Aquädukte in der Region Nasca/Peru

Fakultät Geoinformation

Vermessung der Aquädukte in der Region Nasca/Peru

Aquädukt von Cantalloc
© Ch. Richter/Nascaprojekt

Projektziel

Die Aquädukte in der Region um Nasca gehören zu den ältesten Bewässerungsanlagen in der andinen Welt. Ihren Ursprung haben sie bereits in der Paracas- (ca. 800 – 200 v. Chr.) und der darauf folgenden Nasca-Kultur (ca. 200 v. Chr. – 650 n. Chr.). Sie stellen ein weitverzweigtes, ausgeklügeltes Bewässerungssystem dar, das bis heute Wasser aus unterirdischen Quellen in eines der trockensten Gebiete der Welt bringt und damit über Jahrtausende die Lebensgrundlage für viele Menschen in dieser Region darstellte. Die Wasseranlagen bestehen im Allgemeinen aus teilweise offenen und teils verschlossenen, unterirdischen Kanälen. Letztere sind häufig über sogenannte Puquios (spiralförmige Einstiege) zugänglich. 

Einige der Aquädukte werden bis heute insbesondere für die Landwirtschaft genutzt. Lediglich eine Anlage von Puquios in Cantalloc östlich von Nasca ist fast vollständig restauriert und touristisch erschlossen. Viele der insgesamt knapp 40 Anlagen verkommen zunehmend infolge des ungeordneten Städtewachstums – insbesondere im Großraum Nasca. Daher soll im Rahmen eines interdisziplinären Projektes das Potenzial der Aquädukte für eine Anerkennung als Weltkulturerbe evaluiert werden. Als Grundlage dafür müssen zunächst alle Aquädukte und Puquios vermessungstechnisch erfasst, bezüglich ihres aktuellen Zustandes analysiert und kartographisch dokumentiert werden.

Projektinhalt

Im September 2016 fand eine Feldkampagne statt, an der Prof. Dr. Bernd Teichert und MSc (GIS) Christiane Richter von der HTW Dresden sowie Prof. Dr. Karel Pavelka von der TU Prag teilnahmen. Von peruanischer Seite wurde das Projekt unterstützt vom Bürgermeister von Nasca Prof. Eusebio Alfonso Canales Verde sowie den Mitarbeitern der Agencia Agraria (Landwirtschaftsbehörde) und der Autoridad Nacional del Agua (Nationale Wasserbehörde) in Nasca. Der Bürgermeister von Nasca stellte außerdem ein geländegängiges Fahrzeug und zusätzliches Personal zur Verfügung.

Mittels GPS wurden im Rahmen dieser Messkampagne im Nasca- und Taruga-Gebiet insgesamt 34 Aquädukte vermessungstechnisch erfasst. Hierbei kamen sowohl Garmin-Empfänger, als auch Leica Viva Uno GNNS Handhelds zum Einsatz. Die Auswertung aller GPS-Messungen erfolgte direkt vor Ort.

Messtrupp
© Ch. Richter/Nascaprojekt
Das Projektteam wird von Mitarbeitern der Stadt Nasca unterstützt.

Zusätzlich konnten im Rahmen der Messkampagne 2016 einige ausgewählte Aquädukte photogrammetrisch mittels UAV (Unmanned Aerial Vehicle, ugs.: Drohnen) photogrammetrisch aufgenommen werden. Dabei bestand das Hauptproblem darin, dass die meisten Aquädukte aus der Luft nicht oder nur eingeschränkt sichtbar sind, weil sie entweder zu stark von Pflanzen überwuchert sind oder als Müllhalden dienen. Es kamen daher zunächst nur fünf Anlagen für eine Befliegung in Frage, nämlich die Aquädukte Cantalloc, Orcona und La Gobernadora im Nasca-Tal sowie San Carlos und Santa Maria im Taruga-Tal.

Bei der eingesetzten Drohne der TU Prag handelte es sich um eine eBee UAV (sensFly SA/Schweiz). Außerdem kamen bei der Befliegung zwei unterschiedliche Digitalkameras zum Einsatz eine Canon ELPH110HS und eine Canon IXUS mit jeweils 16.1 Mpix. Zur exakten Georeferenzierung wurden zusätzlich jeweils 4-5 Passpunkte mittels DGPS (Differential Global Positioning System) bestimmt.

Die Auswertung der Messungen erfolgte sowohl an der TU Prag, als auch an der HTW Dresden unter Nutzung der Software Agisoft PhotoScan. Im Ergebnis entstanden Orthophotomosaike sowie Digitale Geländemodelle der fünf Aquädukte.

Befliegung
© Ch. Richter/Nascaprojekt
Befliegung ausgewählter Aquädukte mit UAV

Sämtliche Aquädukte wurden auf der Basis der vorhandenen hochauflösenden Bilddaten des Quickbird-Satelliten (geometrische Auflösung: 0,6 m) und der GPS-Messungen erfasst und in die Datenbank des Geographischen Informationssystems NascaGIS eingepflegt. Das NascaGIS beinhaltet, neben topographischen Daten (wie z. B. Straßen, Flüsse, Ortschaften, Gebäude und Nutzungsarten), insbesondere alle archäologisch relevanten Daten (Linien und Figuren in der Pampa, archäologische Grabungsstätten und Funde) in der Region Nasca/Palpa. Dabei werden sowohl die Geometrie, als auch alle relevanten Sachdaten (wie z. B. Namen, Zustand, Größenangaben und sonstige Informationen zu den einzelnen Objekten) gespeichert.
Basierend auf den Daten des NascaGIS entstand im Frühjahr 2017 im Rahmen einer Bachelorarbeit an der HTW Dresden eine Topographische Karte der Aquädukte im Nasca-Tal.

 

Topographische Karte der Aquädukte
© Ch. Richter/Nascaprojekt

Projektteam

Name Telefon Raum E-Mail Aufgabenbereich
Teichert, Bernd-Dieter (Prof. Dr.-Ing.) 3179 Z 738 E-Mail Photogrammetrie / Fernerkundung / GIS
Richter, Christiane (M.Sc.) 2936 M 528A E-Mail Digitale Bildverarbeitung / Fernerkundung / Landmanagement

Projektpartner

Das Projekt wird in Kooperation mit dem Labor für Photogrammetrie der TU Prag, vertreten durch Prof. Dr.-Ing. Karel Pavelka durchgeführt.

Von peruanischer Seite wurde das Projekt unterstützt von:

  • der Asociación María Reiche in Lima
  • dem Bürgermeister von Nasca Prof. Eusebio Alfonso Canales Verde,
  • den Mitarbeitern der Agencia Agraria (Landwirtschaftsbehörde) in Nasca,
  • der Autoridad Nacional del Agua (Nationale Wasserbehörde) in Nasca.

Gerätetechnische Unterstützung erhielt das Projekt von der Fa. Leica Geosystems Deutschland

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