Mongolei

Erstellt von Pressestelle |

Ein mongolisch-deutsches Forschungsprojekt untersucht Rollen und Wahrnehmung frühneuzeitlicher religiöser und militärischer Zentren in der nomadisch geprägten Mongolei. Auch Wissenschaftler der Geoinformation sind am Projekt beteiligt.

Durch Abwanderung der Menschen vom Land in größere Zentren, aber auch gewaltsame Zerstörung von Siedlungen und Städten sind über die Jahrhunderte schrumpfende und gänzlich verlassene Städte entstanden. Auch in der von nomadischer Lebensweise geprägten Mongolei finden sich solche sogenannten Lost Cities, vergessene Orte in ländlichen Regionen. Als frühere Zentren sesshaften Lebens leisten sie bis heute einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Identität des Landes. Das Wissen über diese Zeit zu erweitern und ihr Fortwirken bis in die Gegenwart zu untersuchen, steht im Zentrum des Forschungsprojektes. Dazu werden in einem interdisziplinären Ansatz ethnographische Forschung, archäologische Feldarbeit und Verfahren der Fernerkundung kombiniert. Erste interdisziplinäre Feldarbeiten im September 2019 haben bereits neue Erkenntnisse zur Datierung der vermutlichen Militäranlagen, zu Baustrukturen klösterlicher Plätze und zur Wahrnehmung und Interpretation der Anlagen bei der lokalen nomadischen Bevölkerung erbracht.

Das Team um Martin Oczipka, Professor für Fernerkundung und Digitale Bildverarbeitung, lässt Drohnen (Remotely Piloted Aircraft Systems, RPAS) über das Gebiet fliegen. Daraus entwickeln die Wissenschaftler photogrammetrische Luftbildkarten, aus denen dann digitale Oberflächenmodelle (DOM) gewonnen werden können. So können die Ausgrabungen in 3D-Format dokumentiert werden. Alle Daten fließen in das Geoinfomationssystemen (GIS) ein und die Ergebnisse werden zukünftig über das Geoportal des Labors Photogrammetrie und Fernerkundung veröffentlicht. „Dort können sie von interessierten Wissenschaftlern betrachtet und bei Bedarf auch heruntergeladen werden. Die Daten können eine wertvolle Basis für zukünftige Arbeiten, z.B. Ausdehnung des Untersuchungsgebietes auf die Innere Mongolei (China) sein.“, erläutert Martin Oczipka.

Die Forschungen werden von der Gerda-Henkel-Stiftung im Rahmen des Förderschwerpunktes „Lost Cities – Wahrnehmung von und Leben mit verlassenen Städten in den Kulturen der Welt“ seit 2019 gefördert. Projektpartner sind die Mongolische Akademie der Wissenschaften (Prof. Dr. Chuluun Sampildonov), die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (Prof. Dr. Henny Piezonka), die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (Prof. Dr. Martin Oczipka) sowie Dr. Birte Ahrens (Bonn). Eine intensive Zusammenarbeit besteht auch mit dem Deutschen Archäologischen Institut (Dr. Christina Franken) und der Fakultät Mathematik und Informatik an der HTW Dresden (Prof. Marco Block-Berlitz).

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