Mikroplastik

Mikroplastik beschreibt Kunststoffpartikel, deren Durchmesser kleiner als fünf Millimeter ist. Einerseits steigen die Mengen der Kunststoffherstellung und des Kunststoffverbrauchs kontinuierlich an – im Jahr 2021 wurden laut Plastics Europe erstmals 390 Millionen Tonnen überschritten. Andererseits liegen weltweit die Recycling- und Entsorgungsquoten deutlich unter dieser Größenordnung. Laut OECD werden nur 9 % der Kunststoffabfälle recycelt, 19 % verbrannt und fast 50 % auf Mülldeponien entsorgt. Die restlichen 22 % werden auf unkontrollierten Mülldeponien entsorgt, in offenen Gruben verbrannt oder gelangen in die Umwelt, wo Plastikmüll zu Mikroplastik zerfällt. Auch durch die Nutzung von Plastikprodukten kann Mikroplastik in die Umwelt eingetragen werden. Die Wirkungen dieser Partikel in der Umwelt sind bisher nicht ausreichend erforscht.
An der HTWD arbeiten wir daran, das Verhalten von Mikroplastik besser zu verstehen. Dazu wurde eine Methode entwickelt, um Mikroplastik in Flusssedimenten schneller und kostengünstiger als bisher zu identifizieren und zu quantifizieren. Die elektrostatische Separation in Kopplung mit der Dynamischen Differenzkalorimetrie wurde in Forschungsprojekten für die Anwendung optimiert und an Labor- und Umweltproben getestet. Das Verfahren wurde 2019 mit dem sächsischen Umweltpreis ausgezeichnet. Die Anwendung dieser Methode zur Untersuchung von Mikroplastik bei der Uferfiltration und der Trinkwasseraufbereitung ist ein neuer Aspekt der Mikroplastikforschung an der HTWD.
Aktuelle Projekte
ESF-Nachwuchsforschergruppe NALEWA (2025 – 2028)
In der Nachwuchsforschergruppe NALEWA - Nachweis und Aufnahme von Nanoplastik über Lebensmittel und Trinkwasser - erwerben junge Absolventen der HTW Dresden Qualifikationen in verschiedenen Fachbereichen der Nanoplastikforschung. Ziel des Vorhabens sind eine Bewertung des Eintragsrisikos von Nanoplastik in pflanzliche Lebens- und Futtermittel sowie Trinkwasser in Sachsen, eine erste Istzustands-Analyse und die Ableitung von Vermeidungs- und Schutzmaßnahmen. Zur Überprüfung der Anreicherungsschritte und Analytik von Pflanzen-, Wasser- und Bodenproben werden Nanoplastik-Standards mittels Präzipitation hergestellt und charakterisiert. Diese Standards werden auch für die qualitative und quantitative Analyse der Aufnahme und Anreicherung in Pflanzen eingesetzt. Für die Analyse der Nanoplastikaufnahme in Wurzeln und der Anreicherung in Früchten und Körnern werden mikroskopische und gaschromatografische Techniken verwendet. Die Rolle der Zellwand bei der subzellulären Aufnahme von Nanoplastik in Pflanzenzellen wird untersucht. Ein Schwerpunkt wird auf die Übertragung von Umweltbedingungen auf kontrollierte Laborbedingungen gelegt, um die Wissensübertragung aus dem Labor in die Natur zu verbessern. Für die Ermittlung von Nanoplastikgehalten im Trinkwasser und der Entfernungsleistung bei der Trinkwasseraufbereitung werden großvolumige Wasserproben in zusammenarbeit mit sächsischen Wasserversorgern analysiert. Durch Öffentlichkeitsarbeit, Schülerprojekte und Beiträge zur Langen Nacht der Wissenschaften soll das Interesse an naturwissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Studiengängen und Projekten erhöht werden.
Grundlagen der Phytoremediation von Mikroplastik aus Böden und Sedimenten (2025 - 2028)
Das übergeordnete Ziel des Projekts ist es, durch die Untersuchung von Prozessen in Böden, Sedimenten und Wasser, ein Verständnis für die Anreicherung von MP an und in Vegetationsbeständen zu erhalten. Somit sollen Grundlagen für eine Phytoremediationstechnologie zur Entfernung von MP aus Böden und Sedimenten geschaffen werden. Am Beispiel ausgewählter Flussauen sollen die räumliche und zeitliche Verteilung und Verhaltensdynamik von MP, die Einflüsse von MP auf den Kohlenstoffumsatz in Böden, sowie die Bedeutung von Pflanzen für eine Anreicherung und potenzielle Entfernung von MP untersucht werden. Dafür sollen eine stark anthropogen beeinflusste Bundeswasserstraße (Elbe) mit einem weitgehend natürlichen System, dem einzigen erhaltenen Wildflusssystem Europas (Vjosa), verglichen werden.
Verbundlabor „Umweltverhalten von Polymeren in Boden-Gewässer-Vegetationskompartimenten“ (2024 – 2026)
Die HTWD hat im Rahmen der Initiative der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zur Unterstützung von HAWs eine Förderung zur Ausstattung eines Verbundlabors erhalten. Das Verbundlabor bietet den interdisziplinären Forschungsgruppen Zugang zu umfassender und modernster Labor- und Analysetechnik mit Fokus auf der Untersuchung der Auswirkungen von Kunststoffen in Umweltkompartimenten wie Wasser, Boden und Luft. Neue Laborgeräte, darunter Mikrowellenaufschluss und Thermowaage für Bodenuntersuchungen, Durchflusszentrifuge und Durchflusszytometer zur Untersuchung von Wasser und mit der TED-GC-MS eine High-End-Methode zur Analyse von Mikroplastik mit extrem niedrigen Nachweisgrenzen verbessern die Forschungsinfrastruktur der HTWD erheblich, ermöglichen die Untersuchung größerer und schwieriger zugänglicher Umweltproben mit äußerst niedrigen Nachweisgrenzen für Umweltkontaminationen durch Kunststoffe. Damit kann die HTWD mit modernster Ausrüstung an einem besseren Verständnis der Umweltwirkung von Kunststoffen, aber auch zur Versachlichung der öffentlichen Diskussion und zur Entwicklung von Methoden und Technologien zur Lösung der Plastikkrise beitragen.
Die DFG-Förderung unterstreicht das wissenschaftliche Potenzial und die bisherigen Erfolge der interdisziplinären Forschung zu Nachhaltigkeitsthemen an der HTWD und stellt eine wesentliche Unterstützung für die zukunftsorientierte Forschung im Bereich Umweltschutz und Ressourcenschonung dar.
Abgeschlossene Projekte
Im Rahmen dieses Projekts wurde ein Verfahren zur Herstellung von Standards und Referenzmaterialien für die Mikroplastikanalytik im industriellen Maßstab validiert. Das Prinzip des Verfahrens ist es, Mikroplastikpartikel (d<1000 μm) durch additive Fertigung herzustellen. In den Laboren der HTWD wurden bereits erfolgreich mehrere Tausend Mikroplastikpartikel aus den Kunststoffen Polymilchsäure (PLA), Polycaprolacton (PCL), Polyethylen (LDPE) und Polyamid (PA6) hergestellt. Es konnten gleichmäßig große (monodisperse) Partikel anzahlgenau hergestellt werden. Das beschriebene Verfahren weist ein hohes Innovationspotential auf, da die Herstellung von Mikroplastikreferenzmaterialien derzeit ein aufwändiger und kostenintensiver Prozess ist, der schwer automatisierbar ist. Mit unserer Methode wurde eine Automatisierung und eine Herstellung von Standard- und Referenzpartikeln im industriellen Maßstab möglich. In Zusammenarbeit mit dem Verbundlabor und der Gründungsschmiede der HTWD formierte sich ein Gründungsteam, welches auf Grundlage eines HTWD-eigenen Patentes die Ausgründung des zu validierenden Verfahrens plant.
In der Nachwuchsforschergruppe SEMUWA - Sichere Entfernung von Mikroplastik bei der Uferfiltration und Trinkwasseraufbereitung in Sachsen - erwarben junge Absolventen der HTW Dresden und der TU Dresden Qualifikationen in verschiedenen Fachbereichen der Mikroplastikforschung. Ziel des SEMUWA-Vorhabens ist die Untersuchung des Verhaltens von Mikroplastik bei der Wassergewinnung durch Uferfiltration an Flüssen in Sachsen und bei der weitergehenden Wasseraufbereitung in den Wasserwerken. Für die Ermittlung des Rückhalts von Mikroplastik in der Flusssohle, im Grundwasserleiter und in Filtermaterialien und Filterrückspülschlämmen werden Methoden der elektrostatischen und Dichte-Separation für feinkörnige, organikreiche Feststoffe kombiniert und optimiert. Für die an der HTWD entwickelte Analysenmethode mittels Dynamischer Differenzkalorimetrie soll eine deutlich niedrigere Bestimmungsgrenze erreicht werden. Zur Quantifizierung der Entfernungsleistung bei der Trinkwasseraufbereitung werden Laborversuche und Anlagentests in Wasserwerken mit neuartigen, fluoreszierenden und abbaubaren Mikroplastikstandards durchgeführt, die mittels 3D-Druck hergestellt werden. Für die Wasserversorger wird eine wissenschaftlich fundierte Bewertung potentieller Risiken erstellt. Vier Nachwuchsforscherinnen und zwei Nachwuchsforscher werden zur Promotion geführt. Durch Öffentlichkeitsarbeit, Schülerprojekte und Beiträge zur Langen Nacht der Wissenschaften soll das Interesse an naturwissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Studiengängen und Projekten erhöht werden.
Im Rahmen des Validierungsprojekts wird die Methode zur Identifikation und Quantifizierung von Mikroplastik in Sedimentproben weiterentwickelt. Die Grundlage bildet dabei das Patent DE 10 2020 115 971, welche das an der HTW entwickelte Verfahren zur Quantifizierung von Polymerspezies in einer Polymerpartikel enthaltenden Probe beschreibt. Die Bestimmung von Mikroplastikpartikeln aus Polymeren mit Überlagerung von thermischen Signalen soll dabei ermöglicht werden. Dazu werden verschiedene Trennverfahren und mathematische Methoden zur Auftrennung der überlagernden Signale untersucht. Besonders relevant sind dabei die Gemische PE-PP und PET-PA6. Ziel der geplanten Aktivitäten ist es, die bisherigen Anreicherungsverfahren so weiterzuentwickeln, dass das Potential der Methode für die relevanten Gemische beschrieben werden kann.
In der Nachwuchsforschergruppe VEMIWA - Vorkommen und Verhalten von Mikroplastik in sächsischen Gewässern - qualifizierten sich Absolventen aus verschiedenen Fachbereichen zur Entwicklung einer neuartigen Methode zur Identifikation und Quantifizierung von Mikroplastik in Sedimentproben. Es wurden etablierte Methoden aus den Bereichen Probenahme, Elektrosortierung und Polymeranalytik zu einem neuartigen Prozess zusammengeführt, der ein zeit- und kosteneffizientes Monitoring von Mikroplastik in Flusssedimenten ermöglicht. Ein Schlüsselelement stellt der thermodynamische Fingerabdruck dar. Der thermodynamische Fingerabdruck vereint alle thermodynamischen Informationen eines Polymers, wie Schmelz- und Kristallisationstemperaturen und -enthalpien. Somit können verschiedene Polymere in Sedimentproben identifiziert werden. Zur Quantifizierung des Mikroplastikgehalts einer Probe wird eine einfach zu bestimmende thermodynamische Zustandsgröße (Enthalpie) genutzt. Eine Weiterentwicklung der Nachweismethode gelang durch die multivariate Auswertung des thermodynamischen Fingerprints, wodurch die Einflüsse von Fehlerquellen auf das Analyseergebnis zurückgedrängt und die Robustheit der Methode gesteigert werden konnten. Parallel zur fachlichen Qualifikation bildeten sich die Nachwuchsforschenden in den Bereichen Projektmanagement und Social Skills weiter und sammelten Erfahrungen mit eigenen Lehrtätigkeiten. Es wurden Kampagnen zur Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation durchgeführt, darunter Vorträge an Grundschulen, Gymnasien, Hochschulen und der Dresdner Seniorenakademie sowie eine Wanderausstellung vorbereitet.
Die Deutsche Meeresstiftung und der Bundesverband Meeresmüll e.V. initiieren seit 2020 Expeditionen entlang des deutschen Abschnitts der Elbe mit dem Forschungs- und Medienschiff Aldebaran. In den Jahren 2020 und 2021 beteiligte sich die HTWD an den Touren, beprobte erstmals Sedimente des gesamten deutschen Abschnitts der Elbe und untersuchte diese auf ihre Mikroplastikbelastung. Insgesamt 43 Sedimentproben wurden mittels der an der HTWD entwickelten Analysemethode und weiteren Methoden untersucht. Während der Expeditionen wurden Medienkampagnen durchgeführt und ein Videotagebuch auf YouTube veröffentlicht.
In diesem Projekt wurde gemeinsam mit dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie eine erste Überprüfung der Mikroplastikbelastung an Monitoringstellen des sächsischen Gewässermessnetzes durchgeführt. Dafür wurde die im VEMIWA-Projekt entwickelte Methode zum Monitoring von Mikroplastik in Sedimenten weiterentwickelt und an die Spezifik dieser Probenahmestellen angepasst. Die Kombination der elektrostatischen Separation zur Anreicherung von Mikroplastik aus Sedimentproben und der dynamischen Differenzkalorimetrie zur Bestimmung des Mikroplastikgehalts stand dabei im Vordergrund. Es wurden 30 Proben an ausgewählten Stellen des sächsischen Gewässergütemessnetzes entnommen und auf ihren Mikroplastikgehalt untersucht. Für viele kleinere sächsische Gewässer wurde eine sehr geringe Belastung mit Mikroplastik festgestellt, die in vielen Fällen unterhalb der Nachweisgrenze lag.
Kontakt
Projektleitung



Prof. Dr. rer. nat. habil. Arne Rüdiger Cierjacks
Teilprojektleiter Phytoremediation
- P1 022 / S 430A
- +49 351 462 3640

Prof. Dr. nat. techn. Verena Ibl
Teilprojektleiterin Nanoplastik in Pflanzen
- P2 203
- +49 351 462 3016


Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforscher
| Name |
Telefon (0351 462 - ) | Raum | Aufgabenbereich | |
|---|---|---|---|---|
| Ding, Jiaxing (M.Eng.) | 3382 | U 205 | Mikroplastik, Uferfiltration | |
| Eutin, Tim (M.Sc.) | 2152 | P2 211 | Nanoplastik in Pflanzen | |
| Hauffe, Maurice (M.Sc.) | 2165 | A 302 | Polymerchemie, 3D-Druck, Werkstofftechnik, Mikroplastikanalytik | |
| Kretschmar, Oliver (M.Sc.) | 3278 | A 301 | Polymerchemie, Mikroplastik-Analytik | |
| Landmann, Lara (M.Sc.) | 2028 | U 202 | Mikro- und Nanoplastikanalyse | |
| Michaelis, Mareike (M.Sc.) | 2047 | U 202 | ||
| Rau, Cindy (M.Sc.) | 3944 | U 205 | Mikroplastik, Wasseraufbereitung | |
| Seidel, Pauline (M.Sc.) | 2835 | A 301 | Plastik in der Umwelt & Analyse |








