Populationsmanagement beim Rheinisch-Deutschen Kaltblut

Fakultät Landbau/Umwelt/Chemie

Populationsmanagement beim Rheinisch-Deutschen Kaltblut

Drittmittelprojekt 

Projektleiter:                         Prof. Dr. med. vet. Markus Freick

Operationelle Gruppe:        

  • HTW Dresden
  • Sächsische Tierseuchenkasse
  • Sächsische Gestütsverwaltung
  • Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen e.V.

Fördermittelgeber:              

Sächsisches Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie – EIP-Agri (Identifikationsnummer 332021015001LWC)

Laufzeit:                                  10/2021 – 03/2023

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Problemstellung

Die Polysaccharid-Speichermyopathie Typ 1 (PSSM1) ist eine bei verschiedenen Pferderassen verbreite Erbkrankheit, bei welcher sich Kohlenhydrate in der Muskulatur anreichern. Dies betrifft sowohl Glykogen als auch anormale Polysaccharide. Es kann zu klinischen Symptomen kommen, welche „kreuzverschlagsähnlich" sind und die gesamte Bandbreite von Bewegungsunlust, Tremor, Muskelsteifheit, Schwitzen, wechselnden Lahmheiten, Ausstrecken der Hintergliedmaßen bis hin zur Bewegungsunfähigkeit umfassen. Bei ausgeprägter Symptomatik kann es zur Myoglobinurie und daraus resultierendem Nierenversagen kommen. Es wird vermutet, dass Trägertiere häufiger an den oben genannten Symptomen leiden, jedoch konnte bisher keine unabdingbare Beziehung zwischen Genotyp und Phänotyp dokumentiert werden. Bei pferdegerechter Haltung und Arbeit der betroffenen Tiere ist es möglich, dass zeitlebens keine klinischen Symptome gezeigt werden beziehungsweise durch Anpassung von Fütterung und Haltung ist es möglich, dass Tiere sich gänzlich gesund präsentieren. Der Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen e.V. führt deutschlandweit die größte Zuchtpopulation der Rasse Rheinisch-Deutsches Kaltblut, wobei der Hauptanteil im Zuchtgebiet Sachsen registriert ist. Die Rasse ist ein lebendes Kulturgut im Freistaat Sachsen, wird aber aufgrund der nur noch geringen Populationszahl als gefährdet eingestuft. Ein Ausschluss von Trägertieren aus der Zucht wurde einen bedeutenden Einschnitt in die genetische Diversität darstellen, worin sich die Dringlichkeit dieser Untersuchung begründet.

Zielstellung und Projektinhalt

Ziele sind die Untersuchung der Trägerfrequenz der für PSSM1 ursächlichen Genmutation beim Rheinisch-Deutschen Kaltblut in Sachsen sowie eine Analyse der Effekte auf Leistungsparameter (Leistungsprüfungsdaten) und Gesundheit (Klinik) dieser Pferde. Um eine fundierte Empfehlung zum Zuchteinsatz von Trägertieren zu treffen und Züchtern optimierte Anpaarungsentscheidungen zu ermöglichen, soll die aktive Zuchtpopulation umfassend genotypisiert werden.

Das Thema unterstützt die Zuchtarbeit für das Rheinisch-Deutsche Kaltblut im Zuchtgebiet Sachsen. Die Ergebnisse ermöglichen dem Pferdezuchtverband fundierte Entscheidungen in zuchtleitenden Tätigkeiten und der Betreuung der Population. Für Züchter leisten die Ergebnisse wertvolle Hilfestellung bei der Anpaarungsentscheidung und der Tierhaltung und ‑versorgung im Falle von betroffenen Tieren. Für die Sächsische Gestütsverwaltung leisten die Erkenntnisse eine Entscheidungshilfe für die Bestandsremontierung. Die Kenntnis von Inzuchtkoeffizienten, effektiver Populationsgröße und Einfluss des Genotyps (PSSM1-Trägerschaft) auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit werden in der Tierauswahl für die nationalen Genbank Anwendung finden. Es sollen Empfehlungen zum Populationsmanagement aufgestellt und ein Anpaarungsplaner entwickelt werden, der neben der Abstammung bzw. dem Verwandtschaftskoeffizienten der Elterntiere auch den Genotyp (ggf. zwecks Gesundheit / Risikoreduktion) berücksichtigt.