Dresdnerhuhn

Fakultät Landbau/Umwelt/Chemie

Dresdnerhuhn

Erprobung eines Mauserkonzeptes bei lokalen Zweinutzungs-Rassehühnern einschließlich Untersuchungen zur Endoparasitenlast und Vorbereitung einer Zuchtwertschätzung bei ausgewählten sächsischen Geflügelrassen - „Dresdnerhuhn“

Projektleiter:            Prof. Dr. med. vet. Markus Freick

Ansprechpartner:    Dr. agr. Ruben Schreiter (Leipziger Rassegeflügelzüchterverein)

Operationelle Gruppe:        

Fördermittelgeber:              

Förderung eines Vorhabens nach der Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft zur Förderung der Landwirtschaft, der Europäischen  Innovationspartnerschaften (ElP AGRI) und des Wissenstransfers einschließlich Demonstrationsvorhaben im Rahmen des Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum im Freistaat Sachsen (Förderrichtlinie Landwirtschaft, lnnovation, Wissenstransfer - RL LlW2014) Teil: Europäische Innovationspartnerschaft "Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit" vom 15.12.2014, ldent-Nr. : 332021 01 51 01 LWC

Laufzeit:                                  04/2022 – 12/2024

Problemstellung

Die Zucht beim Haushuhn konnte in den vergangenen 80 Jahren eine enorme Steigerung des Leistungspotentials verzeichnen, die dazu führte, dass heute hoch spezialisierte Linien der Mast- und Legerichtung kommerziell genutzt werden und leistungsschwächere Rassen aus der Nutzung verdrängt wurden. Gezüchtet werden die alten Geflügelrassen seit über 150 Jahren von Züchtern des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG).

Die Notwendigkeit der Erhaltung alter, einheimischer Geflügelrassen ist v.a. in deren wertvollen Beitrag zur genetischen Diversität sowie deren funktionalen Merkmale, wie Adaptionsfähigkeit, Krankheitsresistenz oder Verhaltensmerkmale begründet. Als besonders erhaltenswert eingestufte Rassen werden in der Liste alter, einheimischer Geflügelrassen des Fachbeirats für tiergenetische Ressourcen zusammengefasst, wenn sie vor 1930 in Deutschland gezüchtet wurden und einen Bezug zur landwirtschaftlichen Nutzung besaßen. Sachsen gilt gemeinhin als „Wiege der organisierten Rassegeflügelzucht“ in Deutschland. Neben der Gründung erster Rassegeflügelzuchtvereine Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden hier eine Vielzahl erhaltenswerter Rassen verschiedener Geflügelarten bzw. werden diese seit langem hier gezüchtet. Diese Rassen besitzen für Sachsen eine besondere kulturhistorische Bedeutung. In der Liste alter, einheimischer Geflügelrassen der BLE sind jedoch nur wenige der sächsischen Rassen (z.B. Sachsenhuhn) geführt, da sie vielfach erst nach 1930 erzüchtet wurden.

Systematische Leistungsprüfungen erfolgten durch die Dachorganisation der Rassegeflügelzüchter in der DDR bis 1989. Seither wurde das Leistungsvermögen von Rassehühnern nur noch sporadisch geprüft. Weiterhin wurden im EIP-Agri-Projekt „Sachsenhuhn“ an der HTW Dresden zwei alte einheimische Rassen leistungsgeprüft (Sachsenhuhn und Deutsche Zwerg-Langschan). Es fehlen – mit Ausnahme der Sachsenhühner – damit jedoch weiterhin belastbare Aussagen zur Lege-, Mast- und Schlachtleistung, der Eiqualität und zu tierbezogenen Tierschutzindikatoren (z.B. Gefieder- und Fußballenzustand) der sächsischen Heimatrassen unter definierten Bedingungen einer Leistungsprüfung. Für eine potentielle landwirtschaftliche Nutzung der Rassen in Nischenproduktion sind somit auch keine Kenntnisse zur Eignung der Rassen vorhanden.

Ein Großteil der Legehennen wird gegenwärtig über eine Legeperiode (einphasig) bis zur 72.-80. Lebenswoche gehalten. Durch eine induzierte Legepause können Hennen nach der Mauser auch über eine zweite Legeperiode Eier erzeugen, womit die Nutzungsdauer deutlich erhöht werden kann. Eine verlängerte Nutzungsdauer ist aus Sicht des Tierschutzes wünschenswert und reduziert weiterhin die anteiligen Aufzucht-/Junghennenkosten je Ei. Außerdem kann damit das bei einer bäuerlichen Direktvermarktung vorhandene sog. Sommerloch (geringe Nachfrage nach Eiern im Juli/August) überbrückt werden. Konzepte zur induzierten Legepause bestehen für Legehennen, jedoch nicht für Rassehühner. Eine Erprobung eines Mauserkonzepts bei Rassehühnern erscheint angesichts der bestehenden Vorzüge – speziell für eine extensive Haltung –erforderlich. Die vorhandenen Programme zur gezielten Auslösung einer Legepause sehen eine Futterumstellung auf weniger nährstoffreiches Futter, eine quantitative Beschränkung der Futtermenge und eine Reduktion der Lichttageslänge vor.

Infektionen mit Endoparasiten wie Helminthen oder Protozoen können mit Leistungseinbußen, einer Beeinträchtigung des Tierwohls, Tierverlusten sowie einer Steigerung des Arzneimitteleinsatzes einhergehen und spielen in Freilandhaltungen eine besondere Rolle. Frühere Studien im Ausland konnten zeigen, dass indigene Hühnerrassen in der entsprechenden Haltungsumwelt eine erhöhte Resilienz gegenüber dort vorkommenden Endoparasiteninfektionen aufweisen und dass eine Co-Adaptation zwischen lokalen Hühnerrassen mit ihren Parasitenpopulationen existiert. Weiterhin identifizierten genomweite Assoziationsstudien (GWAS) entsprechende Punktmutationen (SNPs), die signifikant mit Parasitenresistenz assoziiert sind und bestätigten eine Heritabilität dieser Eigenschaft. Verlaufsuntersuchungen zur Endoparasitenlast bei alten deutschen Geflügelrassen bzw. sächsischen Heimatrassen im Vergleich zu Hybridlinien in extensiver Freilandhaltung fehlen hingegen bislang, wodurch unbekannt ist, ob die Beobachtungen an indigenen Hühnerrassen anderer Kontinente hinsichtlich der Parasitenresistenz bzw. -adaptation auch für europäische Rassen zutreffen.

Zielstellung und Vorgehen

Das Leistungsvermögen von zwei sächsischen Heimatrassen soll in Aufzucht- und Legeperiode unter Feldbedingungen geprüft werden, um deren Mast-, Schlacht- und Legeleistung sowie deren Eiqualität zu evaluieren. Gehalten werden die Tiere in einer extensiven Freilandhaltung, die einerseits für die Haltung von Rassegeflügel bei Hobbyzüchtern charakteristisch, aber andererseits auch für eine potentielle Nutzung in einer Nischenproduktion als Vorzugsvariante anzusehen ist.

Es wird dabei auf zwei lokale Hühnerrassen Sachsens zurückgegriffen:

  • Dresdner. Das Dresdner Huhn ist eine bedeutende sächsische Heimatrasse, die für die Rassegeflügelzucht des Freistaates eine hohe kulturhistorische Bedeutung besitzt. Erzüchtet wurde sie in den 1950er Jahren von Alfred Zumpe (Dresden-Wilschdorf), der den Rassenamen seiner Heimatstadt widmete. Sie gilt als leistungsstarke Hühnerrasse und konnte bei weit zurückliegenden Leistungsprüfungen in der DDR vergleichsweise sehr gute Legeleistungen erzielen (Schille, 2014).
  • Zwerg-Dresdner. Zwerghuhnrassen erfahren zunehmenden Stellenwert, wobei es sich bei den Zwerg-Dresdner um eine bereits seit 1957 anerkannte Rasse mit Ursprung in Sachsen handelt. Bei Leistungsprüfungen in der DDR konnten die Zwerg-Dresdner hohe Legeleistungen erzielen (Wesch, 2000), weshalb eine positive Leistungserwartung besteht.

Als Kontrollgruppe dienen eine Gruppe mit marktüblichen Hochleistungshybridhennen (Braunleger) für die Eiererzeugung und die langsamwachsende Broilerherkunft „Ranger Gold“ für die Fleischerzeugung.

Folgende innovative Aspekte sollen daher im Projekt bearbeitet werden:

  1. Erhebung und Bewertung der Schlacht- und Legeleistung sowie von Eiqualitätsparametern der lokalen sächsischen Geflügelrassen nach definiertem und etabliertem Protokoll. Weiterhin erfolgt eine ökonomische Evaluierung der gewonnenen Leistungsdaten.
  2. Vergleich der alten Geflügelrassen mit Hochleistungshybriden bezüglich Eiqualität, Tierwohlindikatoren (z.B. Fußballen-, Brustbeinzustand) und Verhaltensmerkmalen (z.B. Gefiederverlust zur indirekten Quantifizierung von Federpicken).
  3. Erprobung eines Mauserkonzepts zur Einleitung einer Legepause mit anschließender zweiter Legeperiode bei Rassehühnern.
  4. Vergleich der alten Geflügelrassen mit Hochleistungshybriden bezüglich der fäkalen Ausscheidungdynamik von Entwicklungsstadien bedeutsamer Endoparasiten (Helmintheneier, Kokzidienoocysten) in einer longitudinalen Studie (5.-110. LW).
  5. Weiterentwicklung einer vorhandenen Software und Erprobung der Etablierung einer Zuchtwertschätzung bei ausgewählten Geflügelrassen.